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Brennholz-Markt boomt: Ofenbauer melden Land unter - „Lieferzeiten bis in den Sommer“

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Von: Helmut Hobmaier

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Faszination Kamin: Moderne Lagerfeuerromantik hinter Scheiben
Kaminöfen erleben gerade vor dem Hintergrund der Energiekrise eine Renaissance. Die Nachfrage ist so hoch wie nie. Für ein hochwertiges Exemplar wie auf dem Foto muss man etwa ein Jahr warten. © Wolfgang_Langenstrassen

Wegen der hohen Energiepreise setzen immer mehr Menschen auf Holz. Die Ofenbauer melden Land unter. Und im Holzhandel merkt man einen „Toilettenpapier-Effekt“.

Landkreis – Ofenbauer und Holzlieferanten: Beide können sich gerade wegen der Energiekrise vor Anfragen und Aufträgen nicht mehr retten. Während es aber bei der Holzversorgung im Landkreis noch ganz gut ausschaut, gibt es bei Kaminöfen bereits endlose Wartezeiten. Die Branche meldet Land unter. Ofenbauer Martin Pozgaj aus Fahrenzhausen sagt: „Unter den Leuten ist eine regelrechte Panik ausgebrochen.“

„Klopapier-Effekt“ beim Brennholz: Endlose Wartezeiten bei Kaminöfen

Vor allem Kaminöfen sind nachgefragt wie nie zuvor. Doch die Industrie kommt wegen der explodierenden Nachfrage mit der Produktion nicht mehr hinterher: „Wenn der Großhändler nichts hat, kann er auch nichts liefern“, berichtet Pozgaj. Daher sei die gesamte Branche betroffen. Ob Schamotte, Kamineinsätze oder Ofenrohre: „Oft heißt es: Lieferung in Kalenderwoche 8 oder 16 – im Jahr 2023, wohlgemerkt“, so Pozgaj. Fehle auch nur ein Einzelteil, scheitere daran der komplette Bau des Ofens. Die unzähligen Anfragen potenzieller Kunden kann der Fahrenzhausener Handwerker daher stets nur mit einem Satz bescheiden: „Heuer leider nicht mehr.“

Das ist auch für viele Bürger bitter, die bereits einen Kamin- oder Kachelofen haben, der aber wegen der Immissionsschutzverordnung nicht mehr betrieben werden darf. Inzwischen sind einige Öfen nicht mehr auf dem erforderlichen Stand der Technik. „Viele haben das verschlafen“, weiß Pozgaj.

Skurrile Situation bei Ofenbauern: „Haben praktisch Kurzarbeit bei vollen Auftragsbüchern“

Daher müsste jetzt nachgerüstet werden, was aber aufwendig und teuer ist – und natürlich sind auch die Nachrüstsätze Mangelware. Zwar dürfen einige alte Öfen nun nach einer Verordnung des Landratsamts wegen der Krise noch weiterbetrieben werden. Aber: Viele entscheiden sich, den 30 Jahre alten Ofen gleich durch einen neuen zu ersetzen. Doch der ist nicht lieferbar. „Wir haben praktisch Kurzarbeit bei vollen Auftragsbüchern“, fasst Pozgaj die skurrile Situation zusammen.

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Sein Kollege Heribert Zoth aus Palzing kann das nur bestätigen: „Lieferzeiten bis in den Sommer“, sagt der Experte (68), der seinen Betrieb gerade an einen jungen Nachfolger übergeben hat, aber noch im Unternehmen mitarbeitet, zum Thema Kaminöfen. Was den handwerklichen Ofenbau betrifft, kann Zoth heuer nur noch Altaufträge abarbeiten. „Wir wären auch ohne Energiekrise ausgebucht“, sagt der erfahrene Ofenbauer.

Land unter bei Ofenbauern: „Lieferzeiten bis in den Sommer“ - Holz wird für alle reichen

Eigentlich würde jetzt Flaute herrschen: „Im August bestellt bei uns normalerweise niemand Brennholz“, berichtet Claus Niewierra vom Forstbetrieb Freising, „da sind die Leute im Urlaub.“ Doch jetzt treibe die Menschen eine große Sorge um: dass sie im Winter frieren müssen. Deshalb verzeichnet der stellvertretende Leiter gerade eine ungewöhnliche Nachfrage. Beim Buchenholz gibt es gerade sogar einen Lieferengpass.

Niewierra musste die beliebte Holzsorte daher gerade von der Bestellliste streichen. Aber der Forst-Experte beruhigt: Das Holz werde im Winter für alle reichen. „Jeder, der Brennholz möchte, wird es auch bekommen – wenn auch vielleicht nicht immer die Sorte, die er möchte.“ Dann biete der Forstbetrieb, der noch bis zum 17. September in der Sommerpause ist, halt Esche, Kiefer oder Fichte an. „Die haben zwar einen geringeren Brennwert, sind dafür aber auch günstiger“, berichtet Niewierra.

Ein Mann lädt Brennholz auf einen Anhänger
Beliebter Brennstoff: Holz aus dem Freisinger Forst war schon im April, als die Gaspreise erstmals angezogen haben, sehr gefragt. Inzwischen gibt es bei der Buche Engpässe, die aber nur vorübergehend sein dürften. © Archiv Lehmann

Der Forstbetrieb Freising sei ein eher kleiner Anbieter. Aber es gebe gerade im Landkreis zahlreiche Firmen, die Holz im großen Stil verkauften – auch Landwirte. „Die Versorgungslage ist gut. Ich traue mich zu sagen, dass im Winter keiner frieren muss, weil er kein Holz bekommt.“

Allerdings sei der begehrte Rohstoff inzwischen merklich teurer geworden. Die enorme Nachfrage habe zur Verteuerung geführt, „wobei viele Leute auch viel mehr einkaufen als sie verbrauchen können“, wie Niewierra bedauert.

Enorme Holz-Nachfrage: Toilettenpapierdrama wiederholt sich gerade

Er vergleicht die aktuelle Lage mit dem „Toilettenpapierdrama“ der ersten Corona-Phase. Daher handelt es sich seiner Meinung nach gerade um eine „vermeintliche Mangelsituation, die sich auch wieder rasch auflösen wird“. Im Herbst, wenn beim Forstbetrieb wieder verstärkt Holzeinschlag betrieben werde, sei sicher auch Buche wieder verfügbar. Engpässe gebe es bei allen Produkten einmal, das sei nichts Ungewöhnliches.

Die Sorge der Bevölkerung freilich sei verständlich. Was die Versorgung mit Heizöl oder Gas betrifft, fühlten sich die Menschen ausgeliefert und machtlos. Da vermittle Brennholz ein beruhigendes Gefühl: „Da habe ich halt meine eigene Energiequelle im Keller oder im Schupfen“, sagt Niewierra.

Für den Forstbetrieb Freising sei die momentane Situation auch „eine tolle Geschichte“, ergänzt Niewierra: „Wir können als Forstbetrieb einen Beitrag zur Lösung der Krise liefern – und unser Produkt wird wieder richtig wertgeschätzt.“ Zumindest von den Menschen, die bereits einen Ofen haben.

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