Golfplatzdieb wird eingelocht

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Die Diebe haben Autoschlüssel aus Golfbags geklaut (Symbolbild)

Egmating – Das Trio klaute wie die Raben: Zuerst die Autoschlüssel aus den Golfbags, dann die dazugehörigen Luxuskarossen, unter anderem einen 100 000-Euro-Mercedes in Egmating. Einer der drei Täter fährt jetzt für drei Jahre ein - ins Gefängnis.

Als vermeintliche Golffans tauchten drei Tschechen nicht nur in Egmating, sondern im Juni letzten Jahres auf Plätzen in Erlangen, Eichenried und Bad Griesbach auf. Im Visier hatten sie allerdings nicht die kleinen Bälle, sondern hochpreisige Luxuskarossen: Von den Parkplätzen der Golfanlagen verschwanden insgesamt fünf Fahrzeuge im Gesamtwert von über 250 000 Euro. Ein Mitglied der Bande, der 25-jährige tschechische Gelegenheitsarbeiter Jaroslav S. hatte sich jetzt vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Landshut wegen schweren Bandendiebstahls zu verantworten. Für seine beiden Mittäter, die er nach seiner Festnahme namhaft machte, läuft noch ein Auslieferungsantrag.

Das Trio hatte in Egmating zugeschlagen und da hatte ihnen der Zufall das teuerste Fahrzeug „beschert“: Mehrere Golfschüler hatten die Schlüssel für ihre Autos auf einem Tisch abgelegt. Der, den sich das Trio schnappte, passte zu einem Daimler Benz CLS 63 AMG, einem 500-PS-Boliden, dessen Neupreis erheblich über 100 000 Euro liegt.

Nach der von Staatsanwalt Dr. Klaus Ruhland vertretenen Anklage hatte sich das Trio im Juni 2009 zusammengeschlossen, um mit gestohlenen hochpreisigen Autos den Lebensunterhalt zu finanzieren. Eine entsprechende „Auswahl“ fand das Trio auf den Parkplätzen von Golfanlagen, wo es ihnen auch nicht schwer gemacht wurde, an die Originalschlüssel der Luxuskarossen zu kommen: Stieg der Fahrzeuglenker aus, folgte man ihm auf die Anlage, um dann in einem passenden Moment die Fahrzeugschlüssel entweder aus der Umkleidekabine oder aus den Golfbag zu klauen. Danach ging es mit Vollgas ab nach Tschechien, wo die Fahrzeuge reißenden Absatz fanden.

Der Auftakt der Diebstahlsserie im Kleinsendelbach bei Erlangen allerdings misslang: Dort hatte man es auf einen Audi S 4 abgesehen. Jaroslav S. folgte als „Frontkämpfer” des Trios - wie ihn später Strafrichter Christian Lederhofer einstufte - der Besitzerin auf die Anlage, entwendete aus ihrem Golfbag den Schlüssel. Da sie allerdings den Diebstahl sofort bemerkte und auf den Parkplatz zurücklief, nahm das Trio sofort Reißaus. Allerdings kehrten die Tschechen alsbald auf die Anlage zurück und waren im zweiten Anlauf erfolgreich: In einem Golfbag fand der 25-Jährige die Schlüssel zu einem Daimler Benz R 320 CDI, der noch einen Zeitwert von rund 35 000 Euro hatte und einen tschechischen Abnehmer fand. Schon zwei Tage nach diesem Coup tauchte das Trio auf der Anlage in Eichenried/Moosinning auf. Mit der Masche, unbeaufsichtigt abgestellte Golfbags zu „filzen“, waren sie auch diesmal erfolgreich: Ein Schlüssel passte zu einem 70 000 Euro teuren Audi S 5, der umgehend in die Tschechei gebracht wurde. Ebenfalls vom Parkplatz der Eichenrieder Anlage verschwand am 1. Juli ein BMW X 5 im Wert von 63 000 Euro. Auch für den hatte man den Schlüssel in einem Golfbag gefunden. Die Diebstahlsserie endete dann am 28. August in Bad Griesbach, wo man zwar auf dem dortigen Golfplatz noch einen Porsche Cayenne erbeutete und damit auch noch nach Tschechien gelangte. Aufgrund der Fahndungsmaßnahmen konnte das Fahrzeug allerdings wenige Tage später von der Polizei sichergestellt und Jaroslav S. festgenommen werden. Er legte ein Geständnis ab und ließ auch seine beiden Mittäter auffliegen. Rund 1600 Euro habe er pro verkaufter Luxuskarosse erhalten. Straferschwerend sei dagegen natürlich der hohe Schaden, den die Bande angerichtet habe, ins Gewicht gefallen.

Von Walter Schöttl

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