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Gefängnis-Pfarrer: So lief's mit Demjanjuk

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Blick auf das Gotteshaus in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim, in der John Demjanjuk untergebracht war. 

Glonn/Egmating - Kurt Riemhofer ist Pfarrer in Egmating und Dekan im Justizvollzugsdienst. In Stadelheim kümmerte er sich zwei Jahre lang um den ehmaligen KZ-Aufseher John Demjanjuk.

In einem Schreiben an die Ebersberger Zeitung berichtet der Geistliche über die Umstände der Entlassung des 91-Jährigen.

„Am vergangen Donnerstag wurde Herr Demjanjuk nach der Urteilsverkündung am Nachmittag vom Richter aus der Haft entlassen. Der bis dahin sich für ihn sehr engagierende Rechtsanwalt aus Köln teilte der Presse mit, dass sich nun die ukrainische Gemeinde weiterhin um ihn kümmern werde. Dem orthodoxen Pfarrer dieser Gemeinde wurde vor fast zwei Jahren genehmigt, dass er regelmäßig in meinem Beisein Herrn Demjanjuk aufgrund seiner Altersgebrechlichkeit in seinem Haftraum besuchen durfte. Er rief mich nun verzweifelt an, da er auf die Schnelle keine geeignete Unterkunft wusste“, schreibt der Egmatinger. An diesem späten Nachmittag sei nichts mehr zu erreichen gewesen, darum habe Demjanjuk noch einmal freiwillig in der JVA Stadelheim übernachtet.

Kurt Riemhofer

Er habe in Deutschland keine Verwandten oder Bekannten. „Einen 91-jährigen pflegebedürftigen kranken Menschen, was immer er auch begangen haben sollte, einfach auf die Straße zu setzen, das entspricht nicht unserer christlichen Welt und Wertevorstellung. Im Auftrag des Anstaltsleiters und aufgrund des Hilferufs des ukrainisch-orthodoxen Priesters versuchte ich nun ab Freitagmorgen kurz vor dem Wochenende einen Übergangsplatz für Herr Demjanjuk zu finden, so Riemhofer.

Bei der langwierigen Suche nach einer geeigneten Unterkunft dachte der Geistliche auch an das Marienheim in Glonn. „Ich hatte dort früher bei Gottesdiensten mehrfach ausgeholfen und auch einige kroatischen Schwester auf Romwallfahrten mitgenommen.“ In Glonn wäre nur eine Kurzzeitunterbringung für ein paar Tage angedacht worden, bis für Demjanjuk eine geeignete Pflegeeinrichtung gefunden werden konnte.

Der 91-Jährige verfüge über keine Kranken- oder Sozialversicherung und sei so gut wie mittellos. Vom Caritasreferat der Erzdiözese sei ein kleiner Betrag für die Kostenerstattung für ein paar Tage zugesagt worden. „Doch nicht nur in Glonn auch in vielen anderen Alten- und Pflegeeinrichtungen bekam ich eine Absage, wobei ich meist noch gar nicht gesagt habe, für wen ich einen Platz suche“, erinnert sich Riemhofer. Zuständig für Demjanjuk und seine Versorgung sei, wie die Justizvollzugsanstalt in Erfahrung bringen konnte, die Stadt München und so habe sich der Anstaltsleiter auch an die Leiterin des Sozialreferats der Stadt München gewandt. Ihr sei es aufgrund ihrer Stellung gelungen, eine Kurzzeitunterbringung für Demjanjuk in einem Haus des kath. Männerfürsorgevereins zu bekommen, in dem Riemhofer vorher schon eine Absage erhalten hatte. Der Pfarrer: „Ungesehen von den vielen Presseleute konnte ich mit Hilfe einiger Bediensteter Herr Demjanjuk dorthin bringen und er wurde dort wohlwollend über das Wochenende aufgenommen. Hätte er eine Aufnahme im Glonner Marienheim gefunden, dann hätte die Glonner Bürger und die Presse wahrscheinlich auch erst dann davon erfahren, wenn er das Heim wieder verlassen hätte. Schließlich konnte über das Sozialreferat der Stadt München für Herrn Demjanjuk ein Platz in einen geeigneten Altenheim gefunden werden und er ist bereits umgezogen.

Dass es unserer Gesellschaft nicht leicht fällt, einen Menschen, dem eine schlimme Vergangenheit nachgesagt wird, vorbehaltlos aufzunehmen, ist mir durchaus bewusst, doch in unserer christlichen Welt hat auch ein solcher Mensch nach den 7 Werken der Barmherzigkeit (siehe u.a. Mt 25, 35f) Anrecht auf eine würdige Lebensgestaltung und dazu habe ich ein wenig beitragen können. Bei einem anderen kranken und alten Menschen hätte ich genauso gehandelt - ohne Ansehen der Person.“

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