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Nach G7-Gipfel: 12,4 Millionen Euro „Schmerzensgeld“ für Garmisch-Partenkirchen

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Von: Andreas Seiler

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Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen hatte während des G7-Gipfels die Hauptlast zu tragen. Dafür wird sie fürstlich entlohnt – in Form von Miet- und Pachteinnahmen sowie Förderungen.

Garmisch-Partenkirchen – Als vor einem guten halben Jahr feststand, dass der G7-Gipfel nach 2015 heuer zum zweiten Mal auf Schloss Elmau über die Bühne geht, stand für die Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) fest: „Verhindern können wir es nicht. Wir müssen das Beste daraus machen.“ Also verhandelte die Juristin, um, wie sie am Dienstagabend auf der Bürgerversammlung im Kongresshaus (Richard-Strauss-Saal) in einer Abschlussbilanz erklärte, das „bestmögliche finanzielle Ergebnis“ für ihre Heimatgemeinde herauszuholen.

Die Mühen haben sich gelohnt. Denn die Gesamteinnahmen, die Garmisch-Partenkirchen und ihre Unternehmen von Bund und Land überwiesen bekamen beziehungsweise noch bekommen, sind beträchtlich. Wenn man alles zusammenrechnet, sind es Koch zufolge 12,4 Millionen Euro – eine dicke Finanzspritze für die dauerklamme Kommune.

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Rund um Proteste gegen den G7-Gipfel in Elmau herrschte ein großes Polizeiaufgebot.
Rund um Proteste gegen den G7-Gipfel in Elmau herrschte ein großes Polizeiaufgebot. © imago stock&people

Massive Einschränkungen

Die CSU-Politikerin spricht in diesem Zusammenhang unumwunden von „Schmerzensgeld“. In der Tat hatte der Kreisort als G7-Hotspot die stärksten Belastungen auszubaden, auch wenn das eigentliche Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben mächtigsten, westlichen Industrienationen Ende Juni einige Kilometer entfernt in dem Luxushotel im Elmauer Tal stattfand. „Wir haben massive Einschränkungen gehabt“, schilderte Koch. „Das ganze gesellschaftliche Leben ist flachgelegen.“ Der Markt verwandelte sich vorübergehend nicht nur in eine Polizei-Festung mit zahlreichen Absperrungen und Kontrollen, hier fanden auch die meisten Demos und Proteste statt.

Rein wirtschaftlich machte Garmisch-Partenkirchen dennoch einen guten Schnitt: Allein Vermietung und Verpachtung von gemeindlichen Liegenschaften spülten 4,2 Millionen Euro in die Kassen. Zu den Objekten, die in Beschlag genommen wurden, zählten unter anderem das Skistadion (Polizei- und Justiz-Zentrum), das Eissport-Zentrum (Polizei) sowie das Kongresshaus (Bundespolizei). Dass Parkplätze und öffentliche Flächen genutzt wurden, etwa für das Medienzentrum am Hausberg, brachte weitere 1,6 Millionen Euro. Hinzu kommen Förderungen, die Koch mit 6,8 Millionen Euro beziffert.

Zuschüsse gibt es etwa für die Erneuerung der Eisernen Brücke in der Partnachklamm, die Sicherung des Ferchenbachs, das Alpspitz-Wellenbad und vor allem die Feuerwehren in den beiden Ortsteilen. Die Liste der Anschaffungen für die Brandbekämpfer ist lang. Sie reicht von Fahrzeugen über Schutzausrüstung bis hin zu Gerätschaften wie etwa Wärmebildkameras. Dagegen hielten sich die Ausgaben, zum Beispiel für Anwaltskosten, in Grenzen. Sie beliefen sich lediglich auf 160 000 Euro.

Überschaubare Resonanz: Gut 100 Besucher waren zur Bürgerversammlung ins Kongresshaus gekommen.
Überschaubare Resonanz: Gut 100 Besucher waren zur Bürgerversammlung ins Kongresshaus gekommen. © Sehr

Investition in Barrierefreiheit

Die spannende Frage, die sich jetzt stellt, lautet: Was fängt die Gemeinde mit all dem Geld an, das sich in Form von Barvermögen auf ihrem Konto befindet? Koch spricht von gut 3,2 Millionen Euro. „Die Begehrlichkeiten werden ab sofort steigen“, prognostizierte die Ortschefin, schloss allerdings eine Verteilung nach dem Gießkannenprinzip aus: „Wir können nicht durch den Ort gehen und jedem einen Tausender in die Hand drücken.“ Die Entscheidung, was mit den freien Mitteln angefangen wird, müsse der Gemeinderat fällen. Koch hat einen Vorschlag: eine Investition in die Barrierefreiheit des Ortes. Der Hintergrund: Garmisch-Partenkirchen ist Host Town für die Special Olympics 2023 in Berlin und wird dann eine Delegation beherbergen.

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