Investor gesucht

„Ein Juwel“: Dieser Gasthof steht seit 42 Jahren leer - Wer traut sich?

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Dringend sanierungsbedürftig, aber schön und unter Denkmalschutz: der Gasthof Schauer.  

Die Gemeinde Pöcking greift die große Aufgabe Wiederbelebung des Gasthauses Schauer in Possenhofen an. Sie sucht einen Pächter, der das Areal auch saniert.

Possenhofen – „Es ist ein Juwel. Ein Privatinvestor kann das sehr gut machen.“ Mit diesen Worten warb Albert Luppart nach der Possenhofener Bürgerversammlung noch einmal für sein Lieblingsprojekt. Seit Jahrzehnten kämpft der zweite Bürgermeister für die Wiederbelebung des ehemaligen Gasthof Schauer. Jahrelang stand die Gemeinde mit der Erbin des Wirtshauses, Philippina Schauer, in Verhandlungen, Mitte der 1990er Jahre erhielt sie ein Vorkaufsrecht. Seit 1976 steht der Gasthof leer, nach Jahren des Stillstands. In den 1920er und 30er Jahren zur Zeit der boomenden Sommerfrische war er ein Touristenmagnet.

Erst 2013 hat sich die Gemeinde für die Wiedererrichtung eines Gasthofs entschieden. 2017 wurde dann ein Arbeitskreis ins Leben gerufen, in dem auch Mitglieder des Kapellenvereins eingebunden wurden, die sich für den hübschen Platz und die Kapellenrenovierung eingesetzt hatten. Mehr hat sich nicht getan, weil Bürgersaal und Haus der Vereine die Verwaltung ausreichend beschäftigten. Jetzt soll es weiter gehen.

Erster Schritt ist eine Ausschreibung, wie Bürgermeister Rainer Schnitzler in der Bürgerversammlung am Donnerstagabend ankündigte. Knapp 90 Bürger waren gekommen. Demnach wird ein Wirt gesucht, der das Anwesen mit Gasthof, Nebengebäude, gegebenenfalls auch mit Parkwiese und Remise im Erbbaurecht erwerben soll. Der potenzielle Investor soll zugleich verpflichtet werden, den Gasthof auf eigene Kosten zu sanieren. Das dürfte nicht billig sein.

Angaben über den Sanierungsstau des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes und die damit verbundenen nötigen Investitionen konnte Schnitzler nicht machen. Dass die Wirtsstube unter Denkmalschutz steht, macht es nicht leichter, allerdings verwies der Bürgermeister auf diverse Fördermaßnahmen des Staates. Für die künftige Nutzung müssen auch noch die üblichen verwaltungstechnischen Hürden wie Immissionsschutz und Parkplatzschaffung genommen werden.

Mit der Denkmalschutzauflage steht auch fest, dass der Grundriss erhalten werden muss, der Gastraum nicht erweitert werden kann. Allenfalls könnte in der großen Küche Platz geschaffen werden für eine weitere Gaststube. Ein Wirtsgarten mit Öffnungszeiten bis 22 Uhr wäre ebenfalls möglich. Das Obergeschoss könnte für Büros oder Wohnungen genutzt werden, Dachgeschossausbau ist möglich, Gauben sind aber nicht erlaubt.

Chancen bietet das Wohnhaus, in dem Personalwohnungen oder Fremdenzimmer errichtet werden können. Auf der Parkwiese unterhalb des Gasthofs, wo noch die Baracken stehen, ließe sich ein Nebengebäude mit Vorhalteküche errichten. Der Stadl auf der anderen Straßenseite könnte zum Parkhaus werden. Die Gemeinde sieht die Parkplätze anstelle der Remise oder in der historischen Remise selbst und will die Autos von der Straße zum Schloss und Dampfersteg fern halten.

„So ein Investor muss erst gestrickt werden“ rief eine Bürgerin aus den hinteren Reihen. Der Bürgermeisterräumte die Bedenken aus dem Weg. „Das hier ist kein Luftschloss! Es gibt eine ganze Reihe, die ernsthaftes Interesse haben.“ Er freut sich, solch ein „tolles Objekt“ entwickeln zu können. Bauingenieur Manfred Schiffer riet noch, das Ganze „kleinzuhalten und nicht aufzupuschen“. Alexander Wehnelt vom Kapellenverein betonte, dass alles im Eigentum der Gemeinde bleiben sollte.

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