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G7-Chaos: Polizei vermiest Geschäft von Tonialm-Wirt – „Traut sich keiner durch“

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Von: Christian Fellner

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Wirt Markus Lenzenhuber von der Tonialm in Garmisch-Partenkirchen hat kaum noch Gäste.
Wirt Markus Lenzenhuber von der Tonialm in Garmisch-Partenkirchen hat kaum noch Gäste. © Thomas Sehr

Einer der Verlierer des G7-Gipfels ist definitiv der Wirt der Tonialm in Garmisch-Partenkirchen. Kaum ein Gast kommt noch zu seiner Alm.

Garmisch-Partenkirchen – Markus Lenzenhuber bedient sich markiger Worte. Aber klar: Ihm stinkt’s gewaltig. „Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen“, betont der Wirt der Tonialm in Garmisch-Partenkirchen. Wunderbar idyllisch liegt der Gasthof neben der Talstation der Alpspitzbahn. Von der Terrasse blickt man auf die Bergwelt. Nur: Dort sitzt niemand. Komplett leer – bei Traumwetter. „Wir haben so gut wie kein Geschäft mehr“, moniert er. Denn einen gewaltigen Nachteil hat seine exponierte Lage in diesen Tagen: Er ist komplett abgeschnitten von der Außenwelt. Die großen Parkplätze im Umfeld der Kreuzeck- und Alpspitzbahn hat die Polizei in Beschlag genommen. Dort ist eine der beiden Verpflegungsstationen für die Einsatzkräfte aufgebaut.

Noch mehr Informationen rund um den G7-Gipfel in Elmau gibt‘s in unserem News-Ticker.

G7-Gipfel in Elmau: Wirt in Garmisch-Partenkirchen beklagt Umsatzeinbußen

In der Theorie ist die Zufahrt zu Lenzenhubers Wirtschaft frei, es gibt nicht einmal Zufahrtskontrollen, nur in der Praxis sieht es oft anders aus. Gerade, wenn die Polizeikräfte die Kolonnen anrauschen, um verpflegt zu werden. „Dann stehen die Busse überall die Straße noch. Da traut sich keiner mehr durch“, kritisiert er.

Gespräche habe er schon früh mit der Polizei geführt. Stets hieß es: Wird alles kein Problem. Nur sieht es in der Realität nun anders aus. Das Geschäft ist komplett eingebrochen. „Das alles hemmt uns gewaltig.“ Lenzenhuber und sein Team erwischt es vor allem nicht nur ein paar Tage rund um den G7-Gipfel. „Die Aufbauten bei uns draußen gingen ja schon Anfang Juni los.“ Und die dauerhafte Polizeipräsenz schreckt die Gäste ab.

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G7-Gipfel in Elmau: Polizei und Gemeinde können Wirt nicht helfen

Die Bayerische Zugspitzbahn habe ihre Gastronomie-Betriebe geschlossen. „Die können das schon tun, weil sie im Ort Parkplätze vermieten, andere Einnahmen haben.“ Er schaut mit dem Ofenrohr ins Gebirge. „Ich muss hoffen, dass ich diesen Monat zumindest auf die Hälfte des Umsatzes aus dem Vorjahr komme, und das trotz Corona in 2021.“ Der Juni sei eigentlich einer der drei stärksten Monate für Lenzenhuber. Zusperren war für ihn keine Option. Denn in seinem Fall wäre es eben nicht nur um fünf oder zehn Tage gegangen, sondern um den ganzen Monat. Bei der Gemeinde hat er sein Glück auch versucht und um Unterstützung gebeten. „Aber da heißt es nur, dass man nicht zuständig ist.“

Die Polizei kann zu dieser Sache wenig sagen, geschweige denn akut etwas daran ändern. In der Pressestelle hat man durchaus Verständnis für die bescheidene Situation des Gastronomen. Aber ändern könne man nichts. „Es wär klar, dass es leider auch einige Härtefälle geben wird“, sagt ein Sprecher.  

Das dreitägige G7-Gipfeltreffen in Elmau geht am heutigen Dienstag zu Ende. Wie reist Joe Biden ab?

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