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G7-Polizei rast durch Wohnviertel: Anwohner stellen Schild auf – und sind von Reaktion angetan

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Von: Tanja Kipke

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In Garmisch-Partenkirchen weisen Anwohner die Polizei mit Schildern auf das Tempolimit hin.
In Garmisch-Partenkirchen weisen Anwohner die Polizei mit Schildern auf das Tempolimit hin. © Tanja Kipke

Hubschrauber, Polizeibusse, Sperrungen: In Garmisch-Partenkirchen ist wegen des G7-Gipfels einiges los. Anwohner wehrten sich nun mit Pappschildern.

Garmisch-Partenkirchen – 18.000 Polizisten sind momentan wegen des G7-Gipfels in Garmisch-Partenkirchen und Region im Einsatz. Alle paar Minuten fahren Polizeibusse durch die Straßen, mehrmals die Stunde landen Militärhubschrauber am Medienzentrum. Vom „Dauergeknatter“ aus der Luft sind einige Anwohner ordentlich genervt. Die Polizeipräsenz stellt den ganzen Markt auf eine Geduldsprobe. In einer Straße wehrten sich die Bewohner gegen die offenbar viel zu schnell fahrenden Polizeibusse.

G7-Gipfel: Anwohner bitten Polizei wegen spielenden Kindern sich an Tempolimit zu halten

„Liebe Polizei, bitte fahr max. 30. Wir Kinder spielen und wohnen hier. Danke!“, ist auf einem Schild am Straßenrand in der Martinwinkelstraße zu lesen. „Am ersten Tag sind die mit 50 hier durchgebrettert“, erzählt eine 33-jährige Anwohnerin. Obwohl in der gesamten Straße 30 gilt. Teilweise würden acht Polizeibusse hintereinander durch die schmale Straße düsen. Daher hat sie sich mit ihrer Nachbarin entschlossen, die Pappschilder aufzuhängen.

Gefühlt alle paar Minuten fahren Polizeibusse wegen des G7-Gipfels durch die Martinwinkelstraße in Garmisch-Partenkirchen.
Gefühlt alle paar Minuten fahren Polizeibusse wegen des G7-Gipfels durch die Martinwinkelstraße in Garmisch-Partenkirchen. © Tanja Kipke

Die Kinder in der Nachbarschaft sind „alle zwischen 0 und 13“ und spielen oft auf der Straße. Die 33-Jährige habe selbst zwei Kinder, ein Mädchen (7 Monate) und einen Jungen (8). Das sei für die Kinder dann schon gefährlich. Die Schilder dienen „als kleiner Wink“, damit mehr auf die Geschwindigkeit geachtet wird.

Der Grund für die hohe Polizeipräsenz in genau dieser Straße? Sie dient als Zufahrtsstraße zum Protestcamp des Bündnis „Stop G7 Elmau“. Die Aktivisten haben ihre Zelte an der Loisach aufgeschlagen, praktisch am Ende der Martinwinkelstraße. „Das Camp ist gleich da hinten“, sie deutet die Straße hinunter. Am Straßenanfang und -ende haben die Beamten daher Patrouillen stehen.

Noch mehr Informationen rund um den G7-Gipfel gibt‘s in unserem News-Ticker.

G7-Gipfel in Elmau: Anwohnerin begeistert von „netten“ Polizisten

Die Schilder zeigten bereits nach kurzer Zeit Erfolg, die Busse fahren jetzt langsamer durch die Straße. „Das finde ich auch wichtig, dass man ernst genommen wird, wenn man hier vom Gipfel betroffen ist.“ Die Bewohner bedankten sich daraufhin bei den Beamten, nun winke man sich auch beim Vorbeifahren zu. Die 33-Jährige habe bisher generell nur nette Polizisten getroffen, die viel Verständnis zeigen würden. Mit den Kindern gehen die Beamten „sehr süß“ um, jede Frage wird beantwortet. „Da geben sie sich echt Mühe.“

Viele im Umfeld der 33-Jährigen regen sich wegen der Hubschrauber und der vielen Polizeiautos auf. „Mich persönlich stört es nicht“. So ein Großevent mitzuerleben, empfindet sie als spannend. Auch für die Kinder sei es toll. „Wann sieht man schonmal Polizisten auf Pferden und Motorrädern“. Bei der Ankunft von US-Präsident Joe Biden ist die Familie im Verkehr stecken geblieben. „Wir haben uns dann hingesetzt, was zu trinken und Kabberzeug besorgt und zugeschaut.“ Einer der Polizisten hat einem der Kinder sogar kurz seine Weste abgeben.

Das Protestcamp hat sich die Familie auch angeschaut, dort wurden sie sogar zum Essen eingeladen. Bei all den negativen Auswirkungen, dürfe man die positiven nicht vergessen. „Man kann meckern und mosern, ändern können wir es eh nicht.“ (tkip)

Noch mehr aktuelle Nachrichten rund um das Gipfeltreffen 2022 finden Sie auf Merkur.de/G7-Gipfel Elmau

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