„Ich kann sie deinem Ehemann zeigen“

Für BOB-Monatskarte: Verheiratete Holzkirchnerin mit intimen Videoaufnahmen erpresst

Eine Frau schickte anzügliche Videos an einen Asylbewerber. Der nutzt die Gunst der Stunde und erpresst sie damit.

Holzkirchen/Hausham – Eine außereheliche, sexuelle Beziehung einzugehen, ist an sich schon einigermaßen riskant. Schickt man dem Bett-Gefährten auch noch Nackt-Videos von sich selbst, dann macht man sich angreifbar. Dieser Fehler hatte eine Holzkirchnerin eingeholt. Ihr Sex-Partner nutze die pikanten Videos, um sie zu erpressen. Deshalb musste der vermutlich 22 Jahre alte nigerianische Asylbewerber aus Hausham nun auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts Platz nehmen.

Im Dezember 2015 sollen die Holzkirchnerin und der Asylbewerber laut Anklageschrift eine sexuelle Beziehung eingegangen sein. Im Sommer 2016 hatte sich die Geschädigte, die bei der Verhandlung als Nebenklägerin auftrat, dazu hinreißen lassen, dem Haushamer zwei erotische Videos von sich zu schicken.

Nigerianer forderte mehr: BOB-Monatskarte und Fitnessclub-Mitgliedschaft

Was ursprünglich wohl dem Zweck diente, etwas Würze in die Beziehung zu bringen, kam einige Monate später, im November 2016, als Bumerang zurück. Obwohl die Holzkirchnerin dem Asylbewerber im Verlauf der Beziehung rund 4200 Euro hatte zukommen lassen, verlangte dieser das Geld für eine sechsmonatige Fitness-Mitgliedschaft und eine BOB-Monatskarte. Quasi als Gegenleistung für seine Diskretion. Andernfalls würde er dafür sorgen, dass seine Gespielin alles verliere. Die weigerte sich aber.

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Nichtsdestotrotz versuchte es der Haushamer laut Staatsanwaltschaft im April des vergangenen Jahres ein weiteres Mal. Bei einem Treffen beendete die Holzkirchnerin die Beziehung, er leierte ihr erfolgreich 20 Euro aus dem Kreuz. Doch damit nicht genug: Wenig später forderte er per WhatsApp weitere 200 Euro, um seinen Anwalt bezahlen zu können. Dessen Dienste benötigte der Asylbewerber, weil er sich bereits im Vorfeld vor Gericht wegen schwerer Körperverletzung sowie eines Vermögensdelikts hatte verantworten müssen. Mit den Worten „Denk’ daran, was passiert, wenn ich sauer werde“ verlieh er seiner Forderung Nachdruck. Jedoch ohne Erfolg.

Schulklasse durfte nicht in den Gerichtssaal

Der nächste Versuch ließ dennoch nur wenige Tage auf sich warten. Er verlangte, dass seine ehemalige Bett-Partnerin 200 Euro zum Holzkirchner Bahnhof bringen solle. „Denk’ darüber nach, ich kann die Videos an deinen Ehemann oder deinen Sohn weiterleiten“, drohte er. Obwohl die Geschädigte seiner Aufforderung auch diesmal nicht nachkam, ließ er nicht locker. Nur sechs Tage später verlangte er erneut 200 Euro. Wieder sträubte sich die Frau.

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Sowohl die Vernehmung des Täters als auch der Geschädigten fanden auf Antrag ihres Anwalts unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – um die Persönlichkeitsrechte des Opfers zu schützen. Sehr zur Enttäuschung einer durchaus interessiert wirkenden Schulklasse, die die Verhandlung im Zuhörerraum verfolgte.

Wie Richter Klaus-Jürgen Schmid später mitteilte, bestritt der Haushamer seine Taten. Dank der Aussagen der Zeugin sei das Gericht jedoch davon überzeugt, dass sich der Angeklagte der Erpressung schuldig gemacht hat. Allerdings nur in drei von vier Fällen. Auch wegen offensichtlicher Reiferückstände verurteilte Schmid den Asylbewerber schließlich zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe nach dem Jugendstrafrecht. Der Angeklagte muss zudem 80 Sozialstunden leisten – seine Smartphones, auf denen die Videos gespeichert waren, wurden eingezogen.

hb

Rubriklistenbild: © dpa

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