Gartler bekommt Leihgerät nicht - weil er Österreicher ist

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Gartenfreund Konrad Nagl konnte sich im Baumarkt keinen Vertikutierer ausleihen – aufgrund seiner Nationalität.

Ebersberg - So hat sich Konrad Nagl aus Kirchseeon die Segnungen des zusammengewachsenen Europas wahrlich nicht vorgestellt. Bei einem Baumarkt-Besuch in Ebersberg erlebte der gebürtige Österreicher sein blaues Wunder. Die ganze Geschichte.

Frühlingszeit ist Gartenzeit. Konrad Nagl will den Rasen nach dem langen Winter auf Vordermann bringen, das Grün soll sprießen, dass es eine Freude ist. Er benötigt dafür einen Vertikutierer, den er sich im Ebersberger "Hagebaumarkt" ausleihen möchte. Telefonisch reserviert er das Gerät und vereinbart, zur Abholung 80 Euro als Kaution sowie seinen Ausweis mitzubringen. Doch dann das: „Als ich in den Markt kam und meinen Ausweis vorlegte, teilte man mir mit, dass das ja ein österreichischer Ausweis wäre und man mir den Rasenvertikutierer nur leihen könne, wenn ich einen deutschen Ausweis vorlegen würde. Auch mein Hinweis, dass ich seit mehr als 35 Jahren in Deutschland lebe und hier meine Steuern zahle, prallte wirkungslos ab“, berichtet der Kirchseeoner, der schließlich ohne Gerät nach Hause fuhr. Auch noch Tage nach dem unangenehmen Vorfall ist er empört über die „Diskriminierung eines EU-Bürgers“ im Jahr 2011.

Robert Ecker, Geschäftsführer der Baustoff Union und für den Ebersberger Markt verantwortlich, bedauert den Vorfall sehr. Er verweist auf Vereinbarungen, die mit der Regensburger Firma „techno-rent“ geschlossen worden seien. Diese ist es nämlich, für die der „Hagebaumarkt“ die Vermietung der Garten- und Baugeräte abwickelt. Will heißen: Nicht dem „Hagebaumarkt“ gehören die Geräte, sondern „techno-rent“. Ecker sagt, ihm sei mitgeteilt worden, dass der entsprechende Passus in den Vereinbarungen mittlerweile geändert wurde. Ab sofort reiche ein EU-Pass aus, um an die Gartengeräte und Baumaschinen zu kommen.

Veronika Dexl, Marketing-Mitarbeiterin bei „techno-rent“, weiß nichts von geänderten Vertragspassagen. Sie spricht vielmehr von einem „Missverständnis“. Einen Passus, der bestimmte Nationalitäten vom Leih-Geschäft ausschließt, gebe es nämlich nicht. Einen solchen habe es noch nie gegeben. Dem Baumarkt in Ebersberg liege ein entsprechendes Benutzerhandbuch vor. Darin sei festgehalten, wie der Verleih-Vorgang über die Bühne zu gehen habe. Selbstverständlich könne sich bei ihrem Unternehmen jedermann ein Gerät ausleihen, wenn er sich ausweise und die entsprechende Kaution hinterlege.

Für Konrad Nagl, der eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Jahren für mehr als 4000 Euro im „Hagebaumarkt“ eingekauft habe, kommt diese Nachricht zu spät. Er hat sich inzwischen in einer Gärtnerei einen Vertikutierer ausgeliehen. Hier habe die Kaution 150 Euro betragen, alles sei korrekt abgerechnet worden. „Völlig problemlos“, so der österreichische Hobbygärtner.

Von Michael Acker

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