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Kurz nach Wiedereröffnung: Theater wird wegen G7 zur Sperrzone - Polizei zieht in Gebäude

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Von: Josef Hornsteiner

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Hauruck: Mitarbeiter einer Firma aus Limburg an der Lahn stellen rund ums Kongresshaus und um Teile des Kurparks einen Zaun auf. 
Hauruck: Mitarbeiter einer Firma aus Limburg an der Lahn stellen rund ums Kongresshaus und um Teile des Kurparks einen Zaun auf.  © Thomas Sehr

Die Vorbereitungen zum G7-Gipfel laufen. Ein Zaun rund um das Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen schützt nun den Führungsstab der Bundespolizei. Alle Theatervorführungen fallen aus.

Garmisch-Partenkirchen – „Das Timing ist der Hammer.“ Anders kann es Matthias Weckmann gar nicht nennen. Zwei Jahre Corona-Wahnsinn liegen hinter dem Junior-Direktor des Kleinen Theaters in Garmisch-Partenkirchen. Lange musste seine Kulturstätte geschlossen bleiben. Dann konnte er sie unter strengen Auflagen wieder öffnen.

Nun darf er seit rund drei Wochen endlich wieder mit geringen Auflagen Besucher in sein Theater lassen. Dann kommt G7 – und der Wahnsinn beginnt von vorne. Seit Anfang der Woche ist das Kongresshaus eine Sperrzone – bis voraussichtlich 8. Juli.

G7-Gipfel in Elmau: Kongresshaus wird Sperrzone - Alle Theatervorführungen fallen aus

Der Zaun steht bereits. Er schützt die Führungsriege der Bundespolizei, die den Einsatz vor und während des G7-Gipfels im Schlosshotel Elmau leitet. Hier werden alle Maßnahmen koordiniert. Ein Ort, mitten in Garmisch-Partenkirchen, der ab sofort bewacht und gesichert werden muss.

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Eine Aufführung in einem ausverkauften Theater im gleichen Gebäude? Unmöglich, erklärt Rainer Scharf, Pressesprecher des G7-Planungsstabs der Bundespolizei. Die logische Folge: Das Kleine Theater sowie die Bühne U1 werden bis voraussichtlich 8. Juli geschlossen.

G7-Gipfel 2022: Sperrzaun um Theater errichtet - Direktor verärgert

Für Weckmann ärgerlich, wenngleich er nachvollziehen kann, dass es auch für die Polizei kein einfaches Unterfangen ist, spontan alles für das Mammuttreffen vom 26. bis 28. Juni vorzubereiten. Er selbst hat wie alle anderen Kongresshaus-Nutzer im Februar dieses Jahres davon erfahren, dass für Monate gar nichts mehr geht im Gebäude.

Gerade noch rechtzeitig, meint er. Denn der Kartenverkauf für die über 32 Veranstaltungen, die nun während des besagten Zeitraums aus dem Programm gestrichen werden mussten, hatte noch nicht begonnen. Weckmann selbst steht nun im engen Austausch mit den Behörden, um über Ausfallzahlungen zu sprechen.

Kultur hinter Gittern: Der Eingang zu den Bühnen ist mit Zäunen versperrt. 
Kultur hinter Gittern: Der Eingang zu den Bühnen ist mit Zäunen versperrt.  © Thomas Sehr

Doch sei es nicht nur das Finanzielle, was dem selbstständigen Autor und Journalist an die Nieren geht. „Das packt einen auch mental an.“ Gerade nach der Corona-Pandemie brennt in den Darstellern der Tatendrang. Auch das Publikum will endlich wieder ins Theater, möchte unter Leute, etwas erleben. Weckmann hat seinen Humor trotzdem nicht verloren. „Meine Frau und ich üben jetzt von zuhause aus, im Bett“, sagt er lachend.

G7-Gipfel in Elmau: Theater wird überraschend zur Sperrzone - Tägliche Polizeikontrollen

Dabei spielt er auf das neueste Stück an, dass er mit Schauspielerin und ebenfalls Junior-Direktorin Tatjana Pokorny einstudiert hat und welches jetzt im Mai eigentlich Premiere gefeiert hätte. Die romantische Komödie „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“ spielt großteils in einem Bett auf der Bühne. Diese Premiere als auch eine weitere verschiebt Weckmann nun. „Wir wollen im Juli nach dem G7-Gipfel richtig durchstarten“, verspricht er.

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Auch für Monika Lang kam die Nachricht über die Kongresshaus-Sperrzone im Februar völlig überraschend. Sie und ihr Team von GAP-Ticket haben ihr Büro im Kongresshaus. Doch hat Lang und eine weitere Kollegin eine Ausnahmegenehmigung für die nächsten Monate. „Wir dürfen normal weiterarbeiten“, erklärt sie.

Sie müssen sich lediglich täglich einer Polizeikontrolle unterziehen, um zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen. Für den Kundenverkehr ist das Büro bis 8. Juli geschlossen. Allerdings können nach wie vor uneingeschränkt Karten verkauft werden – nur eben online, per E-Mail oder telefonisch. „Tickets können dann entweder im Reisebüro DER am Bahnhof abgeholt werden oder wir verschicken sie per Post“, erklärt Lang.

Theater wird wegen G7 zur Sperrzone: „Für uns der vierte Lockdown in zwei Jahren“

„Für uns ist das der vierte Lockdown in zwei Jahren sozusagen“, meint sie. Nur sei dieser fast schon schlimmer, als die drei coronabedingten davor. „Während der Pandemie war halt alles zu.“ Aber jetzt boome das Geschäft, die Menschen möchten wieder Veranstaltungen besuchen und kaufen fleißig Tickets. Sie hätte sich gewünscht, dass sie seitens der Politik und der Polizei transparenter informiert worden wäre. „Wir wussten bis vor kurzem nicht einmal, wo und wie der Zaun verlaufen wird.“

Etwas gelassener blickt Markus Schneider auf die Situation. Der Vorsitzende des „Kulturbeutels“ musste zwar auch vier Veranstaltungen verschieben. „Aber wir sind nur ein Verein und unsere Existenz hängt davon nicht ab.“ Man habe mit den Künstler ein Arrangement gefunden und holt die ausgefallenen Termine nach.

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