Gelbwurst-Unfall: Sie bekommt 750 Euro Schmerzensgeld

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In dieser Tengelmann-Filiale stürzte Sigrid R. Ob auf der Gelbwurst oder nicht: Sie bekommt 750 Euro Schmerzensgeld

München - Alles hat ein Ende, nur diese Geschichte um die Gelbwurst hat zwei: Im Streit um eine Kinderwurst erhält Sigrid R. aus Pastetten 750 Euro Schmerzensgeld.

Schwere Knieverletzung, blaue Flecken, starke Schmerzen und Schuld ist: Die Gelbwurst! Oder doch nicht? Alles hat ein Ende, nur diese Geschichte um die Gelbwurst hat zwei: Im Streit um eine Kinderwurst erhält Sigrid R. aus Pastetten (Landkreis Erding) 750 Euro Schmerzensgeld.

Am 3. Mai 2011 geht Sigrid R. nach der Arbeit im Tengelmann in der Wasserburger Landstraße einkaufen. Ihr Ziel: Die Wursttheke im hinteren Teil des Ladens, für ihren Mann will die Angestellte frischen Aufschnitt besorgen. Doch so weit kommt sie nicht: Kurz vor der Theke zieht’s der 56-Jährigen plötzlich die Beine weg und sie knallt auf Gesäß und Rücken. „Ich hatte starke Schmerzen und Glück, dass ich auf dem gefliesten Boden nicht mit dem Kopf aufgeschlagen bin,“ erinnert sich Sigrid R. „Wieso ich ausgerutscht bin, wusste ich da noch nicht. Es war nichts am Boden zu erkennen.“ Erst als sie sich aufrappelt, kommt die Wurstverkäuferin zu ihr und meint: „Da ist ja ein großer Fettfleck auf dem Boden!“

Sigrid R. erleidet einen Innenbandriss am Knie sowie Blutergüsse am Rücken und wird für zwei Wochen krank geschrieben. Vom Tengelmann-Betreiber fordert sie 4000 Euro Schmerzensgeld: „Er ist Schuld am Fettfleck, auf dem ich ausgerutscht bin!“

Die Forderung scheint dem Anwalt des Supermarkts absurd hoch, denn für ihn war die Unfallursache kein Fettfleck: „Es ist vielmehr möglich, dass ein Kind ein Stück Gelbwurst geschenkt bekam, aber nicht gegessen hat, sondern fallen und liegen gelassen hat.“ Diese Gelbwurst hätte Sigrid R. sehen müssen. Die Filialleitung könne außerdem nicht im Sekundenabstand alle Tengelmann-Flächen auf mögliche Stolperfallen untersuchen.

Sigrid R. hält diese Erklärung für völligen Quatsch – eine Gelbwurst auf dem Boden wäre ihr natürlich aufgefallen. „So große Gelbwurstscheiben führt der Tengelmann auch gar nicht im Sortiment.“

Um die Wurst ging’s schließlich vor dem Münchner Amtsgericht im November: Die Richterin regte einen Vergleich an, wobei Tengelmann 750 Euro Schmerzensgeld an Sigrid R. zahlen muss.

Für die Betroffene ist die Summe zumindest ein kleiner Trost: „Aber noch mehr enttäuscht mich, dass ich von Tengelmann nie eine Entschuldigung bekommen habe.“ Der Supermarkt habe mit ihr eine wertvolle Kundin verloren.

C. Lewinsky 

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