226 Kräfte waren im Einsatz - Schäden noch nicht absehbar

Unwetter: Urlaubsgäste per Helikopter evakuiert - K-Fall gilt vier Stunden - Klamm öffnet am Sonntag

Zu einem reißenden Fluss wurde der Hammersbach in der Nacht auf Sonntag. 
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Zu einem reißenden Fluss wurde der Hammersbach in der Nacht auf Sonntag. 

Einen Großeinsatz für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei hat am Samstagabend ein Unwetter in Grainau ausgelöst. Am Sonntagvormittag wurde der K-Fall ausgerufen. Die Gäste der Höllentalangerhütte wurden per Helikopter evakuiert. 

  • Ein schweres Unwetter zog in der Nacht auf Sonntag (14. Juni) über den Landkreis Garmisch-Partenkirchen hinweg.
  • In Grainau kam es zu einem Hochwasser-Ereignis. Im Zuge des Wetter-Geschehens wurde der Katastrophenfall ausgerufen.
  • Gegen 22.30 Uhr am Samstag (13. Juni) mussten über 200 Menschen evakuiert werden.


Update Freitag, 15.15 Uhr: Gute Nachrichten für Wanderer haben die Alpenvereinssektionen München und Garmisch-Partenkirchen: Die Höllentalklamm öffnet an diesem Sonntag. Der Weg von der Höllentalangerhütte zum Hupfleitenjoch ist bereits, wie berichtet, ab diesem Samstag wieder begehbar. Nach dem Unwetter gesperrt bleibt jedoch der Stangensteig. Ausdrücklich weist der DAV darauf hin, dass der Weg unpassierbar ist, auch lässt sich der Hammersbach am Ende des Steiges nicht überqueren. Es besteht akute Lebensgefahr. Bis der Steig und der Weg repariert sind, dauert es wohl noch mindestens 14 Tage.

Update 20.55 Uhr: Die Höllentalklamm selbst bleibt gesperrt. Da Wege, Sicherungsseile und Geländer beschädigt seien und weitere Muren abgehen können, besteht laut Alpenverein Lebensgefahr.

Update Sonntag, 19 Uhr: Grainau – Was für ein langes Wochenende: Freitag und Samstag Ausflügler-Programm, Sonne pur, Temperaturen von mehr als 25 Grad. Dann der Umschwung: Unwetterwarnung, Starkregen. Alles gipfelte in einem Katastrophenfall, den Landrat Anton Speer am Sonntagvormittag um 10.20 Uhr für die Gemeinde Grainau ausrief. Zunächst uferte der Hammersbach aus, der Ortsteil wurde in der Nacht auf Sonntag evakuiert, am Mittag folgte eine Rettungsaktion für mehr als 60 Menschen, die in der Höllentalangerhütte von der Umwelt abgeschnitten waren. Drei Tage, die verschiedener kaum hätten ablaufen können.

Klemens Reindl sprach es recht gelassen aus, was sich möglicherweise viele Menschen in der Region denken. „Es ist mal wieder Pfingsten, und das Wetter spielt in guter Tradition ein bisschen verrückt.“ Der Kreischef des Roten Kreuzes, der die Einsatzleitung im Fall Grainau übernahm, konnte es sich erlauben, vor der Presse am Sonntagnachmittag im Kurhaus ein paar lockere Sprüche aufzutischen. Denn: Der Einsatz, der am Samstag gegen 22 Uhr mit der ersten Alarmierung begonnen hatte, ging reibungslos über die Bühne. „Die Zusammenarbeit hat perfekt funktioniert“, betont Reindl. Und – das Wichtigste: Es gab keine Verletzten.

Per Hubschrauber werden am Sonntagnachmittag die Gäste der Höllentalangerhütte evakuiert. Zu Fuß ist die Hütte nicht mehr erreichbar. 

