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Grünwalder Rathaus von Schlupfloch alarmiert: Millionäre bauen sich unterirdische Luxus-Katakomben

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Von: Marc Schreib

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Ortschild von Grünwald
Die Gemeinde Grünwald hat den Auswüchsen beim Hausbau jetzt einen Riegel vorgeschoben und den Bebauungsplan geändert. © Marcus Schlaf

Ein Kino, ein Wellness-Spa oder gar ein Golfplatz im Keller? Bauherren in Grünwald nutzen ein rechtliches Schlupfloch und haben ihre Keller großzügig ausgebaut. Der Gemeinderat reagiert.

Grünwald – Im wahrsten Sinne des Wortes unterirdische Auswüchse haben zuletzt im Grünwalder Norden die Neubauten auf den großen Arealen angenommen. Genauer die Nebenanlagen. Manche Grundstücke wurden offenbar fast vollständig unterkellert. Der Gemeinderat hat diesem modernen Katakombenbau jetzt einen Riegel vorgeschoben, in dem der Bebauungsplan B 35 geändert wurde. Thomas Lindbüchl (CSU): „Wir heißen Grünwald, bleiben es aber nicht, wenn wir so weiter machen. Denn kein Baum wächst auf einem Meter Humus über einer Tiefgarage.“

Regelrechte Maulwurfsbauten

Wellness-, Spa- und Hobbybereiche sowie Fitnessräume und Weinkeller unter der Erde? Die Bauträger seien in manchen Fällen rigoros vorgegangen und schufen offenbar regelrechte Maulwurfsbauten bei einer Erdüberdeckung von 80 Zentimetern bis zu einem Meter. In der Bauaufsichtsbehörde hörte Stefan Rothörl: „Das ist mal wieder ein Grünwalder Weg.“ Nein, so konnte es nicht weitergehen. Rothörl: „Wenn ich auf einem Grundstück alles haben will, einen Golfabschlagplatz unter der Geländeoberfläche, einen Schießstand, ein Kino und eine Kellerbar, ist das zu viel. Wir sehen solche Pläne jeden Tag und müssen sie beurteilen.“ Sie werden nur nicht dem Bauausschuss vorgelegt, weil die Verwaltung schon vorher einschreitet.

Unterirdische Bauten trotz Einschränkung möglich

Jetzt braucht es für dieses Einschreiten Rechtssicherheit. In zwei nicht öffentlichen Sitzungen hat der Planungsausschuss beraten. Es geht um den Bebauungsplan, der für das gesamte Gemeindegebiet gilt, hier speziell um die Nebenanlagen. Bauamtsleiter Rothörl plädierte für eine bundeseinheitliche Regelung. Darin werden 50 Prozent der zulässigen Grundfläche für Nebenanlagen verwendet. Gerade die größeren Grundstücke in Geiselgasteig haben lange Erschließungswege bis zum Haus. Deshalb will die Gemeinde sich auch weiterhin großzügig zeigen und noch einmal 20 Prozent der Fläche draufpacken – unter der Bedingung, dass das Wasser an diesen Stellen versickern kann. Alles in allem können also 70 Prozent der zulässigen Grundflächen mit Nebenanlagen abgebildet werden. Wenn ein Immobilienbesitzer unterirdische Bauten plant, dann ist das laut Bauamtsleiter auch künftig gut möglich.

Kritik: Tiefgaragenbau wird erschwert

Helmut Kraus (PBG) wollte diese Ansicht nicht teilen. Er erwartet sich von der Verwaltung mehr Differenzierung. Auf der einen Seite müssten übertriebene Bauten mit einem wohnungsähnlichen Charakter verhindert werden. Nur leider komme jetzt als Nebeneffekt hinzu, dass der Tiefgaragenbau erschwert werde: „Seit 30 Jahren befreien wir Tiefgaragen, wenn sie mindestens einen Meter Erdüberdeckung haben.“ Kraus hält diese Regelung für sinnvoll und will sie aufrecht erhalten. Die jetzige Beschlussvorlage ist für ihn ein Rückschritt und ein Rückfall in der Ortsentwicklung, er gab dazu eine Protokollerklärung ab.

Statik an Hangbereichen betroffen

Die Argumente konterte die Bauverwaltung mit massiven Spannungen. Nicht um die Tiefgaragen habe man gerungen, sondern es gehe um die Auswüchse, die den Ort nachteilig geprägt haben. Die Probleme habe man auf dem Gebiet der Ökologie und dem Naturschutz an vielen Stellen. Auch die Statik in Hangbereichen sei betroffen, wenn alles abgegraben wird. Nachbarn treten auf den Plan, kommen ins Rathaus, schreiben Beschwerdebriefe. Handeln sei notwendig.

Das findet auch Gemeinderätin Ingrid Reinhart-Maier (Grüne). Bei ihr spielt der Umweltgedanke schon immer eine größere Rolle. Sie hat es selbst erlebt bei sich in der Gegend, dass Grundstücke ausgebaggert werden. „Da bleibt kein Grashalm mehr stehen.“ Tiefgaragen würden gebaut, und keiner fahre hinunter. Ein Unding. Der Gemeinderat stimmte mit 17:3 Stimmen für eine Änderung des Bebauungsplanes.

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