Er drohte mit Versenken „im Misthaufen“

Frau parkt Zufahrt tagelang zu: Landwirt nimmt die Sache selbst in die Hand

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Symbolbild

Weil sie seine Einfahrt mit ihrem Auto über eine Woche blockiert haben soll, hat ein Landwirt gegen eine Garchingerin zur Selbstjustiz gegriffen. Er steht vor Gericht.

Garching – Der Ärger um die hohen Parkgebühren am Münchner Flughafen treibt merkwürdige Blüten. Um die Ausgabe zu sparen, soll eine Immobilienmaklerin (54) aus Garching mit ihren Geländewagen kurzerhand in der Gemeinde Neufahrn (Landkreis Freising) geparkt und die Zufahrt eines Landwirts (70) für mehr als eine Woche zugestellt haben. Dem 70-jährigen gefiel das gar nicht. Das Amtsgericht Freising warf ihm vor, zur Selbstjustiz gegriffen zu haben.

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Dass Flughafenanlieger-Gemeinden nahezu geschlossen gegen den weiteren Ausbau des Airports protestieren, ist bekannt. Doch eine Rolle spielt dabei nicht nur der Lärm. Gerade Kommunen in nächster Nähe sehen ihre Orte zunehmend von „Flughafenparkern“ zugestellt. So sorgt sich der Landwirt immer wieder um die Zufahrt für den Milchmann. Der 70-Jährige ist Viehhalter, der letzte in seiner Gemeinde, wie er in dem wegen Sachbeschädigung eingeleiteten Prozess nicht ohne Stolz bemerkte. Vergangenen September war es wieder mal so weit: Acht Tage war die Zufahrt durch das Auto der Garchingerin versperrt. Der Milchmann bot all sein Können auf, um auf den Hof des Bauern zu gelangen. Vergeblich. Als dann die Garchingerin zu ihrem Fahrzeug zurückkehrte, war sowohl beim vorderen als auch beim hinteren Reifen auf der rechten Seite die Luft raus gelassen. Seit rund einer Woche stand der zwei Tonnen schwere Wagen auf den Felgen. Die Reifen waren hin. Der Schaden wurde auf 2500 Euro taxiert. Dem Landwirt, so gab die Garchingerin an, gefiel, was er da sah: „Nächstes Mal“, drohte er ihr lautstark, würde er nicht nur die Luft aus den Reifen lassen. „Den pack’ ich mit dem Trecker und versenk ihn im Misthaufen.“

„Motiv, Gelegenheit und aufbrausender Charakter“

Offensichtlich aber hatte er in der Garchingerin die Falsche erwischt. Die 54-Jährige hatte ihr Auto dort nicht abgestellt, um für acht Tage nach Mallorca zu fliegen. Der Geländewagen sollte zur Reparatur in die nah gelegene Autowerkstatt, musste aus logistischen Gründen zunächst aber außerhalb des Geländes abgestellt werden. Zu allem Unglück hatte die 54-Jährige ihren Wagen mit dem Betreiber der Werkstatt, einem seiner Mitarbeiter und einem Bekannten abholen wollen. Alle drei bezeugten vor Gericht, dass der Landwirt vor Ort zugegeben hatte, die Ventile der Reifen gelockert zu haben.

Das Amtsgerich in Freising verurteilte den 70-Jährigen zu einer Geldstrafe über 800 Euro, zahlbar in 20 Tagessätzen zu je 40 Euro. „Alles zusammengefasst“, resümierte Richter Manfred Kastlmeier, „Motiv, Gelegenheit und aufbrausender Charakter.“ Auf diesen Prozess und eine Verbesserung seiner Situation daheim hatte der 70-Jährige vergeblich gehofft.

Nicht nur dass die Straße ständig zugeparkt ist. Vor Jahren hatte man die 30 Anlieger am Ausbau beteiligt. Mit seinerzeit 30 000 Euro habe er tief in die Tasche greifen müssen, sagt der 70-Jährige. Geändert habe sich seitdem nichts. Dabei wäre es so einfach gewesen: Ein Halteverbot mit dem Hinweis „Anlieger frei“ – mehr hätte es nicht gebraucht, findet der Neufahrner Landwirt.

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