Herrchen klagt an

Golden Retriever tot: „Niemand wollte Timmy helfen“

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Timmys letzte qualvolle Stunden musste das Herrchen selbst miterleben.

Timmy, der Golden Retriever von Frank Reichenberger aus Erding war schwer krank. Sein Herrchen wollte ihn erlösen lassen und musste stundenlang dafür kämpfen. Von „In Frieden gehen lassen“ konnte keine Rede sein.

Erding - Die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag war die schlimmste seines Lebens — das sagt der Tierfreund Frank Reichenberger aus Erding. Noch immer falle es ihm schwer, über das Erlebte zu sprechen. „Ich wurde mit meinem sterbenden Hund vollkommen allein gelassen, niemand wollte kommen und mir helfen“, klagt der 47-Jährige an. Seinen Hund Timmy in dieser Nacht „krepieren zu sehen“ sei das Heftigste gewesen, was ihm jemals passiert ist. Er sieht gravierende Mängel der tierärztlichen Notfallversorgung.

Tierklinik schickte den Hund mit Arthrose im Endstadium wieder heim

Eine Erinnerung an die schöne Zeit: Fest drückt Frank Reichenberger seinen Hund und „besten Freund“ an sich.

Der Golden Retriever Timmy war schon länger schwer krank. „Er hatte Arthrose und Spondylose im Endstadium.“ Er konnte sich nicht mehr bewegen. Schon am Donnerstagmorgen fuhr Reichenberger mit Timmy in die Tierklinik nach Haar, um ihn „erlösen zu lassen“. Doch dort „pumpte man Timmy mit Morphium voll und schickte uns wieder heim“. Und das obwohl, so entrüstet sich der Erdinger, „ohnehin keine Chance mehr auf Heilung für Timmy bestand!“ Ruhe solle der Hund zu Hause finden, habe es in der Klinik geheißen. „So ein Quatsch, mein Hund hat daheim definitiv keine Ruhe mehr gefunden!“ Seine Augen seien schmerzerfüllt gewesen, „sein Blick sagte mir: bitte erlöse mich!“, erinnert sich Reichenberger.

Nicht länger habe er das Leid seines Hundes und gleichzeitig „besten Freundes“ mit ansehen können. „Ich habe mir viereinhalb Stunden die Finger wund telefoniert!“ Doch niemand kam!

Auch Tierrettung München konnte nicht kommen - keine Kapazitäten

Für die Münchner Tierrettung war Erding zu weit draußen. „Wir heißen ja schließlich Tierrettung für München“, erklärt die Gründerin des Vereins, Dr. Evelyne Menges, auf Anfrage. „Wir müssen für Notfälle in München da sein. Wir haben schlichtweg keine ausreichenden Kapazitäten, um auch die umliegenden Landkreise mit betreuen zu können“, so Dr. Menges. Reichenbergers Problematik sei ihr jedoch durchaus bekannt. Sie empfiehlt, gerade wenn man ein älteres oder sogar krankes Haustier hat, sich im Vorfeld mit seinem Haustierarzt abzusprechen und mögliche Notfallpraxen im Umkreis ausfindig zu machen.

Das nutzte Reichenberger allerdings auch nichts: „Ich habe weder den Notfallarzt noch meinen Tierarzt erreicht.“ So blieb ihm der Wunsch, Timmy in Ruhe daheim einschläfern zu lassen, verwehrt. „Ich habe den sterbenskranken Hund also ins Auto gehievt und fuhr 45 Minuten nach Haar in die Tierklinik.“ Um 5.30 Uhr habe Timmy dann endlich die erlösende Spritze bekommen. Für den Erdinger steht jedenfalls fest: „Es muss für jede Region einen festen Tier-Notdienst geben, der dann auch kommt!“ Keinem anderen Tierbesitzer solle so das Herz bluten müssen wie ihm in dieser Nacht. 

Tanja Buchka

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