Pahl tritt aus

„Bin politisch und emotional mit Gautinger SPD am Ende“

Zerreißt es die SPD Gauting? Nach dem Rückzug von Dr. Jürgen Sklarek aus dem Ortsvorstand hat Gemeinderätin Stephanie Pahl ihr Parteibuch in die SPD-Zentrale nach Berlin geschickt.

Gauting„Ich bin politisch und emotional mit der Gautinger SPD am Ende.“ Unterschiedliche Auffassungen über die Weiterentwicklung Gautings und zur Zukunft des früheren Grundschulareals, aber auch die „harsche Kritik“ einiger Parteimitglieder an ihrer jüngsten Haushaltsrede im Gemeinderat haben für Stephanie Pahl das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Fraktionssprecherin der SPD hat ihren Austritt aus der Partei erklärt. Ihr Mandat im Gemeinderat will sie als Parteifreie weiterhin wahrnehmen.

Völlig überrascht zeigte sich gestern der stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Eberhard Brucker von der Nachricht Pahls. Die 49-jährige Erzieherin war erst im Januar 2017 für Julia Ney in den Rat nachgerückt. Mitglied in der SPD war Pahl erst nach der „desaströsen“ Kommunalwahl 2014 geworden, für die sie als Parteifreie auf der SPD-Liste kandidiert hatte. Kurz danach wählten die Parteimitglieder Pahl zur stellvertretenden Ortsvorsitzenden.

Pahl: Fraktion und Ortsvorstand völlig unterschiedliche Auffassungen 

„In meiner Amtszeit habe ich versucht, die Gautinger SPD zu modernisieren und die Außenwirkung zu verbessern“, erklärte die bisherige Sozialdemokratin. Doch im SPD-Ortsvorstand „hatte ich das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen“. Bei der Neuwahl im Juni 2017 hätten die Mitglieder sie nicht einmal mehr in den Beirat gewählt.

Stephanie Pahl wird sich als Parteifreie für Gauting einsetzen.  

Grund für das Zerwürfnis: Zur Zukunft des Grundschulareals und der Entwicklung neuer Gewebegebiete hätten Fraktion und Ortsvorstand völlig unterschiedliche Auffassungen, sagt Pahl. Sozialdemokraten, wie der Vizevorsitzende Brucker, die beim Bürgerbegehren „Keine Baukolosse“ dabei seien, „diffamierten“ ihre eigenen Gemeinderäte als „politische Gegner“.

Knape sieht keinen Grund für Konsequenzen

Möglicherweise hat der Rückzug von Dieter Appel aus dem Amt des Ortsvorsitzenden ebenfalls diesen Hintergrund. Brucker teilte gestern mit, der SPD-Chefposten sei nach dem Rücktritt Appels „aus persönlichen Gründen“ bereits seit dem Jahreswechsel vakant. Appel selbst war gestern nicht zu erreichen. Sklarek betonte ausdrücklich, Appel habe immer eine neutrale Position eingenommen. Ihn nehme er von der Vorstandskritik aus.

Brucker behauptet: „Unsere 85 Mitglieder sehen die Ortsentwicklung Gautings anders als die Fraktion.“ Das belege eine Mitgliederbefragung, bei der sich 90 Prozent gegen die von der Fraktion befürwortete Sontowski-Planung für das Grundschulareal ausgesprochen hätten. Das dritte Mitglied der SPD-Fraktion, der parteifreie Hans-Wilhelm Knape, erst im Februar in den Gemeinderat nachgerückt, sieht keinen Grund für Konsequenzen. Es gebe im SPD-Ortsvorstand auch „Akzeptanz, dass wir Gemeinderäte unserem Gewissen folgen, und nicht der Parteidoktrin“.

Von Christine Cless-Wesle

Rubriklistenbild: © dpa / Carsten Rehder

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