Gedenkstein für fünf tote Buben in Putzbrunn

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Extra aus Rom und New York sind Albert Tomasinis (r.) Geschwister Anton und Erika angereist, um bei der Enthüllung des Gedenksteins für die verunglückten Kinder von 1945 – darunter auch zwei Brüder der Tomasinis – dabei zu sein.

Putzbrunn - Nach 66 Jahren wurde in der Ortsmitte von Putzbrunn ein Gedenkstein enthüllt, der an ein schreckliches Unglück aus dem Jahre 1945 erinnert. Damals kamen fünf Buben auf tragische Weise ums Leben.

Es war ein so wichtiger Moment für Albert Tomasini und die Angehörigen der fünf Kinder, die im Juli 1945 in Putzbrunn beim Spielen mit einem Sprengkörper ihr Leben verloren.

Albert Tomasini (72) musste an diesem Sonntag oft um Fassung ringen. Bei den bewegenden Worten von Bürgermeister Edwin Klostermeier, Pfarrerin Barbara Hopfmüller und Diakon Karl Stocker konnte der Putzbrunner seine Tränen nicht zurückhalten. Immer wieder griff er zum Taschentuch, wischte sich über die Augen und suchte den Blick seiner Ehefrau, die ihm an seiner Seite Halt gab. Auch nach 66 Jahren ist der Tod seiner beiden Brüder Anton und Heinrich Tomasini für ihn unbegreiflich. „Den Schmerz kann man einfach nicht vergessen“, sagte der Putzbrunner im Kreise der vielen Bürger, die sich am Sonntag um den Gedenkstein an der Glonner Straße versammelt hatten. Sie alle nahmen Anteil am Schicksal der Familien, denn das Unglück sorgte in der gesamten Gemeinde für Betroffenheit.

München - auferstanden aus Ruinen

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„Ganz Putzbrunn war damals wie gelähmt“, sagte Bürgermeister Edwin Klostermeier. Im stillen Gebet vereint, hielten auch am Sonntag die Putzbrunner inne.

Johann Himmelsbach starb am Tag, als sein Vater aus dem Krieg heimkehrte.

Auf der Bronzetafel des Gedenksteins, der in unmittelbarer Nähe des Unglücksorts aufgestellt ist, stehen nicht nur die Namen der toten Kinder, sondern auch, wie es zu dem Unfall kam:

Nach der Kirche am Sonntag des 1. Juli 1945 trafen sich die sieben Buben im Alter von neun bis zwölf Jahren vor der damaligen Schmiede. Sie fanden einen Sprengkörper, mit dem sie spielten, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein. Als die Handgranate explodierte, starben Anton und Heinrich Tomasini, Johann Himmelsbach, Rudolf Kostelezky und Franz Walter auf grausame Weise. Zwei Kinder überlebten mit schweren Verletzungen.

Über den Tod seiner Brüder Anton (l.) und Heinrich ist Albert Tomasini bis heute nicht hinweggekommen. Lange kämpfte er für den Gedenkstein in der Ortsmitte.

„Wie schlimm muss es für den Soldaten Himmelsbach gewesen sein, als er am 1. Juli aus dem Krieg heimkehrte und erfahren musste, dass sein Sohn von einer Bombe zerfetzt wurde.“ Bei diesem Worten zittert Albert Tomasinis Stimme, der Schmerz der Erinnerung überwältigt ihn so sehr, dass er für einige Minuten nicht weitersprechen kann. Ihm und auch allen anderen Angehörigen falle es noch immer schwer, über das Erlebte zu sprechen. „Und wenn, dann nur unter Tränen“, sagt Tomasini.

Unter den verunglückten Kindern war auch Rudolf Kosteletzky.

Begleitet von melancholischen Stücken des Jubilate-Posaunenchors unter der Leitung von Albert Tomasinis Sohn Markus, weihten Diakon Stocker und Pfarrerin Hopfmüller den Gedenkstein. Trost soll er laut Diakon Stocker spenden und nach den Worten von Pfarrerin Hopfmüller Kraft geben, „auch wenn die Zeit stillzustehen scheint, wenn die Erinnerungen uns einholen“.

Lange hatte sich Albert Tomasini bei der Gemeinde für solch einen Gedenkstein eingesetzt. Dass sein Wunsch nun Realität geworden ist, gibt ihm ein Stück Frieden. Trotzdem, so sagte er: „Was würde ich darum geben, wenn wir jetzt nicht hier stehen würden und es dieses Unglück niemals gegeben hätte. Aber ich könnte die Augen schließen und beten, dass sie wieder zurückkommen, oder die Augen öffnen und sehen, was sie hinterlassen haben.“

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