Nachfolger ist gefunden

Eine Ära endet: Dieser Bäcker schließt nach 125 Jahren

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Für Erwin Nominacher (61) stand schon länger fest, dass er in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen will. Eine schwere Herzerkrankung zwingt ihn nun, seine Bäckerei in Forstern zu schließen – nach gut 125 Jahren in Familienbesitz.

Von Elvi Reichert

Forstern – Nach Weihnachten endet in Forstern eine mehr als 125-jährige Bäcker-Tradition: Die Bäckerei Nominacher schließt ihre Pforten. Die letzten Backwaren gehen am 24. Dezember über den Tresen.

Den Familienbetrieb hatte 1991 Erwin Nominacher in der fünften Generation übernommen. In den folgenden Jahren hat er den Verkaufsladen umgebaut und die Bäckerei erweitert. Zehn Jahre lang belieferte die Bäckerei die Filiale im Edeka-Markt, und 2012 kam noch ein Geschäft in Forstinning dazu. Mehr als 20 Mitarbeiter waren in Backstube und Verkauf beschäftigt. Sie alle haben neue Anstellungen gefunden.

Martina Nominacher (53) heiratete 1988 in die Bäckerei ein und zwei Söhne erblickten das Licht der Welt. Kindererziehung fand zwischen Backstube, Verkaufsladen und mit Hilfe der Omas statt. Es war schon früh ersichtlich, dass die Söhne die Bäckerei nicht übernehmen werden: Sie studierten und strebten andere Berufe an.

Die Bäckerei stand immer im Mittelpunkt der Familie, regelte auch die kaum vorhandene Freizeit. So stand Erwin Nominacher bereits kurz vor Mitternacht in der Backstube, bereitete die Teige für Brote und Semmeln vor, begann mit dem Backen. Erst am späten Vormittag konnte der 61-Jährige sich wieder ausruhen.

Das letzte Gebäck gibt’s an Heiligabend

Die hohe Arbeitsbelastung und der Stress waren 45 Jahre lang sein ständiger Begleiter. Nun haben ihn die Ärzte vor die Wahl gestellt: „Weiter arbeiten und ein hohes Risiko eingehen oder die Arbeit beenden und noch schöne Jahre verbringen“, erzählt der Bäckermeister, der für SPD/Die Grünen im Forsterner Gemeinderat sitzt. „Da ist mir die Entscheidung dann leicht gefallen.“

Und trotzdem überkommt ihn die Wehmut, wenn die Bäckerei am 24. Dezember zum letzten Mal für ein paar Stunden öffnet.

Zu vielen Kunden ist in all den Jahren eine enge Verbindung gewachsen, Freundschaften sind entstanden und vor allem die Vereine konnten sich immer mit Extrawünschen an „den Nominacher“ wenden, der zu allen Festen Brezen und Semmel backte. Auch im Ferienprogramm wird die Bäckerei abgehen: Jedes Jahr durften hier die Kinder Brezen selbst drehen und backen.

Firma Kreitmaier übernimmt

Die Suche nach einem Nachfolger war nicht einfach, erzählt Nominacher. Denn eine Verkaufsstelle für Industriesemmeln habe er nicht gewollt. Inzwischen steht fest, dass die Firma Kreitmaier aus Grafing zukünftig ihre Backwaren in Forstern verkaufen wird. „Das ist auch ein Handwerksbetrieb, den es schon über 100 Jahre gibt und der eine Zukunft hat. Deshalb habe ich mich für ihn entschieden“, betont Nominacher.

Dem Ehepaar ist es wichtig, sich bei allen Kunden für ihre jahrzehntelange Treue zu bedanken, für die vielen schönen Jahre zwischen Backstube und Verkaufsladen. Die Kunden liegen ihm am Herzen, sagt Nominacher. Deshalb wird er an Heiligabend, oder besser gesagt am heiligen Morgen, zum letzten Mal in der Backstube stehen, um seinen Kunden mit frischen Backwaren für die Feiertage zu versorgen. „Wer mag denn schon am Heiligen Abend ein Baguette vom Vortag?“, sagt er schmunzelnd.

Bevor aber die Nachfolger die Bäckereiräume beziehen können, ist noch ein Umbau nötig. Erst Mitte Januar gibt es dann frische Backwaren von der Bäckerei Kreitmaier. Und Nominacher? Er muss erst einmal seinen neuen Biorhythmus finden und wird dann mit seiner Frau den Urlaub nachholen, den er in den vergangenen Jahren nicht realisieren konnte.

Video: Dringend Nachwuchs für Bäckerei gesucht

Video: Glomex

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