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Raubgräber plündern uralten Grabhügel - Behörde spricht von „krimineller Energie“

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Von: Andreas Daschner

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Siedlungsreste, Turmhügel oder Grabfelder: Bodendenkmäler erzählen viel von der Geschichte der Menschheit. Doch manchmal können sie das nicht mehr, wenn Raubgräber am Werk waren – wie zum Beispiel in Grafrath.

Grafrath – Dass an einem Waldrand südlich von Grafrath ein Gräberfeld liegt, ist kein Geheimnis. Es ist eines von vielen bekannten Bodendenkmälern rund um die Gemeinde. Erste Erkenntnisse über die Anlage gehen zurück bis ins 19. Jahrhundert. Silke Wapenhensch, Sprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege, sagt: „Hinweise auf archäologische Funde finden sich schon beim Kunstmaler Julius Naue.“

Naue war auch archäologisch tätig und veröffentlichte 1887 eine Dissertation mit dem Titel „Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee“. Das Gräberfeld datiert vermutlich aus der Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus – es stammt also aus der Bronzezeit. „Die teilweise jüngeren Nachbestattungen gehen wahrscheinlich in die Hallstattzeit zurück“, sagt Wapenhensch. Diese vorrömische Eisenzeit wird auf die Jahre zwischen 800 und 450 vor Christus datiert.

Rund 4000 Jahre lagen die Gräber unberührt im Boden. Das änderte sich vor etwa vier Jahren. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben sogenannte Raubgräber damals das Bodendenkmal geplündert. „Ein Mitarbeiter des Landesamtes ist zufällig auf das Loch im Boden aufmerksam geworden, das die Raubgräber hinterlassen haben“, sagt Wapenhensch.

Diebe plündern uralten Grabhügel in Grafrath: Eindeutig kriminelle Energie

Was konkret die Raubgräber dort illegal ausgebuddelt haben, kann die Expertin nur vermuten: „Das Landesamt hat keine Kenntnis über die Funde.“ Sehr wahrscheinlich aber waren es Gegenstände, die als antike Hehlerware zu Geld gemacht werden sollen. Das ist regelmäßig ein Hauptmotiv für Raubgräber. Zwar kommt es manchmal auch vor, dass jemand archäologische Funde mitnimmt, ohne zu wissen, um was es sich handelt – und so unabsichtlich ein Bodendenkmal plündert. „Im Grafrather Fall geht das Landesamt aber davon aus, dass der oder die Täter bewusst und mit eindeutiger krimineller Energie vorgegangen sind“, sagt die Sprecherin der Denkmalbehörde.

Zerstörung der Zusammenhänge nach Plünderung von Grabhügel in Grafrath

Neben der Unterschlagung der Funde bringen Raubgrabungen für Archäologen und Bodendenkmalpfleger ein weiteres Problem mit sich: die Zerstörung der gesamten Zusammenhänge. „Niemand wird mehr sagen können, wann und für wen der geplünderte Grabhügel angelegt wurde“, so Wapenhensch. Aus dem Zusammenhang gerissene Funde und solche ohne Angabe des Fundorts seien wissenschaftlich weitgehend wertlos.

Archäologen hätten deshalb das Gräberfeld nicht freigelegt. „Bodendenkmäler unversehrt zu erhalten und vor Zerstörung zu bewahren, ist Auftrag und oberstes Ziel der Bodendenkmalpflege“, sagt Wapenhensch. Das Gräberfeld wäre im Boden erhalten worden. Deshalb ist es auch per Gesetz verboten, auf Flächen zu graben, auf denen sich ein Bodendenkmal befindet oder ein solches vermutet wird.

Und nicht zuletzt haben die Grabräuber einen Diebstahl begangen. Die derzeit in Bayern gültige Regelung überlässt dem Finder eines archäologischen Gegenstandes zwar einen 50-prozentigen Eigentumsanspruch. Die restlichen 50 Prozent stehen jedoch dem Eigentümer des Grundstücks zu – und die werden bei illegalen Grabungen unterschlagen.

Zahlreiche Bodendenkmäler im Gebiet um Grafrath -gutes Pflaster für Archäologen

In der Gegend um Grafrath sind zahlreiche Bodendenkmäler bekannt. „Besonders prominent sind beispielsweise mehrere ausgedehnte Grabhügelfelder und der Schlossberg in Wildenroth“, sagt Silke Wapenhensch vom Landesamt für Denkmalpflege. Auf dem Schlossberg befindet sich außerdem ein sogenannter Burgstall. An dieser Stelle soll der Sage nach die Rassoburg gestanden haben, in der der Namensgeber von Grafrath, der heilige Graf Rasso, residierte. 

Heute sind sich die Historiker aber weitgehend einig, dass es sich bei dem Burgstall auf dem Schlossberg nicht um die Burg des Ortsheiligen handelte, sondern dass dort die Überreste irgendeiner anderen befestigten Anlage erhalten geblieben sind. Gleichwohl wird im Volksmund immer noch vom Burgstall der Rassoburg gesprochen. Sie ist nur eines von insgesamt 15 Bodendenkmälern rund um die Gemeinde, die die bayerische Denkmalbehörde auflistet. Unter anderem finden sich in der Gegend auch Reste einer Siedlung des Endneolithikums und der frühen Bronzezeit, Körpergräber aus dem frühen Mittelalter und Gräber aus vorgeschichtlicher Zeit, also dem ältesten Abschnitt der menschlichen Historie.

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