Grafinger Postamt fliegt in die Luft

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Feuerwehrmänner vor dem von der Explosion zerstören Grafinger Postamt.

Grafing - Vor 45 Jahren, am 17. Mai 1967, ist das Grafinger Postamt in der Bahnhofstraße in die Luft geflogen. Es gab eine Tote und mehrere schwer verletzte Personen. Bäckermeister Franz Bauer aus Grafing-Bahnhof, der damals als einer der ersten am Unfallort war, erinnert sich genau.

Bäckermeister Franz Bauer aus Grafing-Bahnhof

Um 7 Uhr belieferte Franz Bauer das damalige Lebensmittelgeschäft von Josef Pauker in der Bahnhofstraße mit frischem Brot. Plötzlich hörte er einen furchtbaren Knall, der die Luft erzittern ließ. Eine riesige Staubwolke zog vom nahen Postamt in Richtung Oberanger. „Ich fuhr sofort mit meinem Auto zum Unfallort und stand vor einem Bild des Grauens“ erzählt Bauer. „Eine Explosion hatte den ganzen hinteren Teil des Postamtes zum Einsturz gebracht. Aus den Trümmern hörte ich Hilfe-Schreie. Ich stieg in den Trümmerhaufen und richtete ein umgestürztes Regal auf, unter dem ein Kopf hervorschaute. Sofort erkannte ich, dass schnellste Hilfe notwendig war, die ich aber allein nicht leisten konnte. Ich rannte zur angrenzenden Zimmerei Max Rottenfußer und veranlasste, dass eine Wagenwinde zum Einsatz kam. Damit konnte der eingeklemmte Mitarbeiter aus seiner aussichtslosen Lage unter einem Betonbrocken befreit werden.“

Das Postamt heute

Als Bauer wieder zum Unglücksort zurückkam, lief ihm aus dem Torbogen ein total verstörter und schreiender Mann entgegen. Es war ein Münchner Betriebsmitarbeiter des Fernmeldeamtes, er hatte Verbrennungen im Gesicht und am gesamten Körper bis hinunter zu den Füßen. Durch ein Nylonhemd hatte sich die Hitze in seine Haut eingesaugt. „Diese Bilder werde ich ein Leben lang nicht vergessen“, erzählt Franz Bauer. Er setzte den Schwerverletzten sofort in sein Auto und fuhr mit Vollgas und Dauerhupe ins Krankenhaus Ebersberg, es war um 7.30 Uhr. Dort herrschte bereits Chaos, da durch die Explosion des Fernmeldeamts im Postgebäude kein Telefon mehr funktionierte. Da noch kein Arzt anwesend war, wurden Chefarzt Brilmayer und andere Ärzte von zu Hause abgeholt. Zug um Zug kamen weitere Verletzte im Krakenhaus an. Eine Gastarbeiterin konnte nur noch tot aus dem Postgebäude geborgen werden.

Die Ursache der Explosion? Später stellte sich heraus, dass eine defekte Leitung in der Nähe des Bahnübergangs Gas austreten ließ und das Gas über den Schacht in das Gebäude einströmte. Als sich der Mann, den Franz Bauer später ins Krankenhaus brachte, eine Zigarette anzündete, kam es zur Explosion.

Otto Hartl

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