Auf tz.de sprechen Freunde und Weggefährten

Germanwings-Absturz: Trauer um Stefan K. (38) aus Gauting

München - Unter den Opfern des Germanwings-Absturzes in Südfrankreich befinden sich auch zwei Menschen aus Oberbayern. Einer davon ist Stefan K. aus Gauting im Landkreis Starnberg.

Update vom 27. März 2015: Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat schnell auf das Germanwings-Unglück reagiert. Von nun an gelten neue Regeln im Cockpit. Verfolgen Sie die weiteren Entwicklungen aus den französischen Alpen in unserem Ticker.

Er hatte in seinem Leben noch vieles vor. Vor zweieinhalb Jahren kaufte sich Stefan K. in Gauting (Lkr. Starnberg) eine Doppelhaushälfte und erfüllte sich den großen Traum vom Eigenheim. Am Dienstag fand der 38-Jährige in den französischen Alpen den Tod. Stefan K. ist eines der 150 Opfer, die der Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine forderte. Die Nachbarschaft und sein ehemaliger Fußballverein stehen unter Schock. In der tz sprechen seine Weggefährten.

„Wir sind alle total erschüttert“, schildert Thomas Metz, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Wolfratshausen, für den Stefan K. als Kapitän jahrelang dem runden Leder hinterherjagte und auch als Jugendtrainer und Schriftführer tätig war. „Man denkt immer, dass so etwas nur anderen passiert“, hadert er mit dem Schicksal. Stefan K. war nicht nur ein tadelloser Sportsmann mit absolutem Vorbildcharakter, vielmehr war der 38-Jährige ein „richtig netter Bursche“, wie ihn Thomas Metz beschreibt. „Ein Familienmensch, der auch wunderbar mit Kindern konnte“, ergänzt der 52-Jährige, der Stefan K. auch beruflich gut kannte. „Stefan war sehr viel unterwegs. Wir arbeiten beide in der Werkzeugbranche. Da sind wir uns oft über den Weg gelaufen. Das letzte Mal habe ich ihn auf einer Messe in Stuttgart gesehen. Wer konnte schon ahnen, dass es kein Wiedersehen mehr geben würde?“

Ob Stefan K. beruflich oder privat in Barcelona war, ist unklar. Sein Arbeitgeber wollte sich nicht äußern. Auch in Gauting sitzt der Schock tief. Andreas Gebert, der im gegenüberliegenden Haus wohnt: „Vor ein paar Tagen haben wir uns noch gegrüßt. Sein Tod trifft uns schwer.“

Nicht nur bei seinen Sportkameraden in Wolfratshausen, auch in der Nachbarschaft in Gauting war Stefan K. allseits beliebt. „Wir hatten ein gutes Verhältnis, auch wenn wir uns nur sporadisch gesehen haben. Stefan war ja beruflich als Vertriebsleiter viel in Europa unterwegs“, weiß Andreas Gebert. „Aber wir waren zusammen auf der Wiesn, haben uns Spiele des FC Bayern angeschaut und uns geschätzt. Er war ein sehr geselliger Mensch.“

Gebert hat vom Tod seines Nachbarn durch einen Blick aus dem Fenster erfahren. „Ich habe ihn anfangs überhaupt nicht mit dem Absturz in Verbindung gebracht, weil der Flieger ja in Düsseldorf hätte landen sollen“, erinnert sicht Gebert. „Aber als dann das Kriseninterventionsteam in seiner Einfahrt stand, wurde es mir klar.“

Kinder hatte Stefan K. nach tz-Informationen nicht. Er und seine Ehefrau Susanne, die als Bankangestellte arbeitet, liebten es, zu reisen. Gerber: „Ich weiß noch gut, als Stefan nach Gauting gezogen ist und sich das Haus kaufte. Er hat alles aufwendig renoviert aber es war noch nicht fertig. Vor allem im Garten wollte er sich noch verwirklichen.“

Über das, was Stefan K. in den letzten Minuten seines Lebens mitmachen musste, lässt sich nur spekulieren. Eines steht fest: Mit 38 Jahren wurde er viel zu früh und brutal aus dem Leben gerissen.

Johannes Heininger

Rubriklistenbild: © AFP

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