Schnee-Schwerpunkt im Oberen Isartal

Katastrophenfall im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bleibt bestehen - Schulen weiter zu

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Erfolgreicher Einsatz: 150 Mittenwalder Gebirgsjäger befreien das Dach des Passionstheaters Oberammergau von der Schneelast.

Ausnahmezustand im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Hunderte Einsatzkräfte befreien seit Freitag, seit der Katastrophenfall ausgerufen wurde, vor allem Dächer von der Schneelast. Der Katastrophenfall bleibt bestehen.

Update, 14. Januar, 15.44 Uhr: Wie Landratsamtsprecher Stephan Scharf auf Nachfrage mitteilt, bleibt der Katastrophenfall im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bis Dienstag bestehen. Auch die Schulen im Landkreis bleiben morgen geschlossen. Am Dienstag um 18 Uhr wollen die Verantwortlichen dann entscheiden, wie es weitergeht. Man sei aber „verhalten optimistisch“, dass der Katastrophenfall dann aufgehoben wird, so Scharf.

Meldung vom Morgen des 14. Januar:

Landkreis – „Ernstzunehmend“ nennt Stephan Scharf die Lage im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. „Und zwar nach wie vor.“ Deshalb gilt auch weiterhin der Katastrophenfall und die Schulen bleiben zumindest heute noch geschlossen. Seit Freitagmorgen waren über 1900 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk (THW), Bayerischem Roten Kreuz (BRK) und Bergwacht aktiv – „vor allem, um Dächer freizuschaufeln“, sagt der Sprecher des Landratsamts. „Das Zusammenspiel aller Rettungsorganisationen funktioniert sehr gut.“ Angesichts der enormen Schneemengen im Oberen Isartal „war dort der Schwerpunkt“. Neben den Rettern, die durch Kräfte aus ganz Bayern unterstützt wurden, waren auch Statiker vor Ort. Besonders betroffen waren große Dachflächen, insbesondere Flachdächer – etwa von Turn- und Werkhallen, Supermärkten oder Tankstellen. „Hier sind die Einsatzkräfte gut vorangekommen, so dass sich die Lage entspannen konnte“, sagt Scharf.

Insgesamt spricht BRK-Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl, der gleichzeitig als örtlicher Einsatzleiter alle Kräfte im Landkreis koordinierte, von einer „der bestorganisierten Katastrophen, die der Landkreis bisher erlebt hat“. Ging es doch nicht darum, unter chaotischen Verhältnissen in kürzester Zeit Menschenleben zu retten, sondern es mussten vor allem viele Dächer frei geräumt werden. Dementsprechend konzentrierten sich die BRK-Helfer darauf, die Einsatzkräfte mit den zum Schaufeln notwendigen Kalorien zu versorgen. Innerhalb weniger Stunden baute das BRK eine eigene Führungsstelle auf, die sich um die Organisation von Suppe, belegten Broten, Heiß- und Kaltgetränken kümmerte. „Nachdem klar war, dass an diesem Wochenende hunderte von Mahlzeiten benötigt würden, haben wir die beiden Kliniken um Unterstützung gebeten“, sagt Reindl. Diese waren sofort dazu bereit. „Trotz der kurzen Vorlaufzeit hat die Versorgung an allen drei Tagen gut funktioniert.“

Video: "Die Lage spitzt sich aufgrund des Wetters zu"

Lesen Sie mehr zur aktuellen Lage: Schnee-Ticker für Bayern

Oberes Isartal

Der Schneefall im Oberen Isartal hat sich am Sonntag fortgesetzt. Wegen Lawinengefahr bleiben daher der Grenzübergang Scharnitz und die Staatsstraße Leutasch weiterhin gesperrt. „Wir sind aber nicht von der Außenwelt abgeschnitten“, betont der Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner, der aufgrund der alarmierenden Großwetterlage seinen Skiurlaub am Arlberg am Mittwoch abgebrochen hatte. So konnte der Rathauschef miterleben, wie Mensch und Maschine am Wochenende die weiße Wucht bekämpften. „Mit dieser Aktion ist es uns gelungen, in unserem Ort die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.“ So konnten viele zugeschneite Rettungswege „zu 90 Prozent wieder befahrbar gemacht und die örtliche Katastrophenlage massiv entschärft werden“. Und zwar mit Hilfe von Polizei, Feuerwehr, THW, Bauhof, Bundeswehr und einiger Privatfirmen, die Lkw, Fräsen und sonstiges Gerät zur Verfügung stellten. Die gewaltigen Schneemassen wurden in eigens angelegten Depots am Rathausparkplatz (ehemaliges Hallenbad), an der Ladestraße Ost und an den Stellflächen am Waudl gebracht.

