Prozess um Tötung eines Exil-Kroatens

Geheimdienstmord: Zeuge überlebte vier Anschläge

München - Erschreckende Aussage im Prozess um den Mord an Dissident Stjepan Durekovic. Ein Zeuge berichtet von vier Mordanschlägen, die er überlebt hat.

Im Prozess um den Mord an dem Dissident Stjepan Durekovic vor 31 Jahren ist die damalige Angst vor Attentaten in der Gemeinschaft der Exilkroaten in Deutschland beleuchtet worden. Durekovic war in einer Garage in Wolfratshausen umgebracht worden. In dem Prozess sind zwei hochrangige Mitarbeiter des ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstes SDS angeklagt.

Am Dienstag hat in der Verhandlung vor dem Münchner Oberlandesgericht ein Freund Durekovics ausgesagt. Der 66 Jahre alte Zeuge hat selbst in den Jahren 1982 und 1983 vier Anschläge überlebt, aber beim letzten sein Augenlicht verloren.

Zeuge ist ein gezeichneter Mann

Der als Zeuge geladene Rentner ist nach den vier Anschlägen ein gezeichneter Mann. Bei der Schilderung der Attentate musste seine Frau einspringen. Demnach sollte ihr Mann zunächst entführt werden. Die Ehefrau schlug den Eindringling zwar mit einem Bügeleisen in die Flucht, trotzdem traf ein Streifschuss den damaligen Gastwirt. Ein zweiter Anschlag wurde mit Gift verübt, beim dritten explodierte ein Autoreifen. Bei dem vierten Attentat wurde auf das Opfer nachts in seinem Wirtshaus geschossen, den Schützen hat die Ehefrau nicht gesehen. Sie brachte ihren Mann sofort ins Krankenhaus, wo er operiert wurde. Er ist seither blind.

Es gab vorher Drohanrufe, wie die Ehefrau berichtete. Ein Landsmann hatte den Gastwirt aufgefordert, für ihn zu arbeiten, was dieser ablehnte. Er habe „sehr wahrscheinlich“ für den Mann andere ausspionieren sollen, sagte der 66-Jährige. Er schilderte auch, wie Stjepan Durekovic sein Leben retten wollte. Er sei im Sommer 1983 tagelang verschollen gewesen, in der Szene war von seinem Tod die Rede. Als der Journalist wieder auftauchte, entschuldigte er sein Abtauchen mit einem heimlichen Umzug. Ein Mann habe seine bisherige Wohnung beobachtet. Der Prozess wird fortgesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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