Katastrophenfall ausgelöst - Landrat Speer: „Es ging um Leib und Leben“

Vielleicht genau deshalb, weil der Landrat noch während eines Krisengesprächs am Morgen den Katastrophenfall ausgerufen hatte und sofort eine große Rettungsaktion anlief. „Es ging um Leib und Leben“, begründet Speer den Schritt. 65 Menschen inklusive des Hüttenpersonals saßen auf der Höllentalangerhütte in fast 1400 Metern fest. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich die Personen selbstständig auf den Weg gemacht hätten.“ 

Denn: Die Unterkunft ist derzeit auf dem Landweg von der Umwelt abgeschnitten. Das stellte die Bergwacht Grainau früh am Morgen sehr schnell fest. „Wir sind um 6 Uhr alarmiert worden, sollten die Wege und Straßen erkunden“, sagt Willi Kraus, Leiter der Bereitschaft. „Die Wege und Gräben waren komplett ausgespült, die Brücken alle weg.“ Das hatte Hüttenwirt Thomas Auer bereits am Vorabend vom oberen Ende ins Tal gemeldet. D

ie Klamm und auch der Weg nach Hammersbach waren somit nicht mehr passierbar. Vor allem nicht mehr für Kinder, die ebenfalls mit ihren Eltern festsaßen. Daher blieb den Rettungskräften nur der Luftweg. Bereits am Vormittag stellten die Verantwortlichen eine überregionale Anfrage. Hilfe kam schließlich in Form eines Hubschraubers der Landespolizei aus Kempten sowie durch einen Super-Puma der Bundespolizei, der in Oberschleißheim stationiert ist.

Evakuierung der Höllentalangerhütte: 61 Menschen werden ins Tal geflogen

Gegen 11 Uhr lief der Einsatz Hütten-Evakuierung an. Im Feld vor Hammersbach hatten die Helfer den Landeplatz eingerichtet. „In knapp zwei Stunden konnten wir 61 Personen sicher ins Tal bringen“, betont Kraus. Lediglich das Hüttenpersonal blieb oben. Ein Team der Bergwacht koordinierte an der Hütte den Ablauf, unten nahmen die Helfer die Wanderer und Bergsteiger in Empfang, brachten sie ins Kurhaus, wo sie verpflegt und dann zu ihren Pkw gebracht wurden. Ein Ende ohne Schrecken. „Die Leute waren froh über einen kostenlosen Hubschrauberflug, aber auch, dass sie ihrem Gefängnis entkommen waren“, bilanziert Reindl.

Nicht ganz so glimpflich verlief das Hochwasser am Hammersbach für einige Grainauer. Nach dem Notruf gegen 22 Uhr am Samstagabend kamen Feuerwehr und Polizei vor Ort schnell zu der Erkenntnis: Hammersbach muss evakuiert werden. „Die Gefahr war einfach zu groß, dass von oben aus der Klamm noch mehr kommt“, begründet Bürgermeister Stephan Märkl. Ab 23.30 Uhr machten sich die Hilfskräfte an die Mammutaufgabe, 266 Einwohner und Gäste des Hotels in Sicherheit zu bringen. „Das ging nur über Sturmklingeln“, sagt Märkl. Die Bewohner wurden ins Kurhaus gebracht, wo das BRK in kurzer Zeit ein Lager mit 140 Feldbetten aufgebaut hatte. Einige wenige weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen. Da musste die Polizei einschreiten. Um 3 Uhr morgens entschied die Einsatzleitung, die Menschen müssten im Kurhaus übernachten.

Hammersbach tritt über die Ufer - Wasser verursacht Schäden an Häusern

Der Wildbach uferte tatsächlich unmittelbar oberhalb der Kapelle in Hammersbach aus, das Wasser lief über die Straße ins Dorf. Die größten Schäden aber richtete der Bach in der Degernau unterhalb an. „Dort drang das Wasser in die Häuser ein“, sagt Josef Keller, Kommandant der Feuerwehr Grainau. Da halfen auch 600 Sandsäcke nichts mehr, die die Rettungskräfte vorsorglich antransportiert hatten. Am Ofenlainweg, an der Wankstraße und an der Degernau waren die Anwohner am Sonntag dann bereits mit den ersten Aufräumarbeiten beschäftigt. „Insgesamt waren 120 Feuerwehrkräfte aus Grainau, Garmisch und Partenkirchen 16 Stunden lang im Einsatz, um Schlimmeres zu verhindern“, fasst Keller zusammen.

Bereits am Nachmittag hob Landrat Speer den Katastrophenfall auf: Exakt um 14.39 Uhr. 226 Hilfskräfte aller möglichen Organisationen hatten sich beteiligt. „Das war sicher einer der kürzesten Katastrophenfälle aller Zeiten“, mutmaßt Speer. Um die überregionale Hilfe zu bekommen, sei er aber notwendig gewesen.

Die Folgen werden die Grainauer noch einige Tage, wenn nicht Wochen beschäftigen. Wohl immer mit bangem Blick gen Himmel: Weiterer Regen und Unwetter sind angekündigt, die gesamte Woche soll eher ungemütlich und nass werden.

