Finder steht vor Gericht

Sex gegen verlorenes Handy: Junge Mutter (20) erpresst

Freising - Mit sexuellen Gefälligkeiten sollte eine 20-Jährige ihr Handy auslösen, das sie verloren hatte. Die verzweifelte Frau, eine alleinerziehende Mutter, schaltete die Polizei ein.

Vor dem Amtsgericht Freising musste sich jetzt der Finder (23) eines Handys verantworten. Er hatte das Gerät nicht nur behalten, er knackte auch das Passwort und ging mit dem brisanten Inhalt hausieren: unter anderem intime Fotos der 20-jährigen Besitzerin. Angeklagt war der Mann wegen Fundunterschlagung. Viel schwerer für die alleinerziehende Mutter wog jedoch, was er mit dem Gerät anstellte.

14 Tage nach dem Verlust seien zwei „wildfremde Kerle“ vor ihrer Tür gestanden. Die Männer teilten ihr mit, dass sich der Handy-Finder Zugriff auf den Speicher verschafft habe. „Ich hatte total Panik“, erzählte die Frau im Gericht. Die beiden hätten ihr angeboten, das Handy mit der Post zu schicken. Stattdessen tauchten wenig später zwei andere Männer auf, ein 21-Jähriger und dessen Cousin. Sie kamen schnell auf den Punkt: Für sexuelle Gefälligkeiten sollte sie ihr Handy zurückbekommen. „Das war total schrecklich für mich“, sagte die Frau.

Der mit dem Angeklagten befreundete 21-Jährige konnte die Aufregung nicht nachvollziehen. „Sie wissen doch, wie Jungs so sind“, legte der um selbstbewusstes Auftreten bemühte Geselle seine Sicht der Dinge dar. „Bei solchen Fotos dachten wir, die ist offen, die macht so was.“ Außerdem: Nur sein „notgeiler“ Cousin habe versucht, „die Frau kennenzulernen“. Was der Zeuge dann von sich gab, rangiert jenseits von Anstand und Moral: Im Endeffekt sei sie selbst Schuld, meinte der 21-Jährige. „Wenn sie ihr Handy mit solchen Fotos verliert.“

„Es ist nicht schön, wenn du raus gehst und denkst, jeder schaut dich an, weil er dich vielleicht nackt gesehen hat“, sagte die Frau. Man habe sie öffentlich als Schlampe beleidigt. „In meinem Ort fühle ich mich nicht mehr wohl.“ Jetzt fürchtet sie, die Fotos könnten im Internet landen. Noch dazu, da der Angeklagte behauptete, nicht zu wissen, wo das Handy abgeblieben sei. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe über 1600 Euro. Sein Spezl verließ das Gericht unbefleckt als Zeuge. Gegen ihn war nicht ermittelt worden. Eine nachträgliche Ermittlung ist jedoch möglich.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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