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Folgen der Gaskrise: Klopapier-Effekt beim Brennholz - „Vorerst ausverkauft“

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Von: Franziska Konrad

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Begehrter Brennstoff: Tipps zum Kauf von Feuerholz für Öfen
Axt am Hackstock: Angesichts hoher Öl- und Gaspreise wird Brennholz teurer.  © Daniel Karmann

Brennholz ist derzeit heiß begehrt. Der Ukraine-Krieg und die Energiekrise lassen Heizen mit Öl und Gas immer teurer werden. Viele wollen nun mit vermeintlich billigeren Brennmaterial über den Winter kommen.

Murnau/Oberammergau – Angesprochen auf die derzeit hohe Nachfrage, fühlt sich Thomas Grebenstein an die Anfänge der Corona-Pandemie erinnert. „Wir spüren da gerade den Klopapier-Effekt“, berichtet der Geschäftsführer der Walbesitzervereinigung (WBV) Ammer-Loisach mit Sitz in Murnau. Seit dem Frühjahr sieht er sich mit einer steigenden Anzahl von Anfragen für Brennholz, das eigentlich nur einen kleinen Teil des Geschäfts ausmacht, konfrontiert.

Der eigentliche Fokus liege auf dem Stammholz. Dort sei der Preis zuletzt gesunken, beim Brennholz geht es dafür in die entgegengesetzte Richtung. Er wisse selbst nicht, was das gerade für eine „komische Welle“ sei. Viele Anfragen nach dem beliebten Brennmaterial leite er inzwischen an bekannte Kollegen weiter, die noch Vorräte haben.

Hohe Brennholz-Nachfrage: „Vorerst ausverkauft“

Bei einem Blick auf die großen Holzhändler im Landkreis ist das aber längst nicht mehr bei allen der Fall. Wer sich auf der Website des Brennholzhandels Huber auf Suche begibt, stößt nur auf folgende Meldung: „Vorerst ausverkauft.“ Das Unternehmen aus Huglfing, das seine Ware auch nach Garmisch-Partenkirchen liefert, ist bis Dezember ausgebucht.

Was viele Interessenten laut Grebenstein nicht bedenken, sei die knapp einjährige Produktionszeit. „Im Winter ist die beste Zeit, um es zu schlagen. Danach muss es noch einige Monate trocknen“, erklärt der WBV-Geschäftsführer. Wenn man jetzt Ofenholz für den gesamten Winter kaufen möchte, sei das genauso „wie wenn man an Weihnachten um kurz vor 12 Uhr noch eine Gans haben will“.

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In der freien Wirtschaft regelt die Nachfrage bekanntlich den Preis. An den gravierenden Preiserhöhungen, die im ganzen Münchner Umland zu spüren seien, will sich die Waldbesitzervereinigung nicht beteiligen. „Wir wollen kein Krisengewinner sein, sondern ein zuverlässiger Lieferant bleiben“, betont Grebenstein. Derzeit empfiehlt er den Waldbesitzern einen Preis von 130 bis 150 Euro pro Raummeter Buchenholz.

Etwas billiger ist da noch das Fichtenholz, das laut Grebenstein bei weitem nicht so begehrt sei, da Buchenholz einen höheren Brennwert habe. „Wenn man bei uns in die Wälder schaut, sieht man aber, dass da fast nur Fichten stehen.“ Nicht nur aufgrund der besseren Vorratslage appelliert er, auch mal auf das Weichholz zurückzugreifen. Seine Preisempfehlungen bewegen sich hier zwischen 100 und 120 Euro.

Wegen Gaskrise: Hohe Nachfrage beim Brennholz - Stammkunden haben Vorrang

Dieser Entwicklung folgend hätten auch die Bayerischen Staatsforsten ihre Preise für Brennholz nach oben korrigiert, erklärt Markus Achhammer, Forstbetriebsleiter in Oberammergau. Die Tarife für Buche und Fichte liegen „verkaufsfertig frei Waldstraße gerückt“ bei 65 beziehungsweise 47 Euro pro Raummeter.

Allerdings handelt es sich dabei um Nettopreise, und der Käufer muss die mehrere Meter langen Baumstämme noch selbst zum Endprodukt verarbeiten. Laut Achhammer sei die steigende Nachfrage auch beim Forstbetrieb Oberammergau „deutlich“ zu spüren. Da Stammkunden beispielsweise vorrangig bedient würden, könne man nicht allen Anfragen sofort nachkommen.

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Um auf den „Klopapier-Effekt“ zurückzukommen, appelliert Grebenstein, keine Vorratsmengen zu kaufen. Dabei gehe es auch um Solidarität. Bei der Produktion für das kommende Jahr könne man sich dann entsprechend einstellen. „Ich bin da sehr entspannt, dass wir für die Heizsaison im nächsten Jahr gut aufgestellt sein werden.“ Man müsse sich eben nur früh genug darauf einstellen können. Und schließlich wachse das Holz ja immer wieder nach. Das sei doch das Schöne daran. Von Tobias Schwaninger

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