Das Sterben der Bahnhofskultur  

Was die Deutsche Bahn für einen Kiosk fordert: „Ein Fass ohne Boden“

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Noch zu, aber bald wieder auf: Der Bahnhofskiosk in Markt Schwaben. 

Es ist das Sterben der Bahnhofskioske! Ein Grund könnte die hohe Pacht sein, vermutet ein Geschäftsmann aus dem Landkreis Ebersberg. Er habe sich ein Angebot der Bahn angeschaut. 

Den Bahnhofskiosken im Landkreis Ebersberg weht ein kalter Wind entgegen. Nachdem im September der Laden im Bahngebäude in Grafing-Bahnhof dicht machte, hat es nun auch den Kiosk am Bahnhof in Markt Schwaben getroffen.

Ronny Albrecht betreibt ein Café und einen Kiosk am Bahnhof in Grafing Stadt. Der 36-Jährige ist überzeugt, dass die Bahn eine zu hohe Pacht verlangt und deshalb Mieter abschreckt. „Es ist ein Fass ohne Boden“, sagt Albrecht. Er selber hat mit seinem Geschäft keinen Franchise-Vertrag mit der Deutschen Bahn. Sein Laden ist privat vermietet. Nur deshalb klappe es, weil „die Miete bezahlbar ist“.

Ronny Albrecht führt das Stadtcafé am Bahnhof in Grafing Stadt. Er sagt, er weiß, was die Bahn vor Jahren an Pacht verlangt habe. 

Albrecht hatte bereits vor Jahren Interesse an dem Laden in dem Bahngebäude in Grafing-Bahnhof und wollte ihn übernehmen. „Ich habe mir das Angebot der Deutschen Bahn angeschaut“, sagt er unserer Zeitung. Über das Angebot habe er nur den Kopf schütteln können. Der Mietpreis und die Auflagen, die die Bahn stelle, seien „unmöglich“.

17 000 Euro + 6000 Euro + 1000 Euro + ...

Albrecht sagt, dass die Pacht 6000 Euro betrage, 1000 Euro müsse als Franchise-Gebühr abgeführt werden – alles im Monat. Zehn Prozent des Umsatzes müssten außerdem an die Bahn abgegeben werden, die wiederum zu 80 Prozent die Preise und Öffnungszeiten des Ladens festlegen würde. Außerdem hätte Albrecht eine Einstiegsgebühr von gut 17 000 Euro und einen Mietvertrag von über neun Jahren akzeptieren müssen.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn teilt mit, dass die Bahn zur Höhe der Pacht keine Stellungnahme abgeben werde. Dennoch spielt Geld bei der Zukunft des Kiosks in Grafing-Bahnhof dem Anschein nach eine Rolle. Albrecht vermutet, dass dem Dienstleister aus Hamburg, der den Kiosk in Grafing-Bahnhof seit 2015 als sogenannten DB-Service-Store betrieben hat, zu viel geworden sei. Trotz mehrmaliger Anfragen hat sich das Hamburger Unternehmen dazu nicht dazu geäußert.

Bahn will zum Geld nichts sagen: Die Pacht sei aber verhandelbar

Das Unternehmen hat das Mietverhältnis mit der Deutschen Bahn gekündigt, bestätigt ein Bahn-Sprecher. Auch die Bahn hält sich bedeckt, warum es zu dem Bruch kam. Dass es um die Pacht geht, wollte ein Bahn-Sprecher weder bestätigen noch dementieren. Nur so viel: „Sollte in Zukunft kein neuer Pächter gefunden werden, ist der Pachtpreis verhandelbar.“ Wenn die Bahn das Angebot anpasst, überlegt sich Ronny Albrecht erneut, sich um den Laden in Grafing-Bahnhof zu bewerben.

Ist verwaist: Der Bahnhofskiosk in Grafing-Bahnhof ist seit geraumer Zeit geschlossen. Er soll zwar laut Bahn wieder öffnen, nur findet sich kein Mieter.

Nach Recherchen der Ebersberger Zeitung im August war seitdem bekannt, dass der Kiosk in Grafing-Bahnhof Ende September schließt (wir berichteten). Seit Oktober fehlt die gesamte Einrichtung in dem Laden, in dem es ebenfalls einen Ticketschalter der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) gab. Der ist jedoch auch seit 29. September geschlossen und bleibt es „bis auf Weiteres“, wie Christopher Raabe, Sprecher der BOB mitteilt. Grund soll sein, dass „der DB-Service Store geschlossen ist und im Bahnhofsgebäude Veränderungen vorgenommen werden“. Man prüfe, ob die Verkaufsstelle der BOB vielleicht an anderer Stelle wieder eröffnet werde, sagt Raabe.

Kein Mieter für Grafing-Bahnhof

Dass der Ticket-Schalter, der als „Shop-in-Shop“ betrieben wurde, zu hat, überrascht die Deutsche Bahn. Ein Sprecher teilt mit, dass der Vertrag mit der Bayerischen Oberlandbahn „nicht gekündigt“ sei, dass der Laden geschlossen ist, sei neu. Eigentlich möchte die Bahn in Grafing-Bahnhof wieder einen Kiosk haben. Bisher habe sich dafür noch kein Pächter gefunden, der den Laden übernehmen möchte, heißt es von der Bahn.

Kiosk in Markt Schwaben eröffnet wieder

Anders übrigens beim Kiosk in Markt Schwaben. Der soll schon bald wieder eröffnen. Laut eines Bahnsprechers habe es lediglich „einen Betreiberwechsel“ gegeben. Der Schritt überrascht die Kunden dennoch. Viele haben erst in den letzten Tagen davon erfahren, als sie ein Schild an der Tür gelesen haben. Darauf stand, dass das 18-jährige Miteinander nun ein Ende habe. Das Unternehmen, das den Laden führt, habe weiterhin einen Vertrag mit der Bahn und soll bereits einen neuen Betreiber haben. Ab kommender Woche soll der Kiosk nach Umbau neu eröffnen, sagt ein Bahnsprecher. Fahrkarten sollen ab 1. Dezember verkauft werden.

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