Doppel-Selbstmord in dieser Laube

So düster war das Leben der Brüder Alex und Stefan

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Der Tatort: Im hinteren Bereich der überdachten Veranda im idyllischen Garchinger Biergarten Mühlenpark starben die beiden Brüder.

Garching - Nach dem Doppel-Selbstmord im Biergarten in Garching werden immer mehr Details aus dem Leben der beiden drogenabhängigen Brüder Alexander (25) und Stefan (31) bekannt.

Sie lebten in einer Welt, in der es scheinbar immer dunkel war. Die Vergangenheit freudlos. Die Gegenwart trostlos. Die Zukunft ein leeres, schwarzes Loch. Irgendwo da liegt vermutlich die Erklärung für den mysteriösen Doppel-Selbstmord der beiden Brüder Alexander (25) und Stefan S. (31), die sich im Abstand weniger Sekunden am Montag im idyllischen Garchinger Biergarten Mühlenpark erschossen haben. Die ganze Wahrheit wird wohl nie wirklich bekannt werden. Die haben die Brüder für immer mit ins Grab genommen.

So düster war das Leben von Alexander (25) und Stefan S. (31)

Stefan und Alexander S. wuchsen in Garching auf. Ihre Freizeit verbrachten sie überwiegend am Computer. Berufe hatten beide nicht. Ihre Tage hatten keine Struktur. Auf Mutter und Oma sollen sie schon lange nicht mehr gehört haben. In den letzten Jahren rutschten beide ins Drogenmilieu ab. Beide waren längst polizeibekannt mit den typischen Straftaten der Beschaffungskriminalität. Zahlreiche Diebstähle – einmal waren ein Messer und ein Würgeholz mit im Spiel. Auch als Hehler trat Alexander einmal in Erscheinung. Dazu kamen diverse Schwarzfahrten und immer neue Bewährungsstrafen. Beide litten unter chronischem Geldmangel. Darum lebte Alexander auch noch bei der Mutter in seinem Kinderzimmer, dessen Wände er tiefschwarz gestrichen hatte wie in einer Gruft.

Sein großer Bruder Stefan lebte bei der Oma in Garching. Die rief im November vergangenen Jahres in höchster Sorge die Polizei, weil Stefan eine scharfe Waffe besaß. Die wurde bei der Durchsuchung zwar nicht gefunden. Dafür aber ein Abschiedsbrief, in dem Stefan seinen Selbstmord ankündigte – und zwar durch einen Kopfschuss. Keine leere Drohung, wie sich am Montag auf dramatische Weise erweisen sollte.

Der jüngere Bruder, Alexander, erschoss sich zuerst

Spät in der Nacht zu Dienstag wurden die Leichen der beiden Brüder abgeholt.

Gegen 20 Uhr meldete sich am Notruf-Telefon der Polizei ein Spaziergänger, der eine seltsame Beobachtung gemacht hatte: "Im Mühlenpark sitzen zwei Männer. Es liegt eine Waffe auf dem Tisch!" Der Biergarten hatte am Montag um 18.30 Uhr geschlossen. Die Brüder waren später gekommen, setzten sich im strömenden Regen unter das Verandadach.

Nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch und Kriminaldirektor Frank Hellwig trafen zwei zivile Beamte als erste im Biergarten ein. Beide gaben sich als Polizisten zu erkennen. Im Lichtkegel ihrer Taschenlampen sahen die beiden mit Entsetzen, wie sich einer der Männer wortlos die Waffe (Heckler & Koch, Kaliber 9 mm) an den Kopf setzte – und abdrückte! Das war offenbar Alexander gewesen. Die Beamten traten auf der Stelle den Rückzug an, forderten Verstärkung, das SEK und den Notarzt an. Noch bevor sie den Biergarten verlassen hatten, hörten sie einen zweiten Schuss. Das war der Moment, in dem auch Stefan starb. Der Notarzt konnte beiden nicht mehr helfen.

dob, jam

Alexander S. wohnte am Scherben-Haus

Polizisten durchwühlten am Dienstag alle Müllcontainer in der großen Wohnanlage am Römerhofweg.

Fast den ganzen Tag über durchsuchten am Dienstag dutzende Polizisten sämtliche Müllcontainer jener Wohnanlage am Römerhofweg in Garching, in der es am Samstag zu einer mysteriösen Explosion gekommen war. Kurz nach 12 Uhr hatte eine enorme Druckwelle die Treppenhausfenster eines Wohnblockes zerbersten lassen. Ein Mieter (79) wurde dabei verletzt und musste ins Krankenhaus (tz berichtete).

Am Dienstag machte sich unter den Bewohnern der Anlage einige Sorgen breit. Zunächst glaubten viele Mieter, die Durchsuchung der Müllcontainer habe mit dem Doppel-Selbstmord im nahen Biergarten etwas zu tun. Einer der Brüder, der 25-jährige Alexander S., wohnte nämlich drei Wohnblöcke weiter. Ein Ermittler vor Ort stellte jedoch klar: "Die Explosion und der Vorfall im Biergarten haben nichts miteinander zu tun."

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