Gefangen im Regionalzug - jetzt spricht das Opfer

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Wie auf dem Abstellgleis: Alexander K. (30).

München/Grafing - Rund zwei Stunden brauchte Alexander K. für die Fahrt von Ostbahnhof in seinen Heimatort Grafing. Informationen dazu erhielt er so gut wie keine. Jetzt erzählt er, wie die Sache ablief.

Warten, warten und nochmals warten. Und der Grund? Den wusste der Grafinger Alexander K. (30) nicht so genau. Nur, dass er für seine Fahrt von der Arbeitsstätte am Ostbahnhof zu seinem Heimatort Grafing statt einer viertel Stunde zwei Stunden benötigte. Und dass es rund 100 Minuten lang keinerlei Informationen gab. Gefangen im Zug! Am Mittwochabend um 19.50 Uhr stieg der Sicherheits-Mitarbeiter am Ostbahnhof in den Regionalexpress. Eine Viertelstunde Fahrt, dann ist man schon in Grafing. Eigentlich. Jedoch: „Um 20 Uhr sind wir gestrandet - auf einem freien Feld zwischen Baldham und Zorneding“, sagt K. zur tz.

Da ahnte er freilich noch nicht, dass das Zugabteil für knapp zwei Stunden seine neue Bleibe werden würde - und die seiner etlichen „Mitgefangenen“. K.: „Wir wurden informiert, dass der Lokführer den Güterzug vor uns nur schnell wieder flott macht. Später hieß es dann, dass der Güterzug abgeschleppt werden muss. Dies sollte eine weitere halbe bis dreiviertel Stunde dauern. Dann blieb es für lange Zeit still.“ Ganze 100 Minuten erhielten die Passagiere keine Infos mehr, sagt K.: „Ich war ziemlich stinkig.“

"Es war frustrierend"

Genau wie viele der anderen Bahnfahrer fühlte sich der Grafinger aber gleichzeitig auch hilflos. Die ganze Warterei, ohne zu wissen, wann es endlich weitergeht. Viel Zeit, um sich Gedanken zu machen: Warum bekommt man so wenige Infos? Warum hat man die Passagiere nicht am Baldhamer Bahnhof aussteigen lassen? „Es war frustrierend: Immer wieder sind S-Bahnen und Regionalzüge auf den Nebengleisen an uns vorbeigefahren. Und wir saßen in unserem Zug fest“, erinnert sich der Grafinger. Ein Bahnsprecher erklärt, dass die Regionalbahn nicht auf einem anderen Gleis an dem Hindernis vorbeigeleitet werden konnte. „Als wir vom Defekt erfuhren, war der Express schon am letzten Überleitgleis vorbei.“ Zudem sei von hinten bereits der nächste Güterzug gekommen. Der Regionalexpress war also eingekeilt.

Um 21.45 Uhr ging es dann endlich weiter - nachdem der Güterzug abgeschleppt worden war. K. kam 100 Minuten später als geplant in Grafing an. Wegen der Verspätung kann sich der Empfangs-Mitarbeiter ein Viertel der Fahrscheinkosten erstatten lassen. Für den 30-Jährigen freilich ein schwacher Trost.

Robert Feiner

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