Ehemalige Gaststätte in Flammen: Hoher Schaden

Eichenried - Das frühere, seit einigen Jahren leer stehende Wirtshaus Franzheimer in Zengermoos bei Eichenried ist am späten Sonntagabend komplett abgebrannt. Damit ist die für den 2. April vorgesehene Wiedereröffnung hinfällig.

Manfred Schmitt, Personenschützer und Detektiv aus Haar, ist es, der kurz vor 21 Uhr das Feuer entdeckt. Er ist gerade auf der B 388 unterwegs, die direkt an dem schmucken gelben Altbau inmitten einen schönen Baumbestandes vorbeiführt. Die 112 hat er instinktiv gewählt. “Ich habe durch ein Fenster Feuerschein gesehen und bin sofort stehen geblieben”, berichtet Schmitt. Er läuft ums Haus, ruft und klopft. “Ich wusste ja nicht, ob da noch jemand drin ist.” Doch er bekommt keine Reaktion. Im Erdgeschoss schlägt er eine Scheibe ein und klettert in die Gaststube, die gerade für die Neueröffnung in drei Wochen hergerichtet wird. “Ich bin die Treppe hoch und habe in einem Zimmer einen Kühlschrank entdeckt, hinter dem Flammen zur Decke schlugen. Schmitt rennt durch alle Zimmer, um sicherzustellen, dass niemand im Gebäude ist. “Ins Dachgeschoss habe ich es nicht mehr geschafft, da war schon zu viel Qualm.” Mittlerweile sind an der Tür weitere Zeugen eingetroffen. Gemeinsam wird die Gaststätte erneut nach Menschen abgesucht.

Die Integrierte Leiststelle Erding hat derweil Großalarm ausgelöst: “Dachstuhlbrand - Personen in Gefahr”. Feuerwehren aus drei Landkreisen, nämlich Eichenried, Eicherloh, Goldach, Ismaning und Altenerding, machen sich mit gut 100 Ehrenamtlichen auf den Weg, genauso Kreisbrandrat Willi Vogl, Kreisbrandinspektor Ludwig Wimmer und Kreisbrandmeister Christian Albert. Beim Eintreffen der ersten Löschzüge steht der Dachstuhl bereits in Vollbrand. Der Feuerschein ist kilometerweit zu sehen. Vor Ort sind auch die Erdinger Polizei sowie das BRK mit einem Rettungswagen, einem Notarzt sowie dem Einsatzleiter Rettungsdienst.

Bilder vom Brand

Großfeuer zerstört Traditions-Wirtshaus

Zum Glück befindet sich direkt neben dem Gebäude ein Weiher, aus dem mittels zwei Pumpen ausreichend Wasser für die Schläuche gefördert werden kann. Damit werden vor allem die Drehleiter der Ismaninger Wehr sowie der Teleskopgelenkmast aus Altenerding gespeist. Stundenlang schießen tausende Liter Wasser ins Gebäude. Dennoch dauert es bis Mitternacht, ehe die Einsatzleitung “Feuer aus” melden kann. Die Suche nach letzten Brandherden zieht sich bis tief in die Nacht hin. Allen ist klar: Feuer und Wasser haben das Gebäude total zerstört. In dem hatte es vor vielen Jahren schon mal gebrannt. Und vor einem Jahr hatte die Feuerwehr Eichenried dort eine Brandschutzübung abgehalten. Das Franzheimer hatte als Mooswirtschaft Kultstatus, sein Biergarten galt als legendär.

Damit ist die gerade erst begonnene Existenz von Andrea und Heinz Kirchbauer aus Eichenried vernichtet. Bis Jahresende waren sie Pächter des Alten Wirt in Goldach, am 2. April wollten sie das Franzheimer wieder eröffnen. Die Schilder hingen bereits. Tief betroffen zeigte sich am Brandort Moosinnings Bürgermeisterin Pamela Kruppa. “Ich bin wirklich entsetzt. Wir hatten uns alle sehr gefreut, dass hier wieder Leben einkehren wird. Das ist nun passé.” Derweil hat der Kriminaldauerdienst der Kripo Erding die Ermittlungen aufgenommen. In Frage kommt ein technischer Defekt. Der Schaden beträgt rund 500.000 Euro.

Am Montagmorgen gab es erneut eine Rauchentwicklung. Die Feuerwehr Eichenried rückte zum Nachlöschen aus.

Wirte stehen vor dem Nichts

Anna und Heinz Kirchbauer aus Eichenried wollten das alte Lokal Franzheimer am 2. April wiedereröffnen. Die entsprechenden Schilder waren bereits aufgehängt. Nun stehen sie, die bis Jahresende den Alten Wirt in Goldach (Kreis Freising) geführt hatten, vor dem Nichts. „Ehrlich gesagt, wir haben noch keinerlei Vorstellung, wie es weitergehen soll, berichtet Heinz Kirchbauer auf Anfrage. Er habe auch noch keine Gelegenheit gehabt, mit dem Eigentümer zu sprechen. In der Brandnacht war er selbst vor Ort und hatte die Katastrophe mit ansehen müssen. Kirchbauer gibt zu, noch keine Brandversicherung gehabt zu haben. „Für uns hält sich der materielle Schaden dennoch in Grenzen, weil wir noch nicht so viel in dem Lokal untergebracht hatten. Wir waren gerade am Einräumen.“

Den Traum, in Zengermoos gastronomisch neu Fuß zu fassen, müsse er aber wohl für die nächsten Jahre begraben. „Wir sind noch völlig schockiert und müssen die Ereignisse von Sonntagnacht erst einmal verdauen“, so der Gastronom, der ebenfalls in Eichenried lebt. Der Eigentümer der Immobilie war am Montag nicht zu erreichen. Nach Informationen des Erdinger Anzeigers hatte er eine Brandversicherung abgeschlossen.

Hans Moritz

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