Spieler zeigten Militärgruß

Skandal um Fußballer des FC Türk Sport Garching - Verband reagiert inkonsequent

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So präsentiert sich der FC Türk Sport Garching auf Instagram: Das Foto, auf dem die Spieler salutieren, verbreitet der Verein online. Der Text daneben lautet übersetzt: „Möge Gott euer Verbündeter sein! Gefallene sind unsterblich, das Vaterland ist unteilbar!“

Das umstrittene Militärsalut der türkischen Nationalmannschaft auf dem Fußballplatz findet mehrere Nachahmer im Landkreis. Trotz Androhung harter Strafen.

Garching – Nicht nur die türkische Nationalmannschaft hat bei ihren Länderspielen den militärischen Gruß in Richtung der türkischen Armee gesandt, die derzeit im Kriegseinsatz in Nordsyrien ist. Zig Spieler in bayerischen Amateurvereinen taten es den Profis gleich. So auch die Fußballer vom FC Türk Sport Garching. Vereinsvorsitzender Hasan Celik sieht das Thema „künstlich in die Höhe gebauscht“. Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Fußballverbands (BFV), Bernhard Slawinski, will – anders als vom Verband angekündigt – vorerst „keine Strafen verhängen, sondern die Jungs zum Nachdenken bringen“.

Türkische Spieler zeigen Militärsalut in Garching: „Wir sind gegen Krieg“

Beim Stadt-Derby in der Kreisklasse gegen den VfR Garching II salutierten am Sonntag bis auf einen Spieler alle Kicker von Türk Sport vor Anpfiff, so wie es vor einigen Tagen die türkische Nationalmannschaft bei dem Länderspiel gegen Frankreich getan hatte.. Der Vereinsvorstand versucht, zu beschwichtigen: „Das hat absolut nichts damit zu tun, dass wir Krieg gutheißen oder eine aggressive Politik“, sagt Celik auf Anfrage. „Wir sind gegen Krieg – die Jungs haben nur einen Gruß an die Soldaten geschickt, weil die ja auch nicht freiwillig in den Krieg ziehen.“

Zum Thema: Hessischer Verband bei türkischem Militärgruß knallhart: Jeder Fall hat Konsequenzen

Landkreis München: Auch Kurden spielen bei Türk Sport

Türk Sport habe einige kurdische Vereinsmitglieder, die seien auch immer willkommen. „Dass die Türkei Krieg führt gegen die Kurden, das ist eine rein deutsche Erfindung, die Türkei verteidigt nur ihre Grenze“, sagt Celik. Er habe wegen der Thematik bereits ein langes Telefonat mit BFV-Ligaobmann Slawinski geführt, „der hat mir gegenüber keinerlei Sanktionen angedroht, wie etwa Sperren – das wäre auch völlig überzogen, denn die Jungs haben doch nur einen Gruß an die Soldaten geschickt.“

Video: Der Militär-Gruß und seine Folgen

Militärsalut in Garching: Verband widerspricht Darstellung des türkischen Vereins

Slawinski ist hingegen überrascht, dass auch die Fußballer von Türk Sport Garching militärisch salutiert haben. „Wir hatten am Wochenende zwei andere Fälle im Landkreis München“, berichtet Slawinski. Wo, sagte er nicht. Er habe aber eine E-Mail an alle Vereine geschickt, in der er den Standpunkt des Verbandes „ganz klar gemacht“ habe. Celik habe ihn kurz darauf angerufen und ihm versichert, dass sein Club voll die Linie des Verbandes vertrete, „dass die bereits selbst salutiert hatten, davon sagte er mir nichts“, wundert sich der BFV-Funktionär.

Nach militärischem Gruß: Trotz Androhung keine Strafen gegen türkischen Fußballverein geplant

Die Linie des BFV ist klar: Ein „solches provozierendes Verhalten wird nicht toleriert und jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird“, heißt es in einer Stellungnahme, die der Verband Anfang der Woche veröffentlichte. Trotzdem will Slawinksi Türk Sport keine Strafen androhen, sondern das Gespräch mit allen Vereinen suchen. „Für mich ist ein militärischer Gruß gleichbedeutend mit Gewalt – und die hat auf dem Fußballplatz absolut nichts zu suchen. Das habe ich Herrn Celik ganz klar gemacht, dass ein Militärgruß in Deutschland sehr kritisch gesehen wird“, betont Slawinski. Er und die 22 Konfliktmanager des BFV, die entsprechend geschult seien und als Mediatoren agieren, wollen jetzt auf die Vereine zugehen. „Wir wollen denen klar machen: Jungs, denkt nach und lasst das künftig sein – sonst gibt es Strafen.“

Der Verband werde die Schiedsrichter sensibilisieren und weitere derartige Vorfälle nicht dulden. Grundsätzlich seien Sanktionen wie Geldstrafen, Sperren, Punktabzüge und im extremen Fall ein Ausschluss denkbar. Dazu muss es aber zu einer Anzeige kommen, was bislang offensichtlich nicht der Fall ist.

Zum Thema: „Militär-Jubel“ der Türken: Botschafter schlägt um sich - „Es grenzt wirklich an Rassismus“

Garchings Bürgermeister: „Integration um Jahre zurückgeworfen“

Garchings Bürgermeister Dieter Gruchmann (SPD) hält die Aktion der türkischen Sportler „für völlig daneben. Die sind doch fast alle in Deutschland geboren und müssten mitbekommen haben, was der militärische Gruß bedeutet. Was soll dieser Protest nur ausdrücken?“, fragt sich Gruchmann. Aus seiner Sicht werfe die Aktion und Haltung der Kicker die gute Integration in Garching, speziell der Türken, um Jahre zurück. „Zudem will der Verein ja unbedingt ein eigenes Vereinsheim – das wird die Tendenz im Stadtrat ganz bestimmt nicht positiv beeinflussen“, befürchtet der Bürgermeister.

In der NFL schlägt ein Skandal um eine Helm-Attacke hohe Wellen.

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