„Wir sind verwundert“

Plastik zu dünn? Skurriler Streit im Landkreis Starnberg

Neuer Wirbel um die Gelben Säcke im Landkreis Starnberg: Der AWISTA hat bei Tests eine zu geringe Stärke festgestellt, der Entsorger Remondis wundert sich nur.

Landkreis – Die Gelben Säcke des Landkreises Starnberg sind ein Fall fürs Labor. Es ist ein Streit entbrannt um deren Dicke und damit Reißfestigkeit.

„Ein von AWISTA beauftragtes TÜV-Gutachten bestätigte, dass die so genannte Wandstärke der Sammelsäcke statt der festgelegten 22 µm im Durchschnitt lediglich 17 µm aufweist“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes AWISTA vom Donnerstag. Werkleiter Peter Wiedemann dazu: „Der AWISTA verlangt für seine Kundinnen und Kunden nichts Außergewöhnliches. Wir wollen lediglich die versprochene Leistung des beauftragten Unternehmens geliefert bekommen.“ Das DSD sei vom AWISTA informiert worden und habe die Remondis Süd GmbH, die die Gelben Säcke im Kreis liefert und abholt, zur Stellungnahme in Sachen Sack-Qualität aufgefordert. Wiedemann hofft, „dass zwischen dem Dualen System Deutschland und der Remondis Süd GmbH zeitnah und dauerhaft eine zufriedenstellende Lieferung mit der versprochenen Qualitätsware erfolgen wird“.

Entsorger lässt nachmessen

Die Remondis Süd GmbH, zuständig für die Anlieferung und Abholung der Säcke im Landkreis, prüft laut Sprecherin Anna Ephan derzeit, ob sie wirklich zu dünn sind. Wie berichtet, hat der Abfallwirtschaftsverband AWISTA ein Defizit ausgemacht. Demnach sind sie statt der geforderten 22 µm im Durchschnitt lediglich 17 µm dick. „Wir sind verwundert und können uns das nicht erklären“, sagt Ephan. „Es wurde uns versichert, dass es 22 µm sind.“ Ob der Fehler wirklich beim Hersteller liege, wolle man erst prüfen. Sollte sich das bewahrheiten, müsse man schnellstmöglich ausreichend dicke Säcke besorgen – gegebenenfalls bei anderen Herstellern. Den Aufpreis, den man für die vermeintlich dickeren Säcke gezahlt hatte, würde Remondis zurückfordern. „Das ist ein normaler Vorgang.“ 

Das Unternehmen ist deutschlandweit tätig. Die Dicke von 22 µm sei eher eine Ausnahme, sagt Sprecherin Ephan. „Das entscheidet sich je nach Auffassung der Bürger und Kommunen – in sehr vielen reichen 17 µm.“ Im Landkreis Starnberg aber haben AWISTA und das Duale System Deutschland (DSD) einen Standard vereinbart, der 22 µm vorsieht.

Was bitte ist ein µm? Gesprochen wird das Mü-Meter oder nur Mü für den griechischen Buchstaben µ und ersetzt den früheren Mikrometer. Das entspricht dem Tausendstel eines Millimeters. Diese Zeitungsseite hat eine Dicke von etwa 70 µm, ein menschliches Haar ist zumeist ebenso dick. Der jetzt im Raum stehende Unterschied von fünf µm ist praktisch nur im Labor feststellbar – und gefühlt bei der Qualität der Gelben Säcke. Vor fast genau zwei Jahren gab es schon einmal eine ähnliche Situation, als die Säcke statt 22 nur etwa 20,7 µm aufwiesen. Das merkten einige, weil die Säcke leichter aufrissen.

Bevölkerung mit Säcken weitgehend zufrieden

Nach der jüngsten Umfrage des AWISTA unter Kunden sind 38 Prozent der rund 1000 Befragten mit dem System der Abholung der Gelben Säcke sehr zufrieden, weitere 48 sind eher zufrieden. Unentschieden sind 20 Prozent, drei Prozent sind eher unzufrieden. Dabei muss man den Termin im Blick haben: Befragt wurde im Januar, also wenige Wochen nach den jüngsten Lieferengpässen der dickeren Säcke nach Starnberger Standard. In der Befragung gab es verhältnismäßig wenige Beschwerden über die Qualität, als Befragte frei Kritik äußern durften. Das besagt statistisch gesehen aber nicht sehr viel. 

Rubriklistenbild: © dpa / Patrick Seeger

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