Update Sonntag, 15 Uhr: Der Katastrophenfall im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist aufgehoben. 266 Anwohner und Touristen waren insgesamt im Ortsteil Hammersbach evakuiert worden. Für sie standen 140 Feldbetten bereit. 226 Kräfte waren wegen des Unwetters im Einsatz. Der Deutsche Wetterdienst warnt indessen vor weiteren Unwettern in Bayern.

Update Sonntag, 14.10 Uhr: Die Evakuierung der Höllentalangerhütte per Helikopter - im Einsatz sind eine Maschine der Bundespolizei und eine der Polizeihubschrauberstaffel Bayern - ist gut verlaufen. Nach etwa zweieinhalb Stunden sind alle 61 Gäste sicher im Tal angekommen. Nur die Belegschaft der Hütte blieb am Berg. 

Seit 14 Uhr besprechen die Einsatzkräfte und die Mitarbeiter des Katastrophenschutzes im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen das weitere Vorgehen. 

Update Sonntag, 11.30 Uhr: Landrat Anton Speer hat nach dem Unwetter den Katastrophenfall ausgerufen. Nach einer Besprechung mit allen Organisationen aus Feuerwehr, Polizei, BRK, Bergwacht und Bürgermeister entschied sich Speer zu diesem Schritt. 

Nach dem Unwetter in der Nacht auf Sonntag sitzen aktuell Personen auf der Höllentalangerhütte fest. „Leben und Gesundheit sind in Gefahr“, heißt es seitens des Landratsamtes. Die Hütte ist von der Außenwelt abgeschnitten, denn die Wege und Brücken im Bereich zwischen Hütte und Tal sind zerstört. 

„Vorrangiges Ziel der Einsatzkräfte ist es, dass die Personen auf der Hütte sicher ins Tal verbracht werden“, betont Speer via Pressemitteilung. Hierfür werden Hubschrauber der Bayerischen Landespolizei und der Bundespolizei eingesetzt.

Ein Bürgertelefon wird eingerichtet. Die Telefonnummer wird noch bekanntgegeben.

Erstmeldung: 250 Anwohner und Urlauber nach Unwetter in Grainau in der Nacht auf Sonntag evakuiert

Zu einem reißenden Fluss wurde der Hammersbach in der Nacht auf Sonntag. 

Grainau - Es ging alles ganz schnell. Innerhalb von kürzester Zeit stieg der Hammersbach massiv an. Von einer „bedrohlichen Lage“ spricht die Polizei Garmisch-Partenkirchen im Grainauer Ortsteil Hammersbach. Nach den starken Regenfällen haben Anwohner zunächst ab 22.30 Uhr mehrere überflutete Keller gemeldet. Die Lage spitzte sich zu. Gegen Mitternacht wurden rund 250 Einheimische und Urlaubsgäste aus dem gefährdeten Bereich evakuiert und bis Sonntagvormittag im Kurhaus Grainau untergebracht.

Katastrophenfall in Garmisch-Partenkirchen: Treibholz droht Überschwemmung auszulösen

Es bestand die Gefahr, dass sich angeschwemmtes Treibholz an der Brücke in Hammersbach verkeilt. Dies hätte zu einer folgenschweren Überschwemmung für Hammersbach führen können. Zwischen der Höllentalklamm und der Brücke in dem Grainauer Ortsteil wurden teilweise die Wander- und Forstwege weggespült. 

Die Rettungsdienstbereitschaften und Mitglieder des Kriseninterventionsdienses betreuten die Evakuierten. Neben der Feuerwehr aus Grainau waren auch die Wehren aus Garmisch und Partenkirchen sowie die Wasserwachten aus Grainau, Krün, Uffing und Garmisch-Partenkirchen sowie die Bergwacht Grainau im Einsatz. 

Vor Ort waren 100 Kräfte der Feuerwehren und 60 Kräfte des Rettungsdienstes. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt hat umgehend Sicherungsmaßnahmen veranlasst. Derzeit sind die Wege von Hammersbach Richtung Höllentalklamm komplett gesperrt. 

Der Einsatz ist nicht beendet. Derzeit läuft nach Tagblatt-Informationen die Evakuierung der Höllentalangerhütte. 

Bereits am 11. Juni kam es im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu einer Hochwasser-Lage. Ein E-Biker reagierte dabei mehr als fahrlässig.

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