Beide Männer waren stark alkoholisiert

„Voll eine reingezimmert“: Türsteher soll Gast niedergeschlagen haben

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Ein Türsteher in Geretsrieder soll einen Gast mit einem gezielten Faustschlag niedergestreckt haben. Nun muss sich der Mann vor Gericht verantworten.

Ein Türsteher in Geretsrieder soll einen Gast mit einem gezielten Faustschlag niedergestreckt haben. Nun muss sich der Mann vor Gericht verantworten.

Geretsried/Wolfratshausen – „Er hat tiefenentspannt seine Handschuhe angezogen und dem Berliner voll eine reingezimmert.“ So drastisch schilderte eine Zeugin in ihrer Anzeige bei der Polizei einen Vorfall in einem Geretsrieder Lokal, der einem 28-jährigen Produktionshelfer einen Prozess wegen Körperverletzung bescherte. Der Mann hatte am 24. November vorigen Jahres als Türsteher in der Bar gearbeitet, als er gegen 0.45 Uhr einen Gast mit einem gezielten Faustschlag niedergestreckt haben soll.

Fakt ist, dass zwei Männer aus Berlin, 25 und 38 Jahre alt, an jenem Abend in dem Lokal gefeiert haben – und das nicht zu knapp. Später durchgeführte Atemalkoholkontrollen ergaben bei dem 25-Jährigen einen Wert von umgerechnet 2,7 Promille. Der 38-Jährige kam auf 1,2  Promille. Vor allem der Jüngere war mit steigendem Alkoholpegel auffällig geworden, weshalb er aus der Kneipe geschafft werden sollte.

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Wie das vonstatten ging, darüber klafften die Aussagen in der Verhandlung weit auseinander. Der Angeklagte, zur Tatzeitpunkt mit rund zwei Promille ebenfalls stark alkoholisiert, erklärte, er sei vom Besitzer des Lokals aufgefordert worden, „einen rauszuschmeißen“. Daraufhin habe er den Herrn gebeten „zu zahlen und zu gehen“. Plötzlich sei er von dem Gast am Hals gepackt worden. Er habe „mit dem Arm nur dessen Hand weggeschlagen“, erläuterte der Beschuldigte und führte die Ausholbewegung vor. Im selben Moment habe der Altere der beiden ihm ins Gesicht geschlagen. Tatsächlich war dem Türsteher bei dem Gerangel die Nase zertrümmert worden. Womöglich war dafür das Knie des 38-jährigen Schweißers verantwortlich, der nach eigenen Aussagen den Angeklagten nach dessen Attacke in den Schwitzkasten genommen hatte.

Der geschädigte Metallbauer erinnerte sich nur vage an den Vorfall: „Ich habe mich an der Bar mit dem Chef unterhalten. Dann hab’ ich mit einem Mal was vor die Lichter bekommen.“ So hatte er es in einer richterlichen Vernehmung in Berlin zu Protokoll gegeben. Der Angeklagte witterte in dem ganzen Ablauf ein abgekartetes Spiel. Sein damaliger Chef habe gewollt, „dass das genauso passiert“, mutmaßte der Ex-Türsteher. Der Staatsanwalt erklärte, er „glaube die Story des Angeklagten nicht“. Was auch daran lag, dass ein von dem Beschuldigten eingebrachter Entlastungszeuge als einziger eine völlig andere Geschichte erzählte als alle anderen Beteiligten. Der mehrfach wegen Körperverletzungen und anderer Delikte vorbestrafte Angeklagte, der nach einer Verurteilung aus dem Jahr 2013 unter offener Bewährung stand, habe „eine Chance nach der anderen vertan“, so der Anklagevertreter. Er beantragte eine weitere Haftstrafe von 15 Monaten. Richter Helmut Berger verurteilte den Geretsrieder zu zehn Monaten Gefängnis, „selbstredend ohne Bewährung“. In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter: „Sie sind ein Schläger. Man muss es einfach so deutlich sagen.“ rst

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