59-Jähriger war depressiv

Geständnis! Kranführer bringt seine Frau um

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Er gestand die Vorwürfe aus der Anklage: Friedrich W. (59).

München - Es ist ein gruseliger Moment zum Auftakt des Totschlag-Prozesses gegen den Kranführer aus Geretsried, als er zeigt, wie er seine Frau umbrachte.

Schon eine Stunde lang läuft seine Verhandlung, da steht Friedrich W. (59) auf, nimmt einen Stift in die Faust und beugt sich vornüber. „So habe ich mit dem Messer auf meine Frau eingestochen“, sagt er und macht die zackige Bewegung auf der Anklagebank nach. Es ist ein gruseliger Moment zum Auftakt des Totschlag-Prozesses gegen den Kranführer aus Geretsried.

Am Montag gestand er vor dem Landgericht ein, seine Frau Helga umgebracht zu haben. „Es tut mir furchtbar leid. Ich weiß nicht, was in meinem Kopf los war“, sagt Friedrich W. Seit zehn Jahren ist er schwer depressiv, musste sich mehrfach auch in der Psychiatrie in Agatharied (Kreis Miesbach) behandeln lassen – so auch vom 1. bis 24. Mai 2014. Schon dort kündigte er den Ärzten an, dass er seine Frau töten wolle. „Das war eher im Spaß“, sagt er vor Gericht. Trotzdem wurde er aus der Klinik entlassen! 17 Tage später bringt W. seine Frau Helga, mit der seit 1979 verheiratet war, tatsächlich um.

Morgens gegen 6 Uhr geschieht das Drama in einem Mehrfamilienhaus in der Alpenstraße. Friedrich W. liegt schon länger wach. Ihn plagt seit Jahren die Angst, seinen Job als Kranführer und die Wohnung zu verlieren. „Du bist Schuld“, sagt er zu Helga. Dann drückt er ihr ein Kissen ins Gesicht, um sie zu ersticken. „Als sie sich wehrte, nahm ich ein zweites“, gesteht er unter Tränen. Seit 2003 kann seine Frau infolge eines Schlaganfalls kaum sprechen, ist auf Pflege angewiesen. Trotz der Behinderung schafft sie es, aus dem Bett in ihren Rollstuhl zu klettern. „Dann stech ich dich eben ab“, schreit Friedrich W., als er ein Messer aus der Küche holt.

Vom Schlafzimmer flieht seine Frau in den Flur. Dort holt er sie aber ein – und versucht ihr von hinten die Kehle durchzuschneiden. Mit der Hand wehrt sie das Messer noch ab. Gegen den zweiten Angriff hat sie aber keine Chance: Mit einer 11-Zentimeter-Klinge durchsticht W. ihr dreimal die linke Herzkammer und einmal die Lunge. Helga W. verblutet.

Nach der Tat wischt ihr Mann das Messer ab und packt es zurück in den Messerblock. „Dann habe ich mir ein Bier aufgemacht.“ Er wählt den Notruf und bleibt so lange am Telefon, bis die Polizei klingelt. Ein Beamter: „Er wirkte sehr ruhig und zeigte mir das Messer. Seine Frau lag tot im Flur.“

Laut Anklage gilt Friedrich W. als schuldunfähig. Er sitzt seit dem 22. Juli wieder in der Psychiatrie, dieses Mal in Haar. Die Klinik wird er wohl den Rest seines Lebens nicht mehr verlassen dürfen!

Andreas Thieme

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