Es ging um ein Reh: Diese Frau kämpfte mit einem Windhund

Mutig: Christine Schlicht, aktives Mitglied im Tierschutzverein, mit geschientem Arm vor der Kreisklinik. Foto: sro

Grafing - Der schwarze Windhund hat sich in das vor Panik schreiende Reh verbissen, das verzweifelt um sein Leben kämpft. Der Winter und der Kampf haben das Tier bereits stark geschwächt. Eigentlich hat es keine Chance mehr. Aber dann kommt ein Schutzengel.

Der Schutzengel heißt Christine Schlicht. Sie ist engagierte Tierschützerin, Mitglied im Tierschutzverein Ebersberg, wo sie als Vorstandsmitglied arbeitet. Als sie mit ihrem Auto in dem Moment zufällig durch Nettelkofen fährt, sieht sie zehn Meter vom Straßenrand entfernt in einem Feld das Reh um sein Leben kämpfen. Sie zögert nicht lange, hält ihren Wagen an, springt aus dem Auto und versucht mutig, dem blutenden Wild zu helfen.

„Es war ein schwarzer Windhund“, bestätigt der für das Revier zuständige Jäger, Ludwig Prücklmaier. „Wir haben die Besitzerin schon öfter darauf aufmerksam gemacht, dass ihr Hund ohne Aufsicht unterwegs ist.“ Aber dann hätte es nur geheißen, der Hund mache nichts. „In unserem Revier hatten wir im vergangenen Jahr drei gerissene Rehe“, ärgert sich der Jäger. „Jetzt haben wir quasi den Beweis, wer es war.“

Christine Schlicht denkt in dem Moment nicht an die Gefahr, die von einem wildernden Hund ausgehen kann, der gerade seine Beute töten will. „Ich hab’ versucht, ihm das Maul aufzumachen. Er hatte sich ja schon vollkommen in das Reh verbissen“, berichtet sie. Mit letzter Kraft gelingt es der Tierschützerin, den Hund vom blutenden Reh wegzureißen und ihn einen Moment so zu irritieren, dass das verletzte Tier flüchten kann.

„Wie es für das Reh ausgeht, weiß man leider nicht“, bedauert die Tierretterin. „Bei unserer Nachsuche mit den Hunden haben wir das Reh leider nicht mehr gefunden“, berichtet auch der Jäger. Christine Schlicht weiß, dass die Tiere im Winter geschwächt sind, weil sie nicht viel zum Fressen finden. „Wenn ein Reh einen Kilometer von einem Hund gehetzt wird, kann das derzeit schon seinen Tod bedeuten.“

Bei dem Kampf mit dem Windhund hat sich die Frau die Schulter ausgerenkt. Sie hat starke Schmerzen. Die Polizei wird gerufen. Sie ermittelt anhand einer Telefonnummer die Besitzerin des Hundes, die ihr Tier in Empfang nimmt. Für die Arztkosten werde die Versicherung aufkommen, wird Christine Schlicht gesagt. Die Tierschützerin kann mit der ausgerenkten Schulter nicht mehr selbst mit dem Auto fahren. Eine zufällig vorbeikommende Passantin fährt sie mit Schlichts Wagen in die Kreisklinik Ebersberg, wo ihr unter Vollnarkose die Schulter wieder eingerenkt wird.

„Ich muss heute nochmal hin und auch morgen“, berichtet sie. Bis auf die ausgerenkte Schulter hat sie sich von der Aufregung wieder ganz gut erholt. „Man sollte dem Hund keinen Vorwurf machen“, zeigt sie sogar Verständnis für das Tier. Er habe eben getan, was ein Hund tut, wenn er nicht beaufsichtigt werde. Und an der Aufsicht über das Tier hat es offensichtlich gemangelt.

Von Michael Seeholzer

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