Prozess gegen Grafinger Todesfahrer

Eltern von Slobo († 17) wollen die Wahrheit wissen

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„Wir haben unseren Engel verloren“: Bianca und Sretko D. mit einem T-Shirt, das ihren Slobo zeigt. Sie haben es all seinen Freunden geschenkt.

Grafing - Der Grafinger, der den 17-jährigen Slobodan D. totgefahren hat, ist am Dienstag zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Seine Eltern haben nur einen Wunsch: Sie wollen endlich wissen, was in jener Nacht genau passiert ist.

Ihr geliebter Slobo († 17) wurde einfach aus ihrer Mitte gerissen – totgefahren von einem Bekannten, mit dem er Stunden vorher noch gefeiert hatte (tz berichtete)! Traurig sitzen die Eltern Sretko (47) und Bianca D. (44) vor einem Bild ihres Sohnes. „Er war unser Engel auf Erden“, sagen sie unter Tränen. Gestern begann vor dem Amtsgericht Ebersberg der Prozess gegen den Todesfahrer Christian K. (19, Name geändert): Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung, fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und vorsätzliche Trunkenheit vor.

Slobos Sterbebild (o.) – zur Trauerfeier kamen viele Freunde.

Es ist ein schwerer Tag im Leben von Slobos Eltern, als sie als Nebenkläger den brechend vollen Gerichtssaal betreten: „Wir haben keinen Hass in uns – wir wollen nur wissen, wie es genau passiert ist“, sagen sie gegenüber der Ebersberger Zeitung. Freunde begleiten Sretko und Bianca D., um ihnen Halt zu geben. Dann der erste Paukenschlag: Reumütig räumt der Angeklagte die Vorwürfe ein – sagt aber: „Ich habe geglaubt, ein Tier oder ein Straßenschild angefahren zu haben.“ Wie ein Schulbub sitzt er auf der Anklagebank. Mit fünf Freunden (zwischen 17 und 20 Jahren) im Auto soll er am 18. Oktober nachts angetrunken von der Party Richtung Grafing gefahren sein – nur rund 500 Meter weit ging Slobo entlang Verbindungsstraße zwischen Aiterndorf und Unterelkofen. In einem dunklen Waldstück übersah ihn Christian K. und fuhr ihn an. Bitter: Auch der Todesfahrer war kurz zuvor noch auf der Party, die Slobo besuchte. Beide kannten sich flüchtig. In Panik raste K. davon – und ließ sein schwerstverletztes Opfer einfach im Stich.

Richterin: "Das ist eine absolute Schweinerei, was da gelaufen ist"

Vor Gericht sagt eine Zeugin über den Angeklagten: „Er hat ein bisschen gelallt.“ Im Tatauto fuhr angeblich eine Person unbemerkt im Kofferraum mit. Bei ihrer Aussage tritt die junge Frau verängstigt auf und berichtet, dass Bekannte des Todesfahrers sie im Vorfeld des Prozesses bedroht haben. Weitere Aussagen wirken in den Augen von Richterin Susanne Strubl wenig glaubhaft – mit strenger Stimme äußert die Vorsitzende die Vermutung, dass Absprachen getroffen wurden, „um einzelne rauszuhalten“. Gegenüber einer anderen Zeugin wird Strubl deutlich: „Das ist eine absolute Schweinerei, was da gelaufen ist. Das ist hier kein Kindergarten.“ Und: „Ich habe die Schnauze voll, hier angelogen zu werden.“

Todesfahrer hatte 1,2 Promille im Blut und Speed genommen

Wenig später wird es schmerzhaft für Slobos Eltern: Mit gegrämten Gesichtern hören sie zu, wie eine Gutachterin die tödlichen Verletzungen ihres Sohnes erklärt: neun gebrochene Rippen, gebrochener Brustwirbel, massive Schädelverletzungen. Die Ärzte im Klinikum Bogenhausen konnten Slobo nicht retten – wenige Stunden, nachdem er eingeliefert wurde, stirbt er.

Ein schrecklicher Unfall hat Slobodan aus dem Leben gerissen.

Ans Tageslicht kommt auch: Christian K. hatte 1,2 Promille und die Droge Speed im Blut, als er den Unglückswagen steuerte. Slobos Eltern tragen diese Nachricht mit Fassung. „Wir haben unseren Engel verloren“, sagten sie vor dem Prozess. Das Verfahren kann Bianca und Sretko D. ihren geliebten Sohn nicht zurückbringen – hoffentlich aber die ganze Wahrheit über die UnfallNacht. Das Urteil gegen Todesfahrer Christian K. war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht gesprochen.

Michael Seeholzer

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