Pünktlich zur Grillsaison: Steaks aus dem Automaten

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Aus diesem Automaten kann man sich nach Ladenschluss Grill-Steaks holen.

Freising - Die Automatenwirtschaft hat nun auch die Fleischtheke erreicht - ein Metzgermeister aus Freising bei München hat die Rettung für Grillfans gefunden, die erst nach Ladenschluss Appetit bekommen und kein Fleisch im Haus haben.

Steffen Schütze dachte an alles, sogar an die Knoblauchbutter. Der Metzgermeister aus Freising hat am Dienstag etwas getan, worauf Freunde des spontanen Grillens seit der Entdeckung der Holzkohle warten: Er stellte einen Steak-Automaten auf. Wammerl, Putensteaks, Steak vom schwäbischen Schwein, in scharfer Marinade, in Zwiebel-Marinade, Lyoner für den Wurstsalat. Und eben Knoblauchbutter. 24 Stunden am Tag geöffnet. Sieben Tage die Woche. Täglich frisch. Alles aus seiner Metzgerei.

Steaks aus dem Automaten

Pünktlich zur Grillsaison: Steaks aus dem Automaten

„Ein Traum für alle Griller“, sagt Schütze in der der Erfindung angemessenen Bescheidenheit. Es war eine Idee, eine Vision, die ihn plötzlich ereilte. „Ich kannte das Problem aus meinem Freundeskreis, dass man sich am Sonntagvormittag spontan dazu entscheidet, zu grillen, aber kein Fleisch hat.“ Es sollte endlich Schluss sein damit, auf gut Glück unbeschriftete Beutel aus der Tiefkühltruhe aufzutauen. Schluss damit, eine Tankstelle zu finden, die nicht nur Grillwürstl, sondern auch gescheites Grillfleisch verkauft. Anfang Februar setzte er sich mit einer Designerin zusammen, wenig später beauftragte er eine Firma mit dem Bau der „Schlemmerbox“. Bis hierher lief alles reibungslos. Doch welchen Automaten sollte man eigentlich als Basis nehmen? Es musste einer sein, bei dem das Fleisch aus dem obersten Fach nicht einfach nach unten klatscht, nachdem man das Geld eingeworfen hat. „Wir brauchten einen Automaten mit Liftsystem“, sagt Steffen Schütze.

Ein Milchautomat bot sich an. Die Firma baute das Gerät so um, dass der Inhalt auf vier Grad heruntergekühlt werden konnte.

Eine Woche lang prüfte Schütze seinen Automaten unter Extrembedingungen. Hinten, in seinem Hof, stand das 1,80 Meter große Ding in der prallen Sonne. Tag für Tag sah der Metzgermeister nach, ob der Automat die Temperatur halten kann. Vier Grad, nicht mehr, nicht weniger durften es sein. Der Automat konnte. Auch den Ausgabemechanismus untersuchte er genau, damit die Käsekrainer nicht plötzlich an irgendeiner Kante hängen bleiben. Die Zeit war nun reif für den Steak-Automaten. Nervös, sagt Schütze, war er aber trotzdem. Wie reagiert die Kundschaft auf den stählernen Metzgereifachverkäufer? „Gleich einer meiner ersten Kundinnen, eine ältere Dame, war angetan“, erzählt Schütze. Die sei gleich wieder aus seinem Laden rausgelaufen und habe sich ein Paar Wienerwürstl rausgelassen. Die Dame war zufrieden, Schütze auch.

Die „Schlemmerbox“ ist zwar bislang die einzige ihrer Art, in Bayern gibt es aber noch mehr skurrile Automaten. An einer Augsburger Tankstelle hatten sie lange Zeit einen, der Pommes machen konnte. Mit Mayo oder Ketchup. Am Münchner Hauptbahnhof steht einer, der Computerspiele verkauft. Und einer der Lego-Spielsachen anbietet. Die Schwaben gingen noch weiter. In Stuttgart haben sie einen Pizza- Automaten.

In Freising, bei Metzger Schütze, ist noch mehr geplant. Bald soll es im Automaten T-Bone-Steaks geben. Im Winter will er das Sortiment variieren, frische Kartoffelsuppe kommt dann mit rein. Einen Haken hat die ganze Sache dennoch. Die Holzkohle am Sonntagvormittag, die gibt es trotzdem nur an der Tankstelle.

Patrick Wehner

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