Ärger um Parkplätze

Anwohner sauer: Hilfe, FC-Bayern-Fans parken Garching zu

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Jürgen Ascherl kritisiert die Lage am Brunnenweg in Garching. Den parken die Besucher der Allianz-Arena so zu, dass nicht einmal mehr zwei Autos aneinander vorbeikommen. Das nervt. 

Garching und der FC Bayern, das ist ein zweischneidiges Schwert. Die Nähe zum Stadion macht aber aus Garching auch einen illegalen Riesen-Parkplatz, was Anwohner zunehmend nervt.

Garching – Die Wirte frohlocken, wenn der FC Bayern seine Gegner in der Allianz Arena empfängt, nur zwei U-Bahnstationen entfernt von Garchings Stadtmitte, und Fans sich die Zeit zuvor im Biergarten vertreiben. Dass die Stimmung im Ort dennoch gereizt ist, liegt an den Falschparkern. Kaum ein Garchinger, der mit seinem Auto nicht schon eine Ewigkeit nach einem freien Stellplatz suchen musste.

„Prekär“ findet Detlef Kottmeier die Lage.

„Ich sag’ Ihnen“, fasst Detlef-Clemens Kottmeier (71) die Lage zusammen: Von der Türkenstraße über die Münchner Straße bis zur Schleißheimer Straße und weiter zum Brunnenweg, der Alten Post und dem Schulgebäude, wo Bayern-Fans ihre Autos regelrecht verstecken würden. „Die Lage ist prekär.“ Kottmeier ist im Seniorenbeirat der Stadt aktiv und hat das Rathaus nicht nur einmal um Abhilfe gebeten. Stattdessen stellt der 71-Jährige fest, der gern noch seine Runden mit dem Radl dreht, dass der Radweg ab Dirnismaning kaum mehr befahrbar ist. „Da kommst’ einfach nicht mehr rum.“ Und was ihn besonders ärgert: „Die Polizei fährt vorbei und macht nichts“, behauptet er.

Seniorenbeirat hofft auf Hilfe

Es ist Samstag, 27. April, gegen Mittag. Herrliches Wetter. Die Bayern empfangen die Eintracht aus Frankfurt. Eine Meisterfeier ist geplant, und ganz Garching leuchtet Bayern-rot. Klar hat es sich rumgesprochen, dass es am einfachsten ist, mit dem Auto bis Garching zu fahren, dort zwei, drei Bierchen zu nehmen und mit der U-Bahn ins Stadion, weiß Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD): „Fluch und Segen für Garching eben.“ Ob Augustiner, Neuwirt oder Eiscafe Calimero; kein Platz bleibt frei, wenn die Roten kommen.

In den Römerhof wagt sich so leicht kein Falsc hparker.

Klar auch, dass die Leute parken, wie es ihn gerade passt. Nicht selten auf privatem Grund, wie dem Bauhof-Stellplatz. Rizan Omay (43) wurmt das zwar mächtig. Den Abschleppdienst ruf der Hausmeister trotzdem nicht. „Zu viel Gezeter.“ Außerdem sollen die Leute ja ihren Spaß haben. Diesen Spaß glaubt auch Gruchmann den Falschparkern nicht nehmen zu können: Wer sich eine Dauerkarte beim FC Bayern leisten könne, den kratzten keine Strafzettel für zehn oder 20 Euro von der Kommunalen Verkehrsüberwachung. „Wir haben den Römerhof mit einer Mauer gesichert, ein Tor eingezogen“, erzählt Gruchmaann weiter. In Grünflächen wurden Holzpflöcke gesetzt. Kurze Zeit später waren die wieder weg. „Was sollen wir denn noch tun?“ Findlinge verteilen? Eiserne Sperren aufstellen?

Wo ist die Verkehrsüberwachung?

Für Jürgen Ascherl wäre das zumindest ein Anfang. Der Fraktionschef der CSU im Stadtrat, Personalrat und stellvertretender Vorsitzender der Bayern-Polizei fragt sich, was die Leute von der Verkehrsüberwachung den lieben langen Tag so treiben. „Nicht nur im Hüterweg wurde Grünfläche zerstört.“ Im zugeparkten Brunnenweg sei Gegenverkehr dann überhaupt nicht mehr möglich.

Eine Kollegin Ascherls, Sprecherin im Polizeipräsidium München, verweist auf Garchinger Zuständigkeiten. Erst bei Verstößen würden Polizisten eingreifen. „Einfach 110 wählen. Dann kommen wir.“ Was aber spricht dagegen, einem Falschparker im Vorbeifahren schnell mal ein Ticket hinter die Windschutzscheibe zu klemmen?

Anwohner droht mit Dienstaufsichtsbeschwerde

Ein Garchinger aus dem Brunnenweg jedenfalls, der seinen Namen nicht nennen mag, ist die Warterei leid. „Die Stadt sagt, sie kümmert sich.“ Letztens bei einem Spiel ist er wieder mal die kreuz und quer parkenden Autos abgelaufen. „Glauben Sie, ich hätte auch nur einen Strafzettel gesehen?“ Der 28-Jährige sagt, einen Rechtsstreit nicht zu scheuen und kündigt eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt bei der Regierung von Oberbayern an.

Die Jungs aus Fulda kennen sich aus: Stefan Müller (l.) und Tobias Schuff parken immer legal an der Telschowstraße.

Dass man sich auch anwohnerfreundlich benehmen kann, beweisen am Samstag zwei Bayern-Fans aus Fulda. Nachdem ein Deggendorfer noch meinte, sich in die Zufahrt Schrannenweg 3, 5, 14 stellen zu müssen, „weil an der U-Bahn ja nichts frei war“, fallen einem Stefan Müller (32) und Tobias Schuff (34) um so angenehmer auf. Sich auf dem öffentlichen Parkplatz Telschowstraße gerade Trikots mit den Namen von Kimmich und Ribery überstreifend, wunderten sich die beiden über die ganze Aufregung. Falschparken, Anwohner nerven? „Wir stehen immer hier. Man muss nur wissen, wo.“

Was ist noch erlaubt?

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