Ein besonderes Phänomen im All

Der letzte Kuss zweier Sterne: Das Geheimnis hinter dem neuen Garchinger Planetarium

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Das Sternensystem VFTS 352 wurde 2015 mit einem ESO-Teleskop entdeckt. 

Ein besonderes Phänomen im All haben die Architekten beim Bau des neuen ESO Supernova Planetarium & Besucherzentrum eingebunden. 

Garching - Im Jahr 2015 entdeckte ein internationales Astronomenteam mit einem Teleskop der ESO, der Europäischen Südsternwarte, den bislang heißesten und massenreichsten bekannten Doppelstern des Universums. Die beiden Sonnen liegen so nah beieinander, dass sie sich sogar berühren. Wenn man das neue ESO-Gebäude in Garching betrachtet, entdeckt man sie wieder.

Astronomen machen sensationelle Entdeckung:

Signale der ersten Sterne empfangen

Es gibt eine düstere Zukunftsprognose für dieses Sternensystem namens VFTS 352: Die beiden heißen Sterne könnten eines Tages zu einem schnell rotierenden, riesigen Einzelstern verschmelzen. Das könnte zu einer extrem energiereichen Explosion mit langandauernden Gammastrahlenausbrüchen führen, so die Prognose von Hugues Sana von der Universität Leuven in Belgien. 

Kosmos-Forschung: Wann kommt die nächste Supernova?

Aber es gibt noch eine weitere Version, wie es ausgehen könnte: „Wenn die Sterne gut genug durchmischt werden, bleiben sie beide kompakt und das VFTS 352-System entgeht der Verschmelzung“, meint die  Astrophysikerin Selma de Minks von der Universität Amsterdam. Letztlich würden dann Supernova-Explosionen ihr Leben beenden und ein Doppelsystem aus Schwarzen Löchern mit einer starken Quelle von Gravitationswellen bilden. 

Bis es entweder zu dem einen oder anderen Ausgang kommt, umrunden sich die beiden Sterne weiter und sind verbunden mit einer Brücke, die rund 30 Prozent ihrer Materie ausmacht und die sie sich teilen. Ein seltenes Phänomen im All. Eine Gefahr für unsere Erde besteht bei einer Explosion nicht: Das spektakuläre Doppelsternsystem befindet sich rund 160.000 Lichtjahre entfernt im sogenannten Tarantelnebel, auch 30 Doradus genannt. 

Die Position von VFTS 352 in der Großen Magellanschen Wolke namens 30 Doradus oder auch „Tarantelnebel“

Blutsauger im All

Ähnlich wie Blutsauger in der Mythologie gibt es auch Vampire im Weltall, die sämtliche Energie aus einem fremden Objekten heraussaugen können. Mit dem Bild der „Vampirsterne“ werden die Konstellationen in solchen Doppelsternen-Systemen erklärt, bei denen ein Stern Materie aus seinem Nachbarn absaugt, was im Fall von VFTS 352 jedoch nicht der Fall ist. 

In manchen Doppelsternsystemen jedoch wird einer beiden Sterne zuerst zu einem sogenannten „Roten Riesen“. Er gibt Gas an den kleineren Stern ab und lässt diesen ebenfalls wachsen. Der leichtere Stern und der Kern des Roten Riesen drehen sich in einer gemeinsamen Hülle aufeinander zu. Der verbleibende Kern des Riesen kollabiert und er wird zu einem weißen Zwerg. Der Begleitstern gibt dann Gas an den Zwerg ab, bis er eine kritische Masse erreicht und explodiert.

Und was hat das alles mit Garching zu tun? 

Die beiden Gebäudeteile des ESO Supernova Planetariums und Besucherzentrums ähneln einem Doppelsternsystem, bei dem Masse von einem Stern auf den anderen Stern übertragen wird. Bis es letztlich zu einer Explosion des schwereren Sterns kommt. Eben der letzte Kuss zweier Sterne! Von oben betrachtet wird diese architektonische Idee besonders gut sichtbar: 

Wie zwei Sterne in einem Doppelsternsystem: Die Gebäudeteile des ESO Supernova Planetariums und Besucherzentrums. 

Video: ESO Supernova

mag

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