Geplantes Industriegebiet Erding-West

BMW und Ikea-Online wollen nach Erding

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Bekommt Erding einen Platz auf der BMW-Landkarte? Der Münchner Autobauer kann sich in Erding-West eine Vorproduktion-Stätte vorstellen – im geplanten Industriegebiet in Erding-West.

Paukenschlag in der Debatte um das Industriegebiet mit XXL-Logistikhalle in Erding-West: BMW und der Ikea-Dienstleister Rhenus haben Interesse bekundet, sich in Erding anzusiedeln. Und: Der Flächenbedarf des örtlichen Mittelstandes ist deutlich größer als erwartet.

Erding - Endlich hat der Investor, der den Acker entlang der Dachauer Straße und der Sigwolfstraße in ein Gewerbe- beziehungsweise Industriegebiet verwandeln möchte, den Schleier gelüftet. Am Montagabend lud Martin Pfandzelter, Vorstandsvorsitzender der VIB Vermögen AG mit Sitz in Neuburg an der Donau, mit Günther Pech vom Stadtmarketing Unternehmer aus Erding und Umgebung, die hier aussiedeln, sich vergrößern oder ganz neu ansässig werden wollen, ins Hotel Henry ein.

Dort ließ er nach wenigen Minuten die Katze aus dem Sack: Bei den beiden größten Interessenten handelt es sich laut Pfandzelter um BMW und Rhenus, ein Logistik- und Montageunternehmen, das vor allem für das schwedische Möbelhaus Ikea arbeitet. Laut Pfandzelter soll Erding unter anderem ein Standort für die Abwicklung des Online-Handels sein.

Nach Informationen unserer Zeitung kann sich der bayerische Autobauer hier einen Teil der Prototypen-Vorfertigung vorstellen. In der Runde erklärte Pfandzelter, dass BMW etwa 35 000 der insgesamt 80 000 Quadratmeter benötige. „Wir reden hier von etwa 400 Mitarbeitern, die in zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr arbeiten.“ Maximal elf Lkw würden Erding-West pro Stunde anfahren beziehungsweise verlassen.

Angst vor einer hässlichen Monsterhalle

Rhenus habe angegeben, dass etwa zehn Sattelzüge pro Tag kämen. Die Zahl der An- und Abfahrten mit kleineren Transportern („Sprinter“) bezifferte der VIB-Chef mit rund 50. Weitere 10.000 bis 15.000 Quadratmeter habe ein Kommissionierer nachgefragt. Er würde Waren anliefern lassen und umpacken, um sie dann auf kleinere Märkte zu verteilen. Pfandzelter stellte erneut klar: „Eine so genannte Hochfrequenz-Logistik mit permanentem Lieferverkehr wird es hier definitiv nicht geben.“ Das Maximum insgesamt liege bei 28 Lkw pro Stunde. „Wir werden dazu die Kreisverkehre ertüchtigen.“ Der Lieferverkehr werde nicht durch die Stadt fahren, sondern aus Zeitgründen die Flughafentangente nutzen. Außerdem sei ein Parkhaus mit 600 Plätzen vorgesehen.

Zur umstrittenen Hallenhöhe – der Entwurf sieht 22 Meter vor – erklärte er: „Rhenus wird diese Höhe brauchen. BMW kommt mit zehn, elf Metern Innenhöhe aus.“

Pfandzelter war einmal mehr bemüht, die Ängste vor einer hässlichen Monsterhalle zu zerstreuen. „Es wird keine glatte Fassade am Stück geben, sondern sie wird gegliedert.“ Auch Büroflächen und Aufenthaltsräume seien in den oberen Stockwerken vorgesehen. Je nach Höhenbedarf könnte der Komplex nach Westen hin ansteigen.

Umgeben werde das Areal von einem parkähnlichen Grüngürtel mit Breiten zwischen 40 und 100 Metern inklusive Geh- und Radwegen.

Die Hallen werden vermietet, die 20 000 Quadratmeter für den Handwerkerhof will die VIB verkaufen. Derzeit geht Pfandzelter von einem Quadratmeterpreis von 295 bis 310 Euro aus. „Die Kosten werden 1:1 umgelegt, in diesem Bereich wollen wir in Absprache mit der Stadt, die im Osten der Fläche ihren Recyclinghof realisieren kann, kein Geld verdienen.“

Zahlreiche Unternehmer meldeten konkreten Flächenbedarf an: Hyundai Holderried will aus Walpertskirchen weg und benötigt 6000 Quadratmeter inklusive 1500 Quadratmeter für das neue Autohaus. Bis zu zwölf Arbeitsplätze sollen zusätzlich entstehen. Aussiedeln will auch Ford Ewald – auf 7000 bis 8000 Quadratmetern. Dritter Automobilist wäre das Caravan Center Erding aus Mauggen mit 6000 bis 8000 Quadratmetern. Sie hätten gerne freistehende Gebäude.

Peter Liebert, Geschäftsführer des Erdinger Weißbräu, meldete Bedarf für 5000 Quadratmeter Lagerhalle an.

Fäthe Raumausstattung hat in der Innenstadt viel zu wenig Platz und sucht 800 bis 1000 Quadratmeter. Insgesamt ergab die Abfrage einen Gesamtbedarf von rund 40 000 Quadratmetern, es sind aber nur 20 0000 vorgesehen. Eine Vergrößerung der Flächen stehe derzeit nicht im Plan, sagte Pfandzelter.

Einig waren sich Investor und Unternehmer, dass rasch etwas passieren müsse. Der Druck sei enorm. Pfanzelter sagte, Ausgleichsflächen habe man bereits. Aber das Gebiet müsse auch archäologisch begutachtet werden. Ein Bebauungsplanverfahren brauche seine Zeit. Die Weichen könnte der Stadtrat am 30. Mai stellen. Dann wird es auch eine erste visuelle Darstellung geben. Gebaut werden könnte laut Pfandzelter frühestens ab Anfang 2018. Mehrfach wurde an dem Abend der Wunsch laut, dass die Politik das Projekt nicht blockieren dürfe.

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