Polizist verletzt, Serienräuber tot

Geltendorf-Schütze ist gesuchter "Waldläufer"

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Hier wurde das Haus des Schützen durchsucht.

Geltendorf - Alle Indizien sprechen dafür: Bei dem Mann, der bei einer Polizeikontrolle bei Geltendorf das Feuer auf die Beamten eröffnete, handelt es sich um den gesuchten "Waldläufer".

Früher – da waren sie mal eine ganz normale Familie gewesen. Der Vater ein selbständiger Kaufmann, die Mutter kümmerte sich liebevoll um Haus, Garten und Jürgen, den einzigen Sohn. 1979 hatte der Vater seiner Familie eine stattliche Villa am Ortsrand von Türkenfeld (Landkreis Fürstenfeldbruck) gebaut. Dort klingelten am Samstag Polizisten an der schmiedeeisernen Tür und überbrachten den alten Eltern eine schlimme Nachricht: Um 12 Uhr mittags war ihr Sohn Jürgen P. (49) in einem Waldstück nahe des Geltendorfer Bahnhofs von Polizisten erschossen worden, nachdem er selbst das Feuer auf die Beamten eröffnet hatte. Ohrenzeugen hörten über 20 Schüsse. Ein Polizist wurde angeschossen und verletzt. Die schusssichere Weste rettete ihm Leben und Gesundheit.

Mittlerweile steht fest: Jürgen P. war bis an die Zähne bewaffnet gewesen, hatte ein enormes Waffenlager gehortet. Denn er war der unheimliche „Waldläufer“, der seit Monaten mit einer Vielzahl von Raubüberfällen die Inhaber kleiner Geschäfte und Tankstellen in Angst und Schrecken versetzte (siehe unten). Sein Motiv: Spielsucht! Er hatte das gesamte Familienvermögen in Spielbanken gelassen. Vor zwei Jahren wäre deshalb beinahe sogar die Villa seiner Eltern zwangsversteigert worden. Verwandte hatten das Haus gerettet.

Jürgen P. hatte früher bei einer Münchner Versicherung gearbeitet. Wovon er zuletzt lebte, mit wem er sich traf, weiß niemand. Tagsüber blieben seine Rollläden im oberen Stock geschlossen. Abends fuhr er oft in seinem schwarzen Golf davon und kehrte erst im Morgengrauen zurück. Ein komischer Kauz, der ein Pferd am Ammerssee hatte, nie grüßte, niemandem in die Augen sah und keine Freunde hatte.

Am Samstag wurden Polizisten in Geltendorf auf einen seltsamen weiß-blauen Van mit dem Schriftzug „Feldjäger“ auf der Motorhaube und Blaulicht auf dem Dach aufmerksam gemacht. Als sie sich näherten, schoss Jürgen P. sofort. Von mehreren Kugeln getroffen sackte er leblos neben seinem Auto zusammen und starb. Über Stunden traute sich niemand an den Toten heran, weil er einen verdächtigen Gürtel trug und im Auto eine Vielzahl scharfer Waffen lag. Erst nachdem ein mit Kameratechnik ausgestatteter Roboter die Leiche untersucht und Entwarnung gegeben hatte, konnte Jürgen P. endlich geborgen werden.

Eberhard Unfried, Dorita Plange, Thomas Steinhardt

 

Schießerei in einem Waldstück in Geltendorf - Mann stirbt

Schießerei in einem Waldstück in Geltendorf  - Mann stirbt

 

Der Waldläufer

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei Jürgen P. (49) um den seit Herbst gesuchten „Waldläufer“ handelte, einen äußerst brutalen Serienräuber. Insgesamt werden dem Täter acht Überfälle zur Last gelegt. Die erste Tat dürfte er am 15. Oktober 2012 verübt haben. Der Mann überfällt einen Backshop in Türkenfeld. Er schlägt die Verkäuferin nieder, flieht aber ohne Beute. Die zweite Tat begeht er im Supermarkt an der Bahnhofstraße in Geltendorf am 16. Oktober 2012. Er bedroht die Verkäuferin des darin liegenden Backshops mit der Pistole und schießt auf eine Tasse. Beute: einige hundert Euro. Es folgen weitere Überfalle in Geltendorf und im nahen Inning, wo er eine Tankstelle mehrfach überfällt. Der Unbekannte, der stets eine Maske trägt, flieht immer zu Fuß in den Wald, wo sich seine Spur verliert. Schon im Oktober gründet die Polizei daher die Soko Waldläufer. Vorläufiger Höhepunkt der Überfalle ist am 27. März 2013, kurz vor Ostern. Der Mann überfällt wieder mit vorgehaltener Waffe eine Postagentur im Grafrather Supermarkt. Der Täter wird von einem Autofahrer verfolgt und schießt auf den Wagen. Der Verfolger bricht ab.

st

 

Zeuge Harald Wings: „Es hat 20 Mal gekracht“

Harald Wings aus Geltendorf war Samstag Mittag gerade mit seinem Hund Maxi im Wald unterwegs, als plötzlich Schüsse die Stille zerrissen. Wings war nur etwa 400 Meter vom Geschehen entfernt, wie er später feststellte. Erst habe es fünfmal gekracht, etwas zeitversetzt dann noch etwa 15 Mal. Von woher die Schüsse kamen, sei rein vom Gehör her erstmal nicht feststellbar gewesen. „Es hat gehallt.“ Dass im Wald mal ein Schuss fällt, sei nicht so ungewöhnlich, sagte der 53-Jährige dem Brucker Tagblatt. Denn schließlich gebe es Jäger. Als es dann immer mehr Schüsse wurden, dachte der Koch, dass jemand seine alte Silvester-Batterie abfeuert – oder dass es Verrückte sind, die einfach rumballern. Erst als er den Wald verlassen hatte, sah er einen Polizeihubschrauber kreisen. Sein erster Gedanke galt den Überfällen auf Supermärkte in der Gegend. Später habe er dann vor Ort erfahren, was passiert ist.

st

Hier durchsucht die Polizei das Haus in Türkenfeld

Geltendorf-Schütze: Polizei durchsucht Wohnung in Türkenfeld

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