Biermösl-Mama († 95) beigesetzt

Bewegende Beerdigung: Letztes Konzert für Mutti Well

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Nach dem Konzert wurde der Sarg zum Friedhof getragen.

Günzlhofen - "Das hätte der Mutti sicher gefallen", sagte Michael Well zur Beerdigung von Gertraud Well. Denn: Die "Mutter der Volksmusik" wurde zu Geigen-, Cello- und Ziehharmonika-Klängen beigesetzt.

Christoph (v.l.), Michael und Karl Well spielten für die Mutti in der Kirche.

Harfenklänge füllen das Hauptschiff der St.-Margareth-Kirche im kleinen Günzlhofen nahe Fürstenfeldbruck. Dann setzt sanft eine Trompete ein – gespielt von Stofferl Well. Es ist ein letztes Konzert. Ein letzter Gruß für die geliebte Mama. Die gut 500 Gäste lauschen ergriffen der Musik. „Unsere Trauer ist groß“, wird Pfarrer Sascha-Philipp Geißler wenig später sagen – und spricht damit allen aus der Seele. Eine Woche ist es nun her, dass Gertraud Well im Alter von 95 Jahren verstarb. Und eins ist sicher: Dieser letzte Gruß hätte ihr ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert.

Gertraud Well wurde 95 Jahre alt.

Die Kirche im Heimatort der berühmten Familie – sie war bei der Beerdigung am Freitag bis auf den letzten Platz gefüllt. In den Gängen, auf der Treppe zur Orgel, sogar vor dem Gotteshaus standen Menschen, um der beliebten Well-Mama das letzte Geleit zu geben. Jeder, der Gertraud Well kannte, weiß: Ihre Familie war für die Bayerin immer das Wichtigste, immerhin zog sie 15 Kinder groß. „Sie war ein Mensch, der Harmonie brauchte“, beschrieb Pfarrer Geißler die leidenschaftliche Musikerin in seiner Predigt. „Liebe ist das einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden.“ Genau dieser Leitsatz treffe auf kaum jemanden so zu wie auf die Verstorbene, so der Geistliche. Sogar der letzte Satz in ihrem privaten Vermächtnis sei daher eine Bitte um Frieden: „Streitet nicht“, stehe da, so der Pfarrer. „Gertraud Well war eine starke Frau und eine Meisterin der Diplomatie. Sie wird daher nie vergessen werden.“

Unter den 500 Trauergästen waren auch Prominente – unter anderen der Autor, Schauspieler und Kabarettist Gerhard Polt (72). Er war hunderte Male mit der 2012 aufgelösten Biermösl Blosn von Hans (61), Michael (56) und Christoph („Stofferl“, 55) Well auf der Bühne gestanden. Privat ist er der Familie mit inzwischen fast 40 Enkelkindern und mehr als 20 Urenkeln eng verbunden, Jahrzehnte lang machte er für sie den Nikolaus. Auch Bayerns ehemaliger SPD-Chef Franz Maget (61) war in der Trauergemeinde. Letzterer erinnerte sich mit glänzenden Augen an die Verstorbene. „Wir haben jahrelang zusammen Schafkopf gespielt“, erzählte er der tz. „Sie war eine großartige Spielerin, eine großartige Person. Wir alle werden sie vermissen. Es war ein würdiger Abschied.“ Das sah auch Michael Well so, der über das Begräbnis sagte: „Das hätte der Mutti gefallen.“

Trotz ihres hohen Alters kam der Tod der Bayerin überraschend. Noch am 21. Dezember war Traudl, so ihr Rufname, beim Adventsspiel der Familie aufgetreten, hatte mit Begeisterung ihre Musik vorgetragen. Ein Lied lag ihr dabei immer besonders am Herzen, ein Volkslied aus Südtirol. Dort heißt es: Der Weinstock bringt Reben, die Bäume die Frücht. Alles muss werden, wie Gott es befiehlt. Diese Zeilen zierten ihre Sterbebildchen. Es war der letzte Gruß einer großen Frau …

Armin Geier

Gertraud Well beerdigt - Bilder

Mutter der Volksmusik beerdigt - Bilder

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