Internetkriminalität

Abzocke mit der Wohnungsnot in München: Studentin zahlt für Zimmer, das es nicht gibt

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Der Gautinger Professor Dr. Kai Lucks unterstützt die 27 Jahre alte Shadi aus Teheran bei der Wohnungssuche. 

Ein in Italien ansässiger Betrüger hat eine in Gauting gestrandete Studentin um 800 Euro geprellt. Deren Bekannter, ein früherer Siemens-Manager, hat nun Innenminister Joachim Herrmann eingeschaltet.

Gauting – Professor Dr. Kai Lucks ist empört. Es könne ja wohl nicht sein, dass italienische Behörden jeden deutschen Falschparker wegen Kleinstbeträgen zur Kasse bitten, „grenzüberschreitende Internet-basierte Bandenkriminalität aber erst ab 4000 Euro strafrechtlich verfolgt“ werde. Was den 69 Jahre alten früheren Siemens-Manager und jetzigen Berater so erzürnt, ist der Fall der 27 Jahre alten iranischen Studentin Shadi.

Die Ökonomie-Studentin möchte an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München promovieren. Das bislang größte Problem dabei ist die Wohnungsnot. „Am 13. April stand Shadi plötzlich vor unserer Tür. Sie war völlig aufgelöst, weil sie trotz verzweifelter Suche keine Unterkunft hatte“, berichtet Lucks. Die 27-Jährige habe seinen Kontakt „von einer gemeinsamen Freundin in Teheran“ bekommen. „Wir nahmen Shadi für einige Tage bei uns auf“, sagt der Ingenieur und verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern.

Vermeintlicher Dienstleister forderte 800 Euro Kaution für Zimmer

Von Gauting aus suchte die 27-Jährige weiter nach einem Zimmer in München.  Im Internet wurde sie fündig.  Über ein Portal hatte die Studentin Kontakt zu einem Mann aus Italien, der vorgab, ein Agent von „Roomlala“ zu sein. Roomlala ist eine Seite, die Unterkünfte vermittelt.

Der vermeintliche Dienstleister bot Shadi eine Wohnung in München an. Vorab verlangte er jedoch 800 Euro Kaution: Die zwei Monatsmieten seien angeblich „refundable“, also rückzahlbar. „Dieser Betrüger hat sich im Drei-Minuten-Takt gemeldet“, berichtet Lucks. Mit der Aufforderung „sofort überweisen!“ – andernfalls sei das Zimmer weg.

Ein Roomlala-Sprecher stellte klar, dass die Anzeige nicht auf der Seite des Unternehmens zu finden war: „Um einen vertrauenswürdigeren Anschein zu erwecken, wird vom Betrüger sogar eine E-Mail von Roomlala-Booking@consultant.com oder roomlala@consulting.com mit einem ähnlichen Erscheinungsbild, wie unsere Webseite, verschickt.“ Der Firma sind mehrere Fälle dieser Art bekannt, es liefen Ermittlungen.

Münchner Wohnung wird auch nach Betrug weiter im Netz angeboten 

Nachdem die junge Iranerin die Überweisung auf das angegebene Konto in Italien getätigt hatte, „hörten wir überhaupt nichts mehr“. Das Gautinger Ehepaar und die Studentin wurden misstrauisch. „Es stellte sich heraus, dass es diese Wohnung nicht gibt und dass alle vorgegebenen Identitäten wie Vermieter und Vermittler gefälscht waren“, sagt Lucks. „Durch weitere Nachforschungen fanden wir heraus, dass besagte Münchner Wohnung in betrügerischer Absicht vermittelt wurde – und auch weiter angeboten wird.“ Der 69-Jährige intervenierte – und versuchte, die Überweisung der Studentin rückgängig zu machen. Das gelang nicht, denn der Betrüger hätte das überwiesene Geld von dem Konto in Italien gleich auf ein weiteres in Osteuropa verschoben.

Professor will Staatsregierung einschalten - Brief an Innenminister Herrmann

„Wir erstatteten Anzeige bei der Polizei Gauting“, berichtet Lucks. Aber die Beamten hätten ihnen wenig Hoffnung gemacht. „Man sagte uns, internationale Betrügereien würden erst ab einem Schaden von 4000 Euro verfolgt.“ Das veranlasste den Ingenieur, die Staatsregierung einzuschalten. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, schrieb Lucks an Innenminister Joachim Herrmann und bittet um eine Stellungnahme.

Shadi schossen derweil noch dieser Tage die Tränen in die Augen: Denn sie weiß immer noch nicht, wie es weitergeht. Aktuell wohnt sie zwar in einem Zimmer, das ihr Bekannte vermittelt haben. Aber auch das nur „übergangsweise“.

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Von Christine Cless-Wesle

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