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Abrisspläne machen Zukunft ungewiss: 80-jähriger Wirt schließt sein Hendlhaus für immer

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Von: Hans Kürzl

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Horst Jirgl hört auf.
Horst Jirgl verabschiedet sich. © hk

Die Germeringer Harfe soll abgerissen werden. Für Gastronom Horst Jirgl und sein Wiener Hendlhaus bedeutet das eine ungewisse Zukunft.

Germering – So traurig es ist: Der über 80-Jährige ist Realist und Geschäftsmann und macht seinen Laden deshalb in wenigen Wochen für immer zu. Wenn einer trotz Abschiedsschmerz noch charmant sein kann, dann dann ist es Horst Jirgl. „Es war uns eine Ehre“ steht auf der Tafel im Eingangsbereich seines Wiener Hendlhauses. Sie verkündet den Gästen außerdem, dass nach dem 4. Dezember Schluss sein wird mit den duftenden Hendlspezialitäten an der Gabriele-Münter-Straße 5 nahe der S-Bahn.

Germeringer Harfe soll abgerissen werden: Hendlhaus wä

„Ich wäre schon noch gerne geblieben“, sagt der Gastronom. Aber: „Ein Geschäftsmann muss Gewissheit über seine Zukunft haben.“ Denn bekanntlich soll die Germeringer Harfe abgerissen werden. Wann genau, weiß man nicht. Doch die Option, vielleicht noch wenigstens bis zum Jahr 2024 bleiben zu können, war für Jirgl keine mehr. Andere frühere Nutzer wie Docuware, die Volkshochschule oder die Buchhandlung Lesezeichen zogen bereits ihre Konsequenzen aus der Ungewissheit und suchten sich einen neuen Standort in der Stadt.

Danke für die Treue: Auf einer Tafel verabschiedet sich der Germeringer Gastronom Horst Jirgl (Foto links) bereits von seinen Gästen. „Es war uns eine Ehre“ ist darauf zu lesen. Anfang Dezember macht das Lokal für immer zu.
Danke für die Treue: Auf einer Tafel verabschiedet sich der Germeringer Gastronom Horst Jirgl (Foto links) bereits von seinen Gästen. „Es war uns eine Ehre“ ist darauf zu lesen. Anfang Dezember macht das Lokal für immer zu. © hk

Ein Umzug und ein weiterer Neuanfang kamen für den über 80-Jährigen aber nicht mehr in Frage. „Man muss wissen, wann es gut ist“, sagt er. Vor sieben Jahren war das noch anders: Da hat er einen Neustart noch gewagt Dieser gelang deshalb, weil viele Stammgäste den Ortswechsel zehn Kilometer von einer Großen Kreisstadt in die andere mitmachten.

Es ist im Rückblick fast schon kurios, dass auch da eine Baustelle die Ursache war – und wegfallende Parkplätze. Im Dezember 2015 war der Pachtvertrag fürs Hendlhaus in der Brucker Innenstadt ausgelaufen. Eine Verlängerung war für Jirgl durch die Pläne des Bauunternehmers Vilgertshofer uninteressant geworden. Biergarten und die Parkplätze im Hinterhof hatten weichen müssen.

Über 20 Jahre führte er das Hendlhaus in Bruck

„So ist es für mich nicht mehr machbar“, sagte Jirgl, der in Bruck über 20 Jahre lang den Wienerwald beziehungsweise das Hendlhaus geführt hatte, damals. Seine Klientel sei teils nicht mehr so gut zu Fuß. Daher seien die Parkplätze nötig, argumentierte er. In Germering gab es auf der Straßenseite gegenüber dem Lokal Parkraum nach dem Abriss der City-Galerie nun wieder keine mehr.

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Über 50 Jahre in der Gastronomie haben damit ein Ende gefunden. „Das ist für ein Geschäftsleben schon mehr als eine Generation“, beschreibt Jirgl die Dimension dieser Zeitspanne. Begonnen hatte diese an der Seite des Wienerwaldchefs Friedrich Jahn, dessen Geschäftsidee in den 1970er- und 1980er-Jahren ihren Höhepunkt hatte. Jirgl machte sich dabei dadurch einen Namen, indem er weniger gut laufende Filialen wieder auf Vordermann brachte und geschäftlich optimierte. „Mit Jahn war ich per Du.“

„Das alles war aber nur möglich, weil ich eine sehr fleißige Frau an meiner Seite habe“

In Fürstenfeldbruck landete er schließlich im Jahr 1991 und führte dort zusammen mit seiner Frau Renate die Hendl-Gastronomie ein. Er fühlte sich in der Stadt so wohl, dass er sich zudem noch politisch in der Senioren-Union engagierte.

„Das alles war aber nur möglich, weil ich eine sehr fleißige Frau an meiner Seite habe.“ Jirgls Blick, auch hin zu seiner Renate, verrät große Dankbarkeit. Die unterstreicht er noch, indem er die Hände ineinander legt.

Erst einmal soll es in die Steiermark gehen, in die Heimat von Renate. Eine Unternehmung, die dabei sicher nicht auf der Liste der Jirgls steht: Essen gehen, sich auf die andere Seite der Gastronomie begeben. „Da würden wir ziemlich sicher zu sehr mit dem fachlichen Auge draufschauen“, so Jirgl. Weitaus eher wird man die beiden als leidenschaftliche Liebhaber italienischer Opern antreffen. Bisher kam dieses Hobby nämlich zu kurz. Es war einfach zu wenig Zeit.

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