Unfassbar: Kleinkind wird erst gegen Vorauskasse befreit

Freising - Wegen Wuchers und Erpressung musste sich der Betreiber eines Schlüsseldienstes vor dem Amtsgericht verantworten. Das eigentliche Opfer: Ein Kleinkind, das erst befreit wurde, nachdem der Opa eine überhöhte Rechnung bezahlt hatte.

100 Euro hatte der Angeklagte auf telefonische Nachfrage verlangt, um ein simples Schloss zu öffnen. In Freising hatte sich ein zweieinhalbjähriges Mädchen bei den Großeltern auf dem Klo eingesperrt. Die Kleine, die sich zum Zeitpunkt des Telefonats schon eine gute halbe Stunde in dem winzigen Raum befand, neigte, so ihr Opa (76), zu Panikattacken. Der 76-Jährige erinnert sich mit Schrecken an jenen Nikolaustag 2009. Als der Schlüsseldienst-Mann eintraf, packte er erst einmal seinen Rechner aus, um den endgültigen Preis bestimmen. Oma und Opa wussten nicht, wie ihnen geschah. Ihr Sohn, der Vater des Mädchens, hatte den Schlüsseldienst bestellt. der sollte höchstens 100 Euro kosten. „Ich dachte, der schließt gleich die Tür auf und befreit unser Enkelkind“, berichtete der 76-Jährige. Stattdessen summierte der Angeklagte Nebenkosten um Nebenkosten und verlangte schließlich 337 Euro. Zum „Feiertagsaufschlag“ summierten sich Fahrkkosten sowie fürs Werkzeug.

Der 47-Jährige beharrte auf Vorauskasse. Am Ende waren die Großeltern froh, ihr Enkelkind befreit zu sehen. „337 Euro sind viel Geld, aber darum geht es uns nicht“, erläuterte der Senior. An die Polizei hätten er sich erst gewandt, als er erfuhr, dass gegen den Angeklagten bereits wegen Wuchers ermittelt wurde. Da der verlangte Betrag nach Berechnung einesSachverständigen die üblicherweise verlangte Summe um mehr als 50 Prozent übertraf, hatte sich der Angeklagte tatsächlich auch des Wuchers schuldig gemacht. Er wurde dafür aber nicht verurteilt. Es erging aber auch kein Freispruch. Der Tatbestand der Erpressung war aber nicht nur für den Staatsanwalt erfüllt. Das Gericht gelangte zu der Überzeugung, dass der Angeklagte die Notlage der Großeltern ausgenutzt habe, als er ihnen drohte, ihre Enkelin ohne Vorkasse nicht zu befreien. Wegen Erpressung verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1250 Euro.

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