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Poker um die Esterbergalm: Kaufangebot aus Heidenheim stößt auf wenig Gegenliebe

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Von: Andreas Seiler

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Spielball der Interessen: die Esterbergalm.
Spielball der Interessen: die Esterbergalm. © Kornatz

Der Immobilienpoker um Garmisch-Partenkirchens Esterbergalm ist in aller Munde – und weckt Begehrlichkeiten. Doch einfach ist es nicht.

Garmisch-Partenkirchen – In den Rathäusern des Werdenfelser Landes dürften alle Alarmglocken schrillen, wenn der Name Wolfgang W. Reich fällt. Denn der Vorstand der Karwendelbahn AG, der schon des Öfteren mit einem fragwürdigen Geschäftsgebaren von sich reden gemacht hat, liegt seit Jahren im Dauerclinch mit dem Markt Mittenwald.

„Unser Interesse ist es, die Esterbergalm zu erhalten“

Jetzt flatterte ein Brief aus Heidenheim, dem Hauptsitz des größten Aktionärs der Karwendelbahn, ins Garmisch-Partenkirchner Rathaus – adressiert an Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) und die Gemeinderäte. Der Geschäftsmann mit dem zweifelhaften Ruf reiht sich darin ein in die offenbar lange Liste an potenziellen Investoren, die allzu gerne die Esterbergalm ihr Eigen nennen möchten. Reich bietet für das denkmalgeschützte Schmuckstück in herrlicher Lage samt Grünflächen (26 Hektar) 825 000 Euro.

„Unser Interesse ist es, die Esterbergalm zu erhalten“, beteuert Reich in dem Schreiben, von dem er eine Kopie ans Tagblatt geschickt hat. „Wir sind auch dort bereit, wie auch an der Karwendelbahn, zu investieren.“ In das neue Restaurant hoch über Mittenwald habe man in den vergangenen drei Jahren über 2,5 Millionen Euro gesteckt. „Wie Sie erkennen können, liegen uns solche Objekte am Herzen“, sagt Reich – und erklärt, auch von einer Erbpacht-Regelung nicht abgeneigt zu sein.

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Zeichen stehen auf Erbpacht

Die Reaktion im Garmisch-Partenkirchner Rathaus fällt verhalten aus. „Die Frage stellt sich nicht“, betont Gemeindechefin Koch. Sollte verkauft werden, stellt sie klar, dann nur an die Weidegenossenschaft Partenkirchen. Denn es gehe darum, neben der historischen Hofstätte die Almwirtschaft zu erhalten und dauerhaft zu sichern. „Ich glaube nicht, dass Herr Reich hierfür eine besondere Expertise vorweisen kann“, fügt die Juristin hinzu.

Das Thema Esterbergalm schlägt seit einiger Zeit hohe Wellen und treibt Spekulationen an. Zur Erinnerung: Der Gemeinderat hatte Anfang Juni hinter verschlossenen Türen den Grundsatzbeschluss gefasst, die gemeindeeigene Immobilie an die besagten Weidegenossen zu veräußern – eine Entscheidung, die auf Widerstand stößt. Die Kommune dürfe auf keinen Fall, sagen Kritiker, dieses Juwel aus der Hand geben. Noch ist nichts endgültig entschieden. Aber die Zeichen stehen mittlerweile auf Erbpacht. Offenbar fand ein Umdenken statt. Mit der Variante Erbpacht, bei der die Gemeinde Eigentümerin bleibt, könne der Erhalt länger gesichert werden, berichtet Koch. „Es geht um den Schutz – und nicht ums Geldverdienen.“ Sollten sich die Weidegenossen, die zuletzt auf einen Kauf pochten, darauf nicht einlassen, soll die Pacht neu ausgeschrieben werden.

Verwirrung um Gebote: Deutlich unter Verkehrswerte?

Für Aufsehen sorgten kürzlich zwei andere Offerten: Der längjährige Hüttenwirt Toni Simon, der den Vertrag mit dem Markt gekündigt hatte, brachte sich überraschend selbst als potenzieller Käufer in Stellung. Und auch FDP-Gemeinderat Martin Sielmann warf den Hut in den Ring – mit einem Angebot, das nach Tagblatt-Informationen bei 420 000 Euro lag – deutlich weniger als die von einem Gutachter berechneten Verkehrswerte.

Diese bewegen sich, abhängig von Faktoren wie der Bewirtschaftung des Esterbergwegs, dem Vernehmen nach in einem Bereich zwischen 633 000 und 865 000 Euro. Sielmann behauptete, deutlich über einem Gebot der Weidegenossen zu liegen. Dabei ist der Verwaltung ein solches überhaupt nicht bekannt. Man dürfte auch nicht, heißt es aus dem Rathaus, unter den Gutachter-Preisen verkaufen.

Die Esterbergalm ist ein Politikum

Wie dem auch sei: Die Esterbergalm ist längst zum Politikum geworden – und Anlass für einen harten Schlagabtausch zwischen den beiden Erzrivalen Koch und Sielmann. Die Bürgermeisterin stellte unlängst die Frage in den Raum, ob der Liberale möglicherweise Insiderwissen für private Zwecke genutzt habe.

Dies sei ein „an den Haaren herbeigezogener Vorwurf“, kontert dieser in einer Pressemitteilung. „Für die Esterbergalm bietet man aus Idealismus, nicht aus eigenen Interessen“, sagt Sielmann – und rückt seine Dauerkontrahentin in ein schlechtes Licht: Koch habe, „so hört man es den Wank hinab bis in den Ort hinein, als Kandidatin Wahlversprechungen gemacht, die jetzt über zwei Jahre nach der Kommunalwahl dringend eingelöst werden müssen“. Die CSU-Fronfrau lässt dies kalt: „Völliger Blödsinn“, kommentiert sie die Sielmann-Attacke.

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