„Geste der Versöhnung entwertet“

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Josef Scheungraber

Ottobrunn - Erneuter Wirbel um den Fall Scheungraber: Wegen eines SPD-Affronts wollen CSU und Bürgermeister Thomas Loderer alle Bemühungen um einen „Versöhnungsbrief“ einstellen.

Der Fall Josef Scheungraber droht Ottobrunn zu spalten: Wegen der umstrittenen „Ehrenerklärung“ von Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) zugunsten des rechtskräftig verurteilten, 92-jährigen Kriegsverbrechers prallten die Fronten in der jüngsten Sitzung aufeinander. Nachdem SPD-Sprecherin Ruth Markwart-Kunas eine zweiseitige Stellungnahme verlesen hatte, waren die Fraktionen und Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) derart perplex, dass kurzzeitig Nicht-Öffentlichkeit hergestellt wurde.

Schärfer könnte ein inhaltlicher Angriff gegen einen Rathauschef kaum ausfallen. Loderer reagierte zwar ruhig und besonnen, seine Worte ließen jedoch keinen Zweifel an seiner Wut. „Das sind Anschuldigen, gegen die ich mich aufs Schärfste verwahre“, entgegnete er. Und: „Das ist der Gipfel der Selbstgerechtigkeit. Hier wird auf eine unerhörte Weise provoziert.“

Alle Chance auf einen weiteren Versuch, sich mit Cortona um eine Versöhnung zu bemühen, seien vertan: „Der Weg ist verbaut“, erklärte er mit Blick auf einen Vorschlag von Doris Popp (Grüne), den er zuvor gut geheißen hatte. Die CSU drohte, den Sitzungssaal zu verlassen. Nur weil noch andere wichtige Themen auf der Tagesordnung stünden, sehe man davon ab, erklärte Sprecher Georg Weigert, als es nach einer zehnminütigen Unterbrechung weiterging. Was die SPD tue, sei „völlig überzogen“. Die Brücken um Versöhnungsbemühungen seien jetzt „zum Teil abgerissen. Die Anschuldigungen sind für uns nicht akzeptabel“.

In der Stellungnahme wird Loderer vorgeworfen, mit seiner „Ehrenerklärung“ und seiner erneuten Weigerung, diese zurückzunehmen, ein politisches Desaster angerichtet zu haben. Einem Bürger, der ein „grausiges Verbrechen“ begangen habe, sei die Bürgermedaille verliehen worden. „Dass die Gemeinde Ottobrunn zum Zeitpunkt der Verleihung von den Verbrechen nichts wusste, ändert nichts an der Außenwirkung dieser Ehrung gegenüber den Opfern“, verlas die SPD-Sprecherin. „Bei denjenigen, die die Wunden noch immer spüren, muss es wie Hohn gewirkt haben, dass der Mörder von damals in seiner Gemeinde als Ehrenmann galt.“ Ottobrunn werde wegen der Auszeichnung schon jetzt als ein „Hort ewig Gestriger“ wahrgenommen. Loderer hätte dieser Sichtweise entgegenwirken können. Er habe es aber nicht getan. Im Gegenteil: Seine Erklärung zugunsten Scheungrabers während des schwebenden Verfahrens habe „diese Wahrnehmung noch verstärkt“. Mit Loderer in dieser Angelegenheit weiter zusammenzuarbeiten, sei eine „Farce“. Mit seinem „geschmacklosen Verhalten“, heißt es am Ende des Briefes, der unmittelbar an Loderer gerichtet ist, „haben Sie eine Geste der Versöhnung mithin bereits im Vorfeld entwertet“.

Die SPD werde jetzt selbst tätig werden und einen unmittelbaren Kontakt mit Cortona suchen. Immerhin auf einen Kompromiss einigte sich das 23-köpfige Gremium: Danach soll das von Doris Popp verfasste Versöhnungsschreiben in den Fraktionen zumindest diskutiert werden.

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