Auch in den Nachbarorten Krün und Wallgau wurde geschaufelt, was das Zeug hält. „Wir wehren uns, so gut es geht“, bringt es Sebastian Baumann von der Bergwacht Krün auf den Punkt. Knapp 40 Bereitschaftsmitglieder holen seit Freitagmittag die weiße Gefahr von den Dächern. Baumann rechnet damit, dass die Aktion bis mindestens heute Mittag fortgesetzt wird. Trotz des massiven Kampfs um die Häuser schafften es die Gemeinde-Mitarbeiter, den Loipenbetrieb aufrechtzuerhalten.

Ammertal

 Im Dauereinsatz waren am Wochenende auch die Freiwilligen Feuerwehren im Ammertal. Vor allem die Dächer von kommunalen, aber auch historischen Gebäuden mussten sie von den Schneemassen befreien. Die Kohlgruber Wehr war bereits am Freitag alarmiert worden, um Flachdächer der beiden Hotels Schillingshof und Johannesbad zu räumen, wo der Schnee eineinhalb Meter hoch lag. Kommandant Josef Mangold junior hofft darauf, dass sich die Lage nun etwas beruhigt: „Wir hatten immer um die 25 bis 30 Leute im Einsatz.“ In Oberammergau waren rund 150 Gebirgsjäger aus Mittenwald aktiv: Sie wurden zum Passionstheater gerufen, um dort die weiße Last abzutragen. Am Sonntag wurde noch der Einsatz der örtlichen Bergwacht notwendig: Sie entfernte den Schnee von der fahrbaren Überdachung. Weitere Objekte waren der Wellenberg, die BRK- Rettungswache und das Kleine Theater.

Ähnliche Einsätze verzeichneten Feuerwehr, Bergwacht und private Helfer in Unterammergau, die unter anderem die Dächer der Wetzstoa-Stubn, des Musikpavillons, des alten Forsthauses, der Waschanlage und zweier Hallen der Holzindustrie vom Schnee befreiten. In Altenau wurde das Betriebsgebäude von Gaplast abgeschaufelt. Seit Sonntag Mittag ist nunmehr das Hotel Ammerwald von der Außenwelt abgeschnitten: Wegen umgestürzter Bäume und Lawinengefahr musste das Teilstück der Staatsstraße von Schloss Linderhof bis Ammerwald für den Verkehr gesperrt werden. Am Ettaler Berg kam es gestern immer wieder zu kleineren Behinderungen, nachdem geringe Schneemengen vom Fels auf die Fahrbahn rutschten. Als sehr positiv erwies sich in diesem Zusammenhang das im vergangenen Jahr angebrachte Stahlsicherungsnetz.

Staffelsee-Region

Die Feuerwehrkräfte aus Murnau, Hechendorf, Weindorf und umliegenden Gemeinden waren am Samstag damit beschäftigt, die Schneemassen von Dächern in der Marktgemeinde abzutragen. Dazu zählte etwa der große Gewerbe- und Handwerkerhof im Kemmelpark.

Die Gemeinde bittet Grundstücksbesitzer, ihre Gehwege zu räumen. Es gebe immer noch viele, die tief verschneit seien. „Wir wissen, dass bei diesen Witterungsverhältnissen das Räumen eine große Herausforderung ist“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Er kündigt außerdem an, dass man daran arbeite, einen Schneelagerplatz für Privathaushalte zur Verfügung zu stellen.

Aufwändig und anstrengend war am Samstagvormittag ein Einsatz der Feuerwehr Uffing und der Bergwacht Murnau. Um den Betrieb des Uffinger Kindergartens nicht zu gefährden, befreiten die Helfer das Dach von den Schneemassen. Nach einer Pause zog die Feuerwehr zur Grundschule weiter, wo das Flachdach freigeschaufelt wurde. Besonders nette Geste: Die Einsatzkräfte hinterließen einen großen Schneemann. „Hoffentlich bleibt er noch stehen und wird nicht vom Regen arg gebeutelt, damit die Schüler nach den unterrichtsfreien Tagen auch noch was davon haben“, sagt Rektorin Sabine Pecher. Murnaus Bergwachtler wurden indessen im Rahmen des Katastropheneinsatzes nach Krün abkommandiert.

Oberes Loisachtal

Entspannt – dieses Wort fällt häufig, wenn man mit Einsatzleitern in Garmisch-Partenkirchen spricht. Neben Flachdächern, darunter das E-Center an der Amselstraße, der Hagebaumarkt und verschiedene Tankstellen, kümmerten sich die Retter vor allem um Privathäuser. „Ein paar Vordächer, nicht dramatisch“, sagt Peter Gröbl, Kommandant der Garmischer Feuerwehr. Sein Partenkirchner Kollege Klaus Straub teilt diese Einschätzung. Er und seine Kameraden waren aber in Krün stark gefordert.

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