Auto von Stadtrat zerkratzt

Selbstjustiz in der Tiefgarage

Das Auto hinten rechts wurde zerkratzt.

Garching - Mit einem tiefen Kratzer in den Autolack und einer Art Bekennerschreiben voller übler Beschimpfungen ist in Garching ein selbsternannter Parkmoralwächter gegen einen angeblichen Falschparker eingeschritten und hat sein Auto zerkratzt. Die Polizei ermittelt.

Der Faschingsball der Garchinger Feuerwehr am Samstag war wieder richtig lustig. Doch einem Garchinger ist am Tag danach gehörig das Lachen vergangen. Sein in der Rathaus-Tiefgarage an einer Wand geparkter Jeep in hatte einen tiefen Kratzer im Lack, und unter dem Scheibenwischer steckte ein kurioses Schreiben. Der Zettel sieht aus, als wurde er auf einer älteren Schreibmaschine verfasst. Als Unterschrift prangen darauf arabisch anmutende Schriftzeichen - und ein Stempel: „Anerkannte Bürgerpolizei für Parkplatzangelegenheiten“.

Garchings scheinbar neue Instanz für Parküberwachung schreibt unter dem Titel „Verwarnung“, dass der Brief kein Strafzettel sei, der Verfasser aber gerne einen solchen ausstellen würde. „Durch Ihr idiotisches, egoistisches und rücksichtsloses Parken beanspruchen Sie einen Parkplatz, der normalerweise für 20 Kamele samt Treiber ausreicht“, schreibt der Unbekannte. Dem Autofahrer wünscht er „baldigst einen Motorschaden auf einer völlig vereinsamten Landstraße um 23 Uhr bei minus 25 Grad und Windstärke 12“. Der Täter, der als „Ein Parkplatzgeschädigter“ unterzeichnete, schrieb noch einige unflätige Schimpftiraden handschriftlich auf die Rückseite des Blattes. Und schließt mit: „Lern Parken, ohne andere Parkplätze zu blockieren!“ Seiner Wut verlieh der Täter Ausdruck mit einem langen, tiefen Kratzer in die Seite des Fahrzeuges.

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Der Garchinger kann die Wut über sein Parkenverhalten nicht verstehen. „Es sind doch alle aus ihren Parklücken heraus gekommen und ein Halteverbot ist an der Stelle auch nicht angeordnet.“ Er entschied sich für den Gang zur Polizeiinspektion Oberschleißheim und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Dort wurde der kurioe Fall als normale Sachbeschädigung aufgenommen. „Das war das erste Mal, dass ein Schreiben mit der Sachbeschädigung verbunden wurde“, sagt der Oberschleißheimer Dienststellenleiter Heinz Eckmüller. Der Polizei sind bislang keine ähnlichen Vorfälle bekannt, aber die Beamten nehmen den Fall ernst. Den Brief hat die Inspektion Oberschleißheim weiter geleitet zur Untersuchung an die Fachstellen des Polizeipräsidiums München.

Die Polizei Oberschleißheim bittet um Hinweise. Wem am Samstag in der Rathaustiefgarage etwas Verdächtiges aufgefallen ist, meldet sich unter Tel. 089/31 56 40. nb

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