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Energiekrise in Bayern adé? Nahe München schlummern Millionen Kubikmeter Erdgas unter der Erde

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Von: Andreas Höger

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In Holzkirchen will ein privater Investor nach Erdgas bohren (Symbolbild). © Patrick Pleul/dpa/Symbolbild

Bei Holzkirchen wurde ein riesiges Erdgas-Aufkommen entdeckt. Eine Firma will die begehrte Energiequelle anzapfen – doch die Gemeinde sieht viele Probleme.

Holzkirchen – Ohne eine handfeste und mit ausreichend Geld abgesicherte Garantie für die Holzkirchner Geothermie-Bohrung gibt es kein Entgegenkommen für eine Gasbohrung der Firma Terrain Energy in unmittelbarer Nähe: Die Fraktionssprecher des Holzkirchner Marktgemeinderats machten auf Anfrage deutlich, dass sie wie Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) sehr skeptisch sind angesichts der Avancen des Unternehmens, das gerne mit der Marktgemeinde ein offenbar lukratives Gasfeld 4200 Meter unter Holzkirchen erschließen würde.

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Rund 70 Millionen Euro investierte die Gemeinde in ihr Geothermie-Projekt. „Es wäre ja ein Treppenwitz der Geschichte, wenn wir ausgerechnet mit einer Bohrung nach fossiler Energie unsere regenerative und zukunftsfähige Geothermie gefährden“, sagt Grünen-Sprecher Robert Wiechmann.

Erdgas-Bohrung nahe München: Schon bei Vorbohrungen Gasblase erwischt

Terrain Energy hält schon seit Jahren das „Aufsuchungsrecht“ für Gas und Öl im Erlaubnisfeld Egmating, in dessen südwestlichem Eck Holzkirchen liegt. Und tatsächlich scheint hier viel Energie in der Erde zu schlummern, wie sich 2016 bei der Geothermie-bohrung der Gemeinde andeutete: Trotz intensiver Voruntersuchungen wurde versehentlich eine Gasblase angebohrt. Für die Gemeinde eine finanziell schmerzliche Erfahrung (die Bohrung musste umgelenkt werden), für Terrain Energy Hinweis und Anreiz, nach dieser Energie selbst zu schürfen.

Das Unternehmen geht inzwischen davon aus, dass rund 650 Millionen Kubikmeter Erdgas aus Holzkirchner Boden zu holen wären. Für die Akquise von Bohrplätzen, für seismische Daten und für die öffentliche Akzeptanz hätte das Unternehmen die Gemeinde gern im Boot und stellte einige Millionen Euro Gewinnbeteiligung in Aussicht. Wie Wiechmann betonte, obliegt die Entscheidung darüber nicht dem Bürgermeister, sondern dem Gemeinderat.

Gas-Bohrung nahe München: Firma legte Unbedenklichkeits-Gutachten vor

„Ich stehe dem kritisch gegenüber“, sagt CSU-Sprecher Sebastian Franz, „nach aktuellem Stand sind Auswirkungen auf unsere Geothermie nicht auszuschließen.“ Unter keinen Umständen dürfe dieses Projekt einer Gefährdung ausgesetzt sein, betont SPD-Sprecherin Elisabeth Dasch: „Wir brauchen verbindliche Bürgschaften.“ Wenn die Staatsregierung bayerisches Gas gefördert haben wolle, „müssen wir darüber sprechen, welche Sicherheiten wir bekommen“.

Die Firma hat bisher nur ein Unbedenklichkeitsgutachten vorgelegt, das vom Rathaus derzeit überprüft wird. „Wir brauchen aber mehr Infos“, sagt FWG-Sprecher Torsten Hensel, „auch für mich ist klar: Die Sicherung unserer Geothermie genießt absolute Priorität.“ Wiechmann kann sich nicht vorstellen, dass die Garantien für eine Zustimmung seiner Fraktion ausreichen. „Ein Gutachten allein genügt uns nicht. Wir als Gemeinde hatten ja auch gedacht, dass wir bei der Geothermie-Bohrung nicht auf Gas stoßen – und passiert ist es trotzdem.“

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