Geheimer Schutzbunker: Bilder aus Geretsried

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Ein Mann bedient in einem Schutzraum in dem stillgelegten Bunker der Staatsregierung in Geretsried die Kurbel einer Lüftungsanlage. Bis 1992 unterhielt Bayern einen getarnten Ausweichsitz für die Regierung auf dem Gelände der örtlichen Feuerwehrschule.

Geretsried - Jahrzehntelang schwieg die Staatskanzlei eisern, nun hat sie das Geheimnis gelüftet: Im Kalten Krieg unterhielt Bayerns Regierung einen getarnten Ausweichsitz samt Bunker.

Bei einem Atomschlag sollte der Freistaat von Geretsried aus regiert werden.

Die Feuerwehrschule in Geretsried liegt unscheinbar am Ortsrand, umgeben von Wäldern in einem kleinen Gewerbegebiet. Rettungskräfte üben hier den Ernstfall, doch was sich unter dem Gelände verbirgt, darüber schwieg die Staatsregierung jahrzehntelang. Nun hat sie das Geheimnis gelüftet: Im Keller der Ausbildungsstätte unterhielt der Freistaat bis in die 90er Jahre einen getarnten Schutzbunker. Das bestätigte die Staatskanzlei der Nachrichtenagentur dpa. Bei einem drohenden Atomschlag sollte Bayern von Geretsried aus regiert werden.

Geheimer Schutzbunker: Bilder aus Geretsried

Als Unterschlupf für den Ministerpräsidenten und eine verkleinerte Regierungsmannschaft im Kalten Krieg gedacht, wurde der Bunker 1992 stillgelegt. Intakt ist der für 178 Menschen ausgelegte Schutzbau bis heute: “Technisch ist alles in einem guten Zustand“, sagt der Bunkerexperte Jörg Diester, der diese und andere Anlagen wie den Bunker der Bundesregierung im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler erforscht hat. Strom und Telefon funktionieren, es gibt Waschgelegenheiten und an den Wänden hängen ausklappbare Pritschen. Die unbeschädigte Luftfilteranlage sollte den etwa 200 Quadratmeter großen Innenraum vor radioaktiver Verstrahlung schützen.

Für den atomaren Ernstfall war der Bunker nach Einschätzung von Diester allerdings kaum geeignet. Zu dünn sind die Betonwände, zu stickig und beklemmend die vier kahlen Aufenthaltsräume. Die Duschen mussten mit Handpumpen angetrieben werden und die Trockentoiletten trennte nur ein Vorhang. Unter der Erde hätte es die Staatsregierung nur wenige Stunden ausgehalten, glaubt der Experte. “Die Anlage war nicht für den wochenlangen Dauerbetrieb gedacht.“ Das eigentliche Lagezentrum und die Arbeitsräume des Ausweichquartiers lagen vielmehr oberirdisch, in einem anderen Gebäude der Feuerwehrschule.

Diester hat in Archiven mehr als 30 000 Dokumente aus dem Kalten Krieg ausgewertet. Demnach war der 1976 fertiggestellte Bunker in Geretsried nicht nur für den Kriegsfall vorgesehen. Auch innenpolitisch spielten die bayerischen Sicherheitsbehörden düstere Krisenszenarien speziell für München durch: Ausufernde Streiks von Gewerkschaften, gewaltsame Proteste, Terroranschläge auf die U-Bahn - wenn nötig, wären Ministerpräsident und Kabinett mit dem Auto in 45 Minuten in Geretsried gewesen.

Nach Angaben der Staatskanzlei plante Bayern seit 1964 den Bau eines sicheren Atombunkers. Umgesetzt wurde das Projekt allerdings nie: Erst fehlte das Geld und schließlich war der Kalte Krieg vorbei. 1992, zwei Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, stampfte der Freistaat seine Pläne für einen Atombunker endgültig ein. Die wesentlichen Dokumente hält die Staatskanzlei bis heute unter Verschluss.

Stattdessen begnügte sich Bayerns Regierung jahrzehntelang mit ungeschützten Ausweichquartieren. Nachdem zunächst eine Schule in Immenstadt im Allgäu als Regierungsversteck geplant war, fiel die Wahl 1980 auf die Feuerwehrschule in Geretsried.

Heute dient der ausgemusterte Bunker nur noch als Abstellkammer. Umzugskisten stapeln sich neben alten Uniformen des Katastrophenschutzes, in einem Zimmer lagern tausende Akten. Von außen deutet einzig eine dicht bewachsene Kellertreppe auf die Anlage hin. Doch das soll sich bald ändern: Die Feuerwehrschule plant ein kleines Dokumentationszentrum mit allerlei Ausstellungsstücken, damit das geschichtsträchtige Gelände samt Bunker nicht in Vergessenheit gerät.

dpa

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