„Nicht einfach niederwalzen“

Kult-Lokal soll abgerissen werden: Passanten machen Entdeckung, die die Arbeiten ins Stocken bringt

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So sah es mal aus: das Kult-Lokal Hexe. Offenbar hat es tierische neue Kurzzeit-Bewohner. 

Das beliebte einstige Gröbenzeller Kult-Lokal „Hexe“ steht kurz vor dem Abriss. Jetzt gab es eine überraschende Nachricht: Passanten beobachteten in dem Gebäude etwas, das das Bauvorhaben stoppen könnte.

Gröbenzell – Als die Nachricht im Rathaus herein flatterte, ging es Schlag auf Schlag: Ein Besichtigungstermin mit dem Landratsamt und somit der Unteren Naturschutzbehörde wurde anberaumt. „Wenn dort Fledermäuse sind, müssen wir das auf jeden Fall ernst nehmen“, hieß es vom Gröbenzeller Bauamtsleiter Markus Groß. Sollten Jungtiere vor Ort sein, muss der Abriss erst einmal gestoppt werden. Zumindest vorübergehend mussten die Arbeiten auf jeden Fall ruhen.

Gröbenzell: Kult-Lokal Hexe vor Abriss

Denn Experten sollten sich die Lage vor Ort anschauen und entscheiden, wie man weiter verfahren will. Am Dienstag um 12 Uhr machte sich ein Trupp mit Vertretern von Gemeinde und Landratsamt auf zu dem Gebäude nahe des S-Bahnhofes, das als das Kult-Lokal Hexe schon ein wenig Berühmtheit erlangt hat.

Immerhin war es nicht nur für Gröbenzeller jahrzehntelang wie ein Wohnzimmer, wilde Partys wurden dort gefeiert. Kein Wunder, dass viele Bürger gegen die Pläne einer Germeringer Wohnbaugesellschaft protestierten, hier einen neuen Komplex zu errichten. „Rettet unsere Hexe“: ein Thema, das auch das Rathaus jahrelang beschäftigte. Am Ende erfolglos. Im Mai stiegt die letzte Party mit hunderten Gästen.

Schon kurz darauf begannen die Entkernungsarbeiten. Arbeiter bereiten seit Monaten den Einsatz der Abrissbirne vor – dass sich unterdessen neue Bewohner niedergelassen haben, blieb scheinbar unbemerkt.

Er sah die Fledermäuse an der Hexe in Gröbenzell

Die flogen erst auf, als der Gröbenzeller Sebastian Hörger mit seiner Freundin und Hund zum Olchinger See spazieren ging. „Wir haben gesehen, dass Fledermäuse aus den kaputten Fenstern im ersten Stock flogen“, erzählt Hörger. Er gab die Information an die Gemeinde weiter, immerhin gehört er auch zu den Gegnern des Hexe-Abrisses. Neben dem Funken Hoffnung, dass dieser doch noch zu verhindern sei, stand bei ihm allerdings die Sorge um die Tiere im Vorgergrund. „Man kann das nicht einfach niederwalzen, wenn da eine aussterbende Art brütet.“

Der Ortstermin brachte schnell Klarheit: „Es gibt Fledermäuse“, wie eine Sprecherin des Landratsamtes bestätigt. Jedoch: Es handelt sich lediglich um eine Art vorübergehendes Quartier, nicht um ein Winterquartier und auch nicht um ein Mutterstuben-Quartier. Der Abriss wird also nicht gestoppt.

Der Gröbenzeller Vogelexperte Gerhard Wendl hat einen Tipp, wer sich da genau einen Zwischenstopp auf dem Flug in die Berge ausgesucht hat: der große Abendsegler. Bevor der sich in einen Stollen hängt, um die kalte Jahreszeit zu überstehen, geht er gerne noch jagen. Offenbar ist die Hexe dafür kurzzeitig sein Unterschlupf